Getaway (1994)

 

Kaum eine Thematik spaltet die Filmfans als das Wort „REMAKE“, bei manchen sträuben sich die Nackenhaare hoch und andere sind offen für neue Ideen und Umsetzungen. Oft liegt es im Auge des Betrachters ob ein Remake als gelungen gilt, oder auf der ganzen Linie versagt. 1972 kam der Streifen „Getaway“ mit Steve McQueen in der Hauptrolle in die damaligen Kinos und sorgte schon damals für Furore. Viele geben diesem Film den Titel „McQueen sein bester Film.“

1994 war es dann soweit, ein Remake stand ins Haus und der Regisseur Roger Donaldson nahm sich der Sache an, und Walter Hill schrieb das passende Drehbuch dazu um, denn er hatte bereits 1972 das Drehbuch verfasst und formte es den 90er Jahren entsprechend an. Das Bild der Frau wurde modernisiert, sie ist nicht mehr das stille Mäuschen, sondern eine Frau die auch zurückschlägt, sozusagen die Waffen einer Frau, und auch Waffengewalt kommt zum Einsatz. Donaldson ist ein bekannter Mann hinter der Kamera, zu seinen bekanntesten und erfolgreichsten Werken zählen zweifellos folgende Titel: „Cocktail“ von 1988, „Species“ von 1995 und „Dantes Peak“ von 1997, aktuell ist er mit „The November Man“ wieder in aller Munde.

Betrachtet man die Jahrzehnte die zwischen den Filmen liegen, so merkt man recht schnell das sich das Kino und die Sehgewohnheiten der Zuschauer drastisch geändert haben. In den 70er Jahren setzte man noch mehr auf Intensivität und Ausdrucksstärke, ruhige Kameraeinstellungen und nur wenige Schnitte, wobei in den 90er Jahren eher als bunter, schneller und wilder sein musste. Dies ist auch an den Action Sequenzen deutlich zu spüren, die neuere Version setzt mehr auf Explosionen und Schusswechsel. Auch darf ein Hauch von Erotik nicht zu kurz kommen, was zumeist in den 70er Jahren eher verpöhnt oder anderen Produktionen vorbehalten war.

Als Paar auf der Flucht wurden in „Getaway“ von 1994 Alec Baldwin und Kim Basinger engagiert, beide harmonieren gut zusammen und erwecken einen realistischen Eindruck von einem Paar auf der Flucht, natürlich darf eine intime Zweisamkeit nicht fehlen, wir sind ja schliesslich in den 90er Jahren. In weiteren Rollen sind weitere bekannte Schauspieler am Set vertreten, allen voran Michael Madsen, der jedoch etwas blass in seiner Rolle wirkt. Dazu gesellen sich noch James Woods, Jennifer Tilly und Philipp Seymour-Hoffmann.

Getaway“ legt ein gutes Tempo vor, die Spannung wird gut aufgebaut und aufrecht erhalten. Nur wenige Längen schlichen sich in den Plot ein, doch diese wurden mit einem Hauch Erotik gefüttert, eine Liebesromanze darf in den 90er Jahren nicht fehlen, es darf auch etwas intimer und freizügiger sein. Ob hier Basinger sich selbst auszog oder ein BodyDouble zum Einsatz kam, ist nicht bekannt. Dennoch wurde sie für diese Rolle 1995 für eine Goldene Himbeere nominiert!

Auch wenn einige Dinge im Remake etwas deutlicher und ausführlicher inszeniert wurden, sei es die Verfolgungsjagden oder auch die bekannte Hotel Szene, die leider nur 1:1 kopiert wurde, anstatt sie ebenfalls etwas zu formen und modernisieren, das nötige Flair und Intensivität eines Steve McQueen fehlt im Ganzen. Ein Alec Baldwin ist halt kein McQueen. Wer jedoch für einen rasanten und unterhaltsamen Action – Thriller offen ist, und das Original vielleicht (noch) nicht kennt, der wird durchaus seine Freude haben und den Film geniessen können. Wer Vergleiche mit dem Original zieht, wird vielleicht ein etwas getrübtes Filmvergnügen nur serviert bekommen. Dennoch ist „Getaway“ ein solider Action – Thriller, der sich nicht zu verstecken braucht, und seine Fans finden wird!