Good Morning Vietnam (1987)

Adrian Cronauer, ein Starmoderator des amerikanischen Armeeradios wird während des Krieges von seinem ruhigen Posten in Europa nach Vietnam versetzt, wo er mit seiner lockeren Art die Truppen bei Laune halten soll. Seine Musikauswahl und die unkonventionelle Weise, in der er seine Show moderiert, kommt aber nicht bei jedem gut an. Mit der Zeit durch die Ereignisse an der Front und die Zensur der Nachrichten wird aus dem fröhlichen Moderator ein nachdenklicher Mann.

 

Krieg aus einer anderen Perspektive

Dies war, soweit mein Gehirn sich erinnern kann, der erste Film den ich von Robin Williams sah. Und nach langer Zeit holte ich den wieder hervor und begutachtete ihn. Und siehe da, er hat nichts von seiner Faszination verloren.

Mitte der 80er begann die gute Kinophase von Williams. Innerhalb kürzester Zeit drehte er einen guten Film nach den anderen. Dies hielt gute 10 Jahre an. Und für mich hat diese Phase angefangen mit diesem Film. Denn hier wurde genau das gezeigt was Robin Williams ausgemacht hat: den traurigen Clown. Und, so scheint es zumindestens, leider Gottes hatte das seine Fortführung im realen Leben. Wie dem auch sei. Dieser Film bot zu der Zeit einen Perspektivwechsel bezüglich dem Vietnamtrauma an. Hier wird nicht die Front gezeigt, hier herrschen keine Kriegsmaschinen. Hier spritzt nicht das Blut in Strömen. Muss es aber auch garnicht, denn das will der Film auch nicht. Er erreicht etwas anderes. Die Auseinandersetzung mit dem alltäglichen Wahnsinn des militärischen Apparates und dem Kalkül der Verlogenheit der Wahrheit gegenüber dem marschierenden, sterbenden Fussvolkes von hoher Stelle aus. Und so steht sinnbildlich der Radiosender für das befehlende Militär: verbarrikadiert hinter sicheren Steinen, Befehle gebend, sinnlos waltend und dadurch satirisch angreifbar.

Das Fussvolk schwitzt im Unterhemd im Dschungel und hält seinen Kopf hin für einen Krieg der so sinnlos war, wie jeder andere auch. Und da ist die Figur des Adrian Cronauer ein intellektuelles Störfeuer. Er macht sich lustig über alles was den politisch-militärischen Stab ausmacht. Witze über den Papst, Lyndon johnson, heisse Unterhosen, Richard Nixon und viele mehr. Cronauer ist das Ventil der angsthaften Masse. Nur durch Ironie und Zynismus hält er die Truppe an Leben. Es ist in den Szenen im Studio ein zutiefst menschlicher Film, der versucht für einen kurzen Moment den Schrecken des Krieges vergessen zu machen und den Menschen Hoffnung zu geben. Ein Stück heimat, ein Stück Leben. Williams verkörpert diese traurige Hoffnung sehr gut und einfühlsam.

Zwei Szenen beeindrucken mich bis heute. Die eine ist die wo Cronauer eine verbotene Nachricht vorliest und dann die Kamera stumm zurückzoomt auf den Ticker der die tragischen Nachrichten ausspuckt und dann immer lauter wird. Opfer als Buchstaben und Zahlen. Und die Szene in der „What a wonderful World“ von Armstrong erklingt und im krassen Gegensatz dazu Bilder zeigt, die Leid und Zerstörung präsentiert. Zynischer kann man das Kriegsgeschehen kaum fassen. Auch hat der Film Schwachpunkte. Die Liebesgeschichte wirkt fehl am Platz und einige Dinge passen zeitlich gesehen nicht dazu. So sind einige Musikstücke nicht von 1965 (wo der Film spielt) und Geschehnisse fanden auch erst später statt. Aber davon abgesehen ist dies ein wunderbarer Schauspielerfilm, bei dem jede Figur genial gespielt wird. Sei es Bruno Kirby als einfallsloser Vorgesetzter oder J.T. Walsh als Verkörperung des standhaften Bürokraten. Allesamt genial. Und wie gesagt Williams. Ein schöner Nachlass für die Filmwelt. Ich vermisse ihn. R.I.P.