Halloween H20 – 20 Jahre später (1998)

Genau zwanzig Jahre ist es her, daß Laurie Strode ihrem mordenden Bruder Michael Myers in der Halloween-Nacht entkommen konnte. Jetzt lebt sie unter dem Namen Keri Tate als Direktorin eines exklusiven Internats in Nordkalifornien. Doch den Fluch ihrer Existenz konnte sie nicht abschütteln: ihr Trauma und ihre Alkoholsucht entfremden sie von ihrem Sohn John. Will Brennan, ihr Kollege und Geliebter, weiß noch nichts von ihrer schmerzhaften Vergangenheit. Laurie ahnt: ihr Martyrium ist noch nicht vorbei. Lauries schlimmste Befürchtungen werden wahr. Ihr Bruder lebt. Und er hat seine Schwester ausfindig gemacht.

 

Nachdem „Halloween 6 – Der Fluch des Michael Myers“ den Handlungsverlauf in eine, quasi, Sackgasse manövrierte, stand es schwierig um eine Fortsetzung. Der Hokuspokus um keltische Druiden-Sekten, Runen-Symbole und alte Mächte des Bösen, machte es den Drehbuchautoren schwer, die Reihe weiterzuführen. Daniel Farrands Skript ließ die Reihe in krude Gefilde abdriften, die so gar nichts mehr mit Carpenters originaler Intention zu tun hatte. Vorerst lag die Reihe erstmal brach, doch 1996 kam „Scream“ von Wes Craven, der einen neuen Boom an Slasher-Filmen auslöste, die fortan wieder gefragt waren. Zudem bekundete Jamie Lee Curtis, die mit den ersten beiden Teilen Star-Ruhm erlangte, ihr Interesse in einem Jubiläums-„Halloween“ ihre Rolle als Laurie Strode wieder aufzunehmen, schließlich wurde der Klassiker von 1978 in diesem Jahr 20 Jahre alt. Somit machte man sich an die Arbeit für den siebten Teil, der gänzlich andere Wege geht und für die Fans in mehrfacher Hinsicht einige Überraschungen bot.

Schon das Opening gestaltet sich sehr atmosphärisch. Wir treffen Marion Chambers wieder, die auch schon in den ersten beiden Teilen zu sehen war. Erneut gespielt von Nancy Stephens, fällt sie Michael Myers als erstes zum Opfer. Sie kümmerte sich bis zu dessen Tod um Dr. Loomis. In dem Haus entwendet Michael die Informationen, die den Aufenthaltsort von Laurie Strode beinhalten. Moment! Wurde nicht in Teil 4 erwähnt, dass diese bei einem Autounfall ums Leben kam? Ja, aber sie hat ihren Tod nur gefaked und kam in ein Zeugenschutzprogramm, da Myers Leiche im Krankenhaus nie gefunden wurde. Und hier kommen wir zum auffälligsten Merkmal des Films. Er ignoriert die Teile 4-6 gänzlich, sie haben quasi nie stattgefunden, weswegen „H20“ eine neue Chronologie erstellt. Auch kommt die Existenz und der Tod von Lauries Tochter Jamie Lloyd nicht zur Sprache. Man knüpft hier einfach an Teil 2 an, weswegen „H20“ in der neuen Chronologie den eigentlichen dritten Teil markiert, was durchaus nachvollziehbar ist, da man sich somit wirre und abstruse Erklärungen spart, in Bezug auf die Vorgänger. Also gehen wir von der Nichtexistenz dieser Filme aus, war Myers 20 Jahre verschwunden. Laurie Strode lebt derweil unter dem Namen Keri Tate in Kalifornien und leitet eine abgelegene Privatschule. Sie hat die Erlebnisse aus der Halloweennacht 1978 nie verarbeitet und hat ein offensichtliches Alkohol- und Medikamentenproblem. Myers findet sie letztendlich und es kommt, wie gewohnt, in der Nacht des 31.Oktober zum Showdown. „Halloween H20“ kann als gelungener Film bezeichnet werden, wenn man Abstriche macht. „Scream“ punktete mit seinem Meta-Humor, in dem Genre-Konventionen geschickt parodiert werden, was man sich auch teilweise in diesem Film zu Nutze machen wollte. So läuft „Scream 2“ im Fernsehen und es werden immer wieder Anspielungen zum Original gemacht. Der Film wirkt auch wie ein Produkt der Post „Scream“-Ära, in Bezug auf die Stimmung und das Verwenden einer neuen Generation von Teenagern. Der Film an sich ist gelungen. Nach der Opening-Szene gibt es einige nette Momente, aber auch viel Leerlauf. Es vergeht fast eine ganze Stunde bevor der Film richtig Fahrt auf nimmt und in ein krachendes, sehr cooles Finale übergeht. Dazwischen bekommt man oft Klischees geboten, die mal mehr, mal weniger gut durch Humor und Zitate aufgelockert werden.
Hier verschenkt auch der Film einiges an Potential. Die am Anfang zu sehenden Detectives wären beispielsweise ein netter Side-Plot gewesen, kommen aber nie mehr vor. Ihre Ermittlungen, in denen sie vielleicht Laurie Strode gefunden hätten, hätten durchaus mehr Dynamik erzeugen können aber man konzentrierte sich lieber auf quasselnde Teenager. Steve Miner inszeniert den Film recht schnörkellos, hat er doch mit seinen Regiearbeiten „Freitag der 13.“ Teil 2 & 3 durchaus schon Erfahrungen im Slasher-Metier. Allein sein rasantes Finale, in dem Laurie und Michael sich durch die leere Schule kämpfen und sich dabei nicht die Butter vom Brot nehmen ist äußerst gut gemacht. Das einzige was man ihm neben der Langeweile im Mittelteil vorwerfen kann sind seine inflationär eingesetzten Jump-Scares. Dauernd rennt Laurie in irgendjemand hinein, was auf Dauer nervig ist.
Jamie Lee Curtis spielt übrigens fantastisch. Ihre Laurie ist ein Wrack ihrer selbst, von Alpträumen geplagt und in ständiger Angst, dass Michael sie findet. Bei Curtis sitzt jede Geste, was gerade in Anbetracht ihres Figuren-Comebacks deutlich Spaß macht. Man merkt das sie wirklich Bock hatte. Die Teenager können nicht so überzeugen, auch Josh Hartnett nicht. Immer noch besser als in Teil 5 aber auch kein Weitwurf. Der Rest der Besetzung mit LL Cool J und Adam Arkin ist solides Beiwerk, sowie der Auftritt von Curtis Mutter Janet Leigh, damit man noch ein paar Psycho-Referenzen einbauen kann. Schade ist das Fehlen von Dr. Loomis, man kann ja nichts machen dass Pleasence gestorben ist aber er hinterlässt eine klaffende Lücke. Atmosphärisch kommt auch der Score daher. John Ottman bedient sich nicht nur bei den Themes von einst, sondern modernisiert sie gekonnt und kreativ. Neben guten Neukompositionen, besticht der Orchestersound durch eine eigene Dramatik, die im Film gut zur Geltung kommen. Einzig störend sind auch einige Fragen, die mich immer wieder beschäftigen. Was hat Michael Myers 20 Jahre lang gemacht? Wo ist er denn gewesen? Und warum wartet er so lange? Ist der nachdem er am Ende von Teil 2 lichterloh gebrannt hat einfach aufgestanden und weggegangen? Zudem scheint Michael kein mit Narben versehener Invalide, wie zum Beginn von Teil 4 zu sein, bei dem man sich wenigstens die Mühe machte um seine Hände mit Narben zu versehen. In „H20“ scheint er bei bester Gesundheit zu sein. Zudem muss er ja von Illinois nach Kalifornien reisen, eine Distanz, die er, wie in einer Szene gezeigt, mit dem Auto zurücklegt. Es scheint niemandem suspekt vorzukommen, dass da jemand mit der bekannten Maske am helllichten Tag durch die Gegend fährt. Naja, schwamm drüber! Das Franchise ist ja dafür bekannt, Logik gerne mal weg zu lassen. Der Film war trotz allem ein Erfolg an den Kinokassen und stellte durchaus den Ruf der Reihe wieder her. Zudem gab es ein gutes und deftiges Ende, dass wahrscheinlich die Geschichte beenden sollte, was sicher die richtige Entscheidung gewesen wäre. Doch nach dem Erfolg wurden die Produzenten dann mal wieder von der Geldgier gepackt und 4 Jahre später erreichte uns schließlich eine weitere Fortsetzung, mit der man besser nicht hausieren geht. Dazu mehr an anderer Stelle!

„Halloween H20“ schwimmt im Fahrwasser von „Scream“, schafft es aber nicht so clever zu sein. Dennoch stellt der siebte Beitrag zur „Halloween“-Reihe einen durchaus gelungenen Film da, der zwar auch genug Leerlauf und Logikfehler bietet und das Potential nicht ganz nutzt, aber vor allem im Finale ziemlich rockt und auch einige gelungene Szenen zu bieten hat. Eine fantastische Jamie Lee Curtis tut ihr übriges und so bekommt man hier neben Teil 4, die wohl beste Fortsetzung des Franchise geboten.