Guerilla Force (1988)

USA 1988
mit James Ryan, Oliver Reed, Cameron Mitchell
Drehbuch: David Winters, Ian Yule
Regie: David Winters
Länge: 89 Minuten
FSK: Ungeprüft

Die idyllische Karibikinsel St. Heron wird nach einem blutigen Staatsstreich vom machtbesessenen General Turner (Oliver Reed) übernommen. Er und seine Soldaten bringen nicht nur die Landbevölkerung, sondern auch gefährliche Langstreckenraketen, welche auf der Insel stationiert sind, unter ihre Kontrolle. Auch besetzten sie das dort ansässige College. Unter den gefangenen Studenten befindet sich der jüngere Bruder von Stuntfahrer und Ex-Marine Blaine Striker (James Ryan). Dieser eilt seinem Bruder schnellstmöglichst zur Hilfe. Gemeinsam mit den Studenten, der Landbevölkerung und dem CIA-Offizier Miller (Cameron Mitchell) formiert Striker einen Widerstand. Ein bleihaltiger Krieg beginnt!

Darf es ein wenig Trash sein? Sicher! Wenn der geneigte Zuschauer mal wieder auf der Couch vegetiert und die Auffassungsgabe im Moment zu niedrig für anspruchsvolle Filmkunst ist, dann ist ein Film, wie „Guerilla Force“ genau das richtige. Stumpfe Low-Budget Action aus dem Videothekensumpf der späten 80er Jahre. Für gehobene Filmliebhaber ein Graus, für den geneigten B- und C-Film Freund, wie mich, ein unterhaltsames Erlebnis. Lassen wir den guten Geschmack mal beiseite und begeben uns auf eine Reise in die Untiefen des unterbudgetierten Actionfilms.

Als ich das vorliegende Mediabook von „Xcess Entertainment“ im Regal meines Händlers erblickte konnte ich einfach nicht widerstehen. Drei Filme im Paket, zwei davon zum ersten Mal auf DVD. Für läppische 20 Euro sollte das kein Fehlkauf sein, was sich im Falle von „Guerilla Force“ bestätigen lässt. „Guerilla Force“, was für ein schöner Titel. Fast so schön, wie „Rage to Kill“, der Originaltitel dieser runtergrotzten C-Produktion. Hinter diesem Streifen steckt die Produktionsfirma „Action International Pictures“, ehrlicher geht es kaum, welche sich, wie der Name vermuten lässt, vornehmlich auf Filme des Action-Genres fokussierte. Mit der Devise „Hauptsache günstig“ haute das Label einen Heuler nach dem anderen raus. Drehbuch, Handwerk etc. waren egal, Hauptsache es krachte. Die Firma war quasi das 80er-Äquivalent zu „PM Entertainment“ in den 90ern. Man nutzte Ideen und Drehbuchschemen, die bereits erprobt waren und zimmerte sich so „Drehbücher“ zusammen. „Guerilla Force“ bildet da keine Ausnahme, erinnert das Ganze stark an „Die Wildgänse kommen“ oder „Rambo“, nur noch dürftiger zusammengeschustert. Böser General unterjocht eine Insel, Bevölkerung lehnt sich auf und dann wird geballert, gesprengt und gekloppt. Und weil farbige Inselbewohner keine Zugpferde im amerikanischen Videothekenmarkt sind, hat man noch einen Ex-Marine als Helden in die „Story“ integriert. Dieser will seinem Bruder helfen, welcher auf einem Medizin-College studiert, welches auf der Insel liegt. Ich weiss nicht, aber dieser Plot-Point ist irgendwie seltsam, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass auf einer, von Unruhen gezeichneten Kack-Insel, in der anscheinend nur Dschungel existiert, ein renommiertes College sein soll, auf dem man Medizin studieren kann. Jedenfalls ist unser Held „Blaine Striker“, ein Name der wie Öl runtergeht und der aussieht als sei er der schmächtige Schwager von Sylvester Stallone. Dann bekommen die braven Studenten Knarren in die Hand gedrückt und schon geht die Gaudi los. Ihr merkt schon, die Story ist ziemlicher Murks und voll von strunz doofen Dialogen. Das gilt für CIA-Mann Miller, der ziemlich hanebüchen das Senden von Geheimbotschaften erklärt, sowie für den Präsidenten der Vereinigten Staaten, der mit seinem Stab auch nichts Besseres zu tun hat, als zu sagen: „Ach, lass uns noch etwas warten, solange die Situation nicht schlimmer wird, sollten wir ruhig bleiben!“ Aber das sind nun mal die glorreichen Attribute des Trash-Films, die man nur goutieren kann, wenn man eine gewisse Affinität zu dieser Art des Films besitzt. Die schönste Spielart des Trashs ist allerdings diejenige, in der sich Filme, wie „Guerilla Force“ sehr ernst nehmen und somit eine wunderbare unfreiwillige Komik kreieren, die nicht nur durch die schlechten Dialoge entsteht, sondern auch durch Anschlussfehler, Logiklücken, schlechte Darsteller und eine etwas minderwertige Inszenierung. Verantwortlich für letzteres war David Winters, einem der Gründer von „AIP“. Hier legt also der Chef noch selbst Hand an und serviert uns eine Action-Szene nach der andern. Und genau das muss man dem Film zugutehalten, denn langweilig ist er nicht. Winters mag zwar kein begabter Filmemacher sein, aber er gibt augenscheinlich sein Bestes und holt aus dem wenigen Budget das Maximale heraus. Es wird ausgiebig geballert und in die Luft gesprengt. Das sieht natürlich alles weniger professionell aus und schlechte Kameraeinstellungen und miese Stuntarbeit sind hier Dauerzustand aber, wie hieß es in Beurteilungen immer? Er war stets bemüht! Das kann ich auch Herrn Winters attestieren. Aber mehr kann man von einem Videotheken Chash-In Produkt nicht erwarten. Keiner der Beteiligten wollte einen guten Film machen, da bin ich mir sehr sicher. Hier ging es lediglich um den schnöden Mammon. Das dürfte auch der einzige Grund sein, warum man hier auch, zumindest ehemalige, Stars vorfindet. Damit meine ich nicht James Ryan, unser „Striker“, der in seiner Karriere über den B-Movie Standard nie herauskam und in so eindrucksvollen Werken, wie „Kickboxer 5“ und „From Dusk Till Dawn 2“ zu sehen war. Recht hölzern stapft er durch das seichte Grün der, wahrscheinlich Philippinen. Die eigentlich bekannten Namen sind Oliver Reed und Cameron Mitchell. Reed, der in vielen Filmen und Serien in den 60er und 70er Jahren auftrat darf hier als Bösewicht auftreten und macht einen guten Job. Western-Star Cameron Mitchell tritt als kampflustiger CIA-Offizier in Erscheinung, der sichtlich mehr mit den dürftigen Dialogen zu kämpfen hat, als mit seinen Gegnern. Ihr seht, beste Voraussetzungen für einen schönen Abend mit ordentlicher Unterhaltungen aus der Resterampe der Videotheken. Ich habe mich hier nicht gelangweilt und die 89 Minuten bieten solide Action-Kost auf einem Niveau, welches deutlich unter den Produktionen von „Cannon“ liegt.

 

„Guerilla Force“ ist ziemlicher C-Movie Schwachsinn und genau deshalb macht er ziemlich Spaß. Günstige Locations, hölzerne Darsteller, schlechte Dialoge, mäßige Regie und ordentlich Krawall. Hier wird knapp 90 Minuten geschossen und gestorben, was in Anbetracht der, gewollten, Ernsthaftigkeit für saubere Trash-Unterhaltung sorgt.