Halloween – Die Nacht des Grauens (1978)

1963, Halloween-Nacht im Kaff Haddonfield: Die Teenagerin Judith Myers wird in ihrem Elternhaus von ihrem sechsjährigen Bruder brutal erstochen – Michael Myers hat das erste Mal zugeschlagen! Der Junge kommt daraufhin in das Smith’s Grove Warren County Sanatorium in die Obhut von Psychiater Sam Loomis. Schon bald ist dieser davon überzeugt, dass sich in der Gestalt des Kindes das absolut Böse verbirgt. 15 Jahre danach, am Vorabend von Halloween, gelingt Michael die Flucht aus der Heilanstalt. Der markierte Killer macht sich auf den Weg nach Haddonfield, wo sich arglose Teenager wie Laurie Strode auf ein bisschen Horrorspaß freuen…

 

Süßes oder Saures? Wer kennt nicht die Frage der Fragen am 31. Oktober jeden Jahres? Seit jeher ein nationales Ereignis in den USA, wird Halloween seit Jahren auch immer stärker in Deutschland zelebriert. Wenn Kinder in Kostümen um die Häuser ziehen und viele Ecken durch leuchtende Kürbisse erhellt werden ist das nicht nur ein Zeichen für Heiterkeit, nein dann kommt meistens eine der wohl bekanntesten Horror-Ikonen, immer wieder ans Tageslicht. Die Rede ist natürlich von Michael Myers, einer Figur mit der Regisseur John Carpenter nicht nur ein „Kult-Monster“ erschaffen hat, sondern auch mit dem dazugehörigen Film „Halloween – Die Nacht des Grauens“ den modernen Horrorfilm revolutionierte. In der nun folgenden Reihe geht es um die Ausflüge des Schreckens von Haddonfield bis zum Jahr 2002 in mal mehr, mal weniger guten Filmen.

1978 kam es zum ersten Auftritt des berüchtigten Serienmörders mit der weißen Maske. Nachdem das Horror-Kino in den 70ern mit Filmen, wie „The Last House on the Left“ oder dem Slasher-Vorläufer „Black Christmas“ von Bob Clark den Schrecken auf die Realität losließ, ertönte „Halloween“, wie ein Donnerhall durch die internationale Kinolandschaft. Mit seinem Setting und der minimalistischen Handlung schuf John Carpenter einen Schocker, der noch heute zu den erfolgreichsten Independent-Filmen aller Zeiten zählt. Die Story um einen entflohenen Psychopathen, der in der Halloween-Nacht Jagd auf Babysitter macht, war zwar schon damals kein allzu ausgeklügeltes bzw. innovatives Grundgerüst für einen mitreißenden Film, dennoch waren es viele weitere Faktoren, die den Film zu dem machten was er heute ist: Einem wegweisenden Klassiker!
Aber was genau macht „Halloween“ zum Klassiker? Seine Inszenierung! Angesiedelt im fiktiven Haddonfield, Illinois erzeugt Carpenter schon mit dem Setting die Bedrohung. Einsame Straßen, dunkle Ecken, pfeifender Wind und rauschende Bäume schaffen die Grund-Spannung. Eine Stadt, die jedermanns Heimat sein könnte, so beliebig kommt der Ort daher. Lange Kamerafahrten und gut eingesetzter Schnitt erzeugen ein Gefühl der Unbehaglichkeit. Das Erzähltempo ist im Vergleich zu späteren Werken sehr langsam. Carpenter lässt sich Zeit, seine Figuren einzuführen. Die etwas gehemmt wirkende, besonnene Laurie Strode, die promiske Sherrifstochter Annie und Gruppen Luder Lynda. Figurentypen die in späteren Slashern immer wieder kopiert wurden, kommen hier zum Einsatz. Anders als bei diesen gibt man ihnen in diesem Film jedoch Personality, sie wirken plastisch, agieren nachvollziehbar und man stellt einen Bezug zu ihnen her. Sie sind einem nicht egal und vor allem Laurie wird gut aufgebaut und regt zum mit fiebern an. Dem wird ein Killer entgegengesetzt, der von all dem nichts hat. Gefühllos und ohne Charakterzüge kommt Michael Myers daher, eine Geistergestalt, quasi der schwarze Mann, wie er auch genannt wird. Dieser Kontrast ist der Dreh- und Angelpunkt der Films. Myers verwendet sehr viel Zeit damit, seine Opfer zu beobachten, ihnen nachzustellen. Er taucht spontan im Bild auf und entfaltet somit seine schreckliche Präsenz, und das alles ohne Gore- und Splattereffekte. Carpenters Film braucht dies auch gar nicht. Durch diese Faktoren kreiert er eine sehr spannende Grundathmosphäre, die ihres gleichen sucht. Myers ist hier noch nicht die rabiate Killermaschine, die er in den weiteren Teilen der Reihe ist, sondern diese gruselige Gespenstergestalt, quasi der leibhaftige Tod, der die Lebenden heimsucht. Was dazu ebenfalls beiträgt, ist die Gesichtslosigkeit des Killers. Die ganze Zeit umgibt ihn etwas mysteriöses, etwas unerklärlich Gespenstisches. Ein Stilmittel, das in den Fortsetzungen immer wieder variiert wird aber auch seine Wirkung verliert. „Halloween“ ist in dieser Hinsicht der purste von allen Filmen. Somit fällt einem auch nicht die eigentliche Inhaltslosigkeit auf. Denn es passiert nicht viel in diesem Low-Budget-Film aus dem Jahr 1978. Mit nur c.a. 300.000 Dollar gedreht, standen keine Effekte zur Verfügung, man musste noch mit dem arbeiten, was man hatte. Dafür brauchte man neben guten Leuten hinter der Kamera auch gute Leute davor, Jamie Lee Curtis lieferte hier ihr Debüt ab und glänzt in der Hauptrolle. Ihre Natürlichkeit, trägt viel zur Stimmung bei und machte sie zur Idealbesetzung des Final-Girls in Horror-Filmen. Nicht umsonst, drehte sie im Anschluss neben „Halloween II“ weitere Filme des Genres. „The Fog“, „Prom Night“ oder „Monster im Nachtexpress“, in allen dreien spielte sie eine Variation der Rolle, die sie berühmt machte.

Ein weiterer Kult-Darsteller und auch der größte Name, dieser Produktion zur damaligen Zeit, war Donald Pleasence, der dem internationalen Publikum noch als Bond-Schurke Ernst Stavro Blofeld aus „Man lebt nur zweimal“ bekannt war. Seine Figur des Dr. Sam Loomis ist der Gegenspieler von Myers. Er ist so etwas, wie der Prophet, der über die Ankunft des Killers aufklärt und als einziger erkannt hat was er ist: Das personifizierte Böse. Pleasence spielt die Rolle gewohnt eindringlich und mit viel Verve, weshalb die Figur beim Publikum außerordentlich beliebt war und noch 4 weitere Auftritte in der Reihe bekam. Die weiteren Akteure setzten sich aus Jungdarstellern und typischen 70er-Jahre Gesichtern zusammen, die alle souveräne Leistungen erbringen und für einen runden Film sorgen. Natürlich muss auch der Score erwähnt werden. Carpenters minimalistischer Klavier/Synthesizer-Sound veredelt den Film zusätzlich. Das Main-Theme bekommt man nicht mehr aus dem Kopf und ging zu Recht in das allgemeine Popkultur-Gedächtnis ein. Allein die Musik erzeugt so viel Gänsehaut, wie es viele nie mehr geschafft haben etwas ähnlich Effektives zu komponieren. Der kleine Streifen besitzt so viele gute Elemente, dass er nicht umsonst zur Blaupause des Slasher-Films wurde, denn alles was danach kam, wurde durch „Halloween“ inspiriert. Klar ist der Film langsam und für heutige Sehgewohnheiten etwas fad, man muss ihn jedoch in seinem zeitlichen Kontext betrachten, denn er war der Erste große Kino-Erfolg seiner Art und bleibt dadurch unvergessen. Deshalb gab es auch noch 7 Fortsetzung und ein Remake, welches ebenfalls eine Fortsetzung erhielt. Aber mehr dazu an anderer Stelle.

John Carpenters „Halloween“ revolutionierte nicht nur den Horror-Film, er begründete auch das moderne Slasher-Kino. Egal ob „Nightmare“, „Freitag der 13.“ Oder „Scream“. Ohne diesen kleinen Low-Budget-Schocker hätte es diese Konsorten wahrscheinlich nie gegeben. Spannende Inszenierung, gute Charaktere, eine gespenstische Atmosphäre und ein blendend in Szene gesetzter Antagonist in Verbindung mit einem mitreisenden Score machen „Halloween“ zum Klassiker, der zeigt was man ohne große Mittel alles erschaffen kann. Zu Recht ein Meilenstein, der Pflichtprogramm auf allen Filmschulen sein müsste.