Halloween III (1982)

Ein Mann wird von Unbekannten durch eine Stadt irgendwo in Nordkalifornien gehetzt, schließlich bricht er mit einer seltsamen Halloween Maske in der Hand zusammen. Kurz darauf wird er auf bestialische Weise im Krankenhaus durch die Unbekannten ermordet. All dies scheint mit dem Spielzeughersteller Silver Shamrock zusammenzuhängen, der seine Monster-Masken durch eine riesige Werbekampagne überall im Land vertreibt. Der mysteriöse Boss der Spielzeugfirma hat jedoch teuflisches im Sinn, das ganze Grauen wird erst in der Halloween-Nacht deutlich …

 

Mit dem Ende von „Halloween II“ fand auch die Story um Michael Myers, Laurie Strode und Dr. Loomis einen würdigen Abschluss, sollte man meinen. Doch bevor man den mordenden Unhold Myers wieder auf seine Opfer losließ, verfolgten John Carpenter und Debra Hill eine andere Idee für das Franchise, denn die Original-Story war für beide wirklich erledigt. Warum nicht Horror-Filme produzieren, die sich mit dem Thema „Halloween“, also den Tag, auseinandersetzen und eigenständige, in sich geschlossene Werke darstellen. So kam es 1982 zu „Halloween III“, der maßlos floppte, da der bizarre Gruselfilm, so gar nichts mit handelsüblichen Slasher-Produkten zu tun hatte.
Warum das aber relativ erfrischend ist und warum sich hinter dem eher schlecht gewählten Titel eine Perle verbirgt, das erfahrt ihr hier.

Schon der Vorspann lässt den Zuschauer erahnen, dass man hier etwas ganz anderes bekommt als in den Vorgängern. Ein Fernsehbild auf dem sich ein Kürbis formiert, unterlegt mit einem gewohnt düsteren Synthesizer-Sound. Stark an Science-Fiction erinnernd wird man auf den folgenden Film eingestimmt. Was man bekommt ist ein unglaublich bizarres, man könnte es auch abgefahren bezeichnen, Filmerlebnis. Ein wahres Potpourri aus Horror, Mystery, Fantasy und etwas Science-Fiction, ergießt sich über den Zuschauer, der wahrscheinlich erstmal ratlos ist, über das was er da sieht. Die Story über einen irren Maskenfabrikanten, der mit Hilfe der magischen Kraft von Stonehedge, tödliche Masken produziert, die an Halloween durch einen Werbespot „gezündet“, alle Kinder der Erde töten soll. Zudem befiehlt er Roboter. Alles klar, sehr realistisch. Aber genau das will „Halloween III“ gar nicht sein. Er will den Zuschauer in eine Horror-Fantasy-Geschichte entführen, die direkt aus „Tales from the Crypt“ stammen könnte. Wenn man sich darauf einlässt bekommt man einen spannenden und sehr atmosphärischen Film geboten, der immer noch darauf wartet, von einem breiten Publikum wiederentdeckt zu werden. Auf dem Regiestuhl nahm Tommy Lee Wallace Platz, ein Protegé von John Carpenter, welcher schon beim ersten „Halloween“ maßgeblich beteiligt war. Er hat gut gelernt, denn Wallace versteht es Spannung aufzubauen und die Düsternis die über den Szenen schwebt aufrecht zu erhalten. Den ganzen Film durchzieht dieses Unbehagen, das schon den ersten Film so wegweisend machte. Der Streifen erweist derweil große Referenz an Don Siegls „Invasion oft the Body Snatchers“ und arbeitet diese Thematik in den Film ein, als Handlungselement und als gezielte Hommage. Klar diese Maskengeschichte ist totaler Schwachsinn, dennoch funktioniert sie auf ihre Weise. Man wollte etwas gänzlich anderes schaffen und man merkt, dass sich hier kreativ ausgetobt wurde. Der Film strotz vor originellen Ideen und ist mit typischem Suspense gespickt, dazu gibt es noch ein paar Gore- und Ekeleffekte. Es bleibt durchgehend spannend und mit seinem Ende hinterlässt er einen bleibenden Eindruck. Schauspielerisch werden hier keine großen Namen geboten. Am ehesten Tom Atkins, den man vielleicht aus Carpenters „The Fog“, sowie „Maniac Cop“ oder „Lethal Weapon“ kennen könnte, der eine solide Leistung erbringt und den Film durchaus tragen kann. Der Rest besteht aus unbekannten Gesichtern, von denen man noch Dan O’Herlihy erwähnen sollte. Er spielt den Bösewicht Cochran mit ungeheurer Präsenz. Einen grinsenden Geschäftsmann, hinter dessen Oberfläche man ganz genau etwas teuflisches erkennen kann. Des weiteren beschäftigt sich der Film auch etwas mehr mit dem Thema „Samhain“, welches schon in „Halloween II“ erwähnt wurde und die Idee des bösen Geistes wird hier variiert erläutert.
Natürlich, man muss es immer erwähnen, tut der Score sein übriges. Carpeneter, neben seiner Tätigkeit als Produzent, war auch hier gemeinsam mit Alan Howarth für die Musik zuständig. Die gewohnt gespenstischen Synthesizer-Flächen und Elektro-Sounds verleihen auch diesem Werk eine eigene Note und ziehen die Spannungsschraube ordentlich an. Absoluter Mindfuck ist sicherlich der „Silver-Shamrock“-Jingle, der „Zünder“ für die Masken sozusagen, den man danach nicht wieder aus dem Kopf bekommt, Little Buddy kann ein Lied davon singen. Trotz all dieser Elemente floppte „Halloween III“ kolossal. Zurückzuführen ist das wahrscheinlich auf die Titelwahl. Die Zuschauer erwarteten bei „Halloween III“ eine Fortführung der Michael Myers-Geschichte, aber die kommt nicht vor. Hätte man den Film einfach nur „Season oft he Witch“ genannt, was auch ein dummer Titel ist, hätte er vielleicht sein Publikum gefunden, denn er wäre es wert gewesen. Wallace selbst betonte, dass man einfach nicht daran gedacht habe, die Menschen darauf aufmerksam zu machen, dass es hier um etwas ganz anderes geht. Wenn er nicht „Halloween III“ heißen würde, dann würde ich jetzt nicht darüber schreiben aber er steht nun mal in der Reihe, vielleicht auch gut so. Das man von einer Fortführung dieser Stand-Alone-Geschichten abstand nahm, Carpenter wollte jedes Jahr einen Horrorfilm produzieren, der mit „Halloween“ zu tun hat, quasi eine Anthologie, war schnell beschlossene Sache. Darum widmete der sich anderen Projekten und es sollte 6 Jahre dauern bis die Reihe wieder zurückkehrte, aber dazu mehr morgen.


„Halloween III“ ist eine wahre 80er Perle. Der abgefahrene Mix aus Horror und Fantasy mag vielleicht bizarr sein, ist aber dennoch wirkungsvoll und durchgehend spannend. Eine wahre Ausnahmeerscheinung innerhalb dieser Reihe, zu der er ja eigentlich gar nicht richtig gehört. Carpenter und vor allem Wallace leisten ganze Arbeit und liefern einen Film ab, der für Horror-Fans eine durchaus gute Wahl ist, wenn man mal keine Lust hat, sich zu Halloween immer mit Michael Myers zu beschäftigen.