Halloween V – Die Rache des Michael Myers (1989)

Michael Myers hat den Sturz in einen tiefen Schacht und die darauf folgende Explosion schwer verletzt überlebt. Mit letzter Kraft schleppt er sich zum nahegelegenen Fluss und lässt sich stromabwärts treiben. Ein Obdachloser findet den zusammengebrochenen Serienmörder und pflegt ihn wieder gesund, doch Michael Myers (Don Shanks) kennt keine Gnade. Knapp ein Jahr später erwacht der zu neuen Kräften gekommene Psychopath aus seinem Koma und kennt nur einen Gedanken: Rache. Jamie (Danielle Harris), die Nichte und letzte lebende Verwandte des Killers, ist seit den letzten, schrecklichen Ereignissen in einem Kinderkrankenhaus untergebracht und wird dort auch von Dr. Loomis (Donald Pleasence) betreut, der nicht an den Tod von Michael glaubt. Und wie er zu Halloween miterleben muss, wird er recht behalten, denn schon bald gibt es in Haddonfield wieder die ersten Leichen…

 

1988 konnte „Halloween 4 – Die Rückkehr des Michael Myers“ beim Publikum punkten und war erfolgreich genug um eine weitere Fortsetzung auf den Weg zu bringen. Trotz seiner Schwächen innerhalb der Logik, manövrierte man das Franchise gekonnt auf den Pfad der Tugend. Betrunken vom Erfolg ging man übereilt, und ohne fertiges Drehbuch, an die Produktion des nächsten Teils, der die Geschichte weitererzählen sollte. So kam nur 1 Jahr später „Halloween 5“ in die Kinos, der gegenüber seinem Vorgänger deutlich den Kürzeren zieht und trotz guter Ideen und einigen gelungenen Momenten zu den schwächsten Filmen der Reihe zählt, sowie die Geschichte langsam aber sicher in allzu absurde Bahnen lenkt.

Der Film knüpft nahtlos an seinen Vorgänger an und präsentiert uns noch einmal das Finale selbigen Streifens, um uns zu Zeigen das Michael Myers überlebt hat. Er kroch, nachdem er von Shotguns durchsiebt wurde wohlgemerkt, aus dem Schacht in einen Fluss, wird von einem Einsiedler gefunden und 1 Jahr lang gesund gepflegt, anscheinend war der Typ in einem frühen Leben mal Arzt, nur um dann pünktlich zum 31. Oktober wieder zu erwachen und den guten Mann abzuschlachten. Soweit so gut, mit Logik haben es die Autoren ja nicht so. Die Ausgangssituation stimmt eigentlich auf einen kurzweiligen Slasher ein, da man auch die Figuren aus dem Vorgänger wieder integriert. Die traumatisierte Jamie, ihre Adoptivschwester Rachel und auch Dr. Loomis ist wieder am Start. Michael will auch hier wieder seiner kleinen Nichte das Leben nehmen und zieht erneut eine blutige Spur durch Haddonfield. Klingt nett, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück, da „Halloween 5“ aus vielen Füllszenen besteht und nur ab und zu Spannung aufkommt. Der Film ist wohl von allen Teilen der Reihe der typischste Slasher, denn er macht einen großen Fehler. Er entsorgt nach c.a. 15 Minuten eine seiner sympathischsten Figuren: Rachel, gespielt von Ellie Cornell, und ersetzt sie durch gesichtslose, nervige Standard-Teenager, die man anscheinend vom „Freitag der 13.“ Set gemopst hat. Unsympathische Klischee-Figuren, die man gerne tot sehen möchte. So schießt sich „Halloween 5“ selbst ins Knie, da es eigentlich immer ein Merkmal der Reihe war, dass man versuchte gute Figuren in die Story zu integrieren, um möglichst Spannung beim Zuschauer aufzubauen. Doch hier begibt man sich auf eine Ebene mit allen anderen B-Slashern der 80er. Des Weiteren integrierte man mit dem „Mann in schwarz“ eine Figur in den Film, die nicht erklärt wird und keinen Sinn ergibt. Sie hilft Myers und taucht immer mal in der Szenerie auf. Zudem hat er dasselbe Runen-Tattoo, wie Michael Myers auf dem Handgelenk, welches man bei Mickey am Anfang sehen kann, was er meines Wissens nach in den Vorgängern nicht hatte. Regisseur Dominique Othenin-Girard betonte, das er selbst nicht wisse, was der „Mann in schwarz“ mit Myers zu tun hat, geschweige denn dessen Motivation, er findet es einfach interessant, dass es ihn gibt, äääh Bitte? Aber gut es ist halt so. Wohin uns das führt sehen wir ja in Teil 6. Aber zurück zum wesentlichen. Othenin-Girard, gibt sich sichtbar Mühe eine Spannung zu kreieren, was ihm nur bedingt gelingt. Zu holprig ist seine Inszenierung, zu uninspiriert sind viele Szenen, in denen man einfach versucht gängige Horror-Klischees abzuarbeiten. Aber ab und zu gibt es Lichtblicke. Die Fahrt im Auto mit Tina, die Verfolgungsjagd im Wald oder das Finale im Myers-Haus, welches ein ganz anderes ist als in den ersten beiden Filmen und hier wirklich aussieht, wie eine gotische Kathedrale, sind durchaus stimmungsvoll und gut gemacht. Handwerklich geht der Film durchaus in Ordnung auch wenn Othenin-Girard viel Leerlauf mit schlechten Dialogen bietet oder Albernheiten, wie die beiden Schmalspur-Polizisten auftreten lässt.
An der Darstellerfront sieht es indes auch nicht mehr so rosig aus. Die schon erwähnten Teenager sind wirklich nervig und austauschbar, angeführt von Wendy Kaplan als Tina, die so nervig ist und schlecht spielt, dass man sie am liebsten selbst um die Ecke bringen möchte. Rachel war eine wirklich gute Figur und es ist eine Schande, dass man sie so lieblos aus dem Film entfernt. Danielle Harris hingegen liefert wirklich abermals eine beeindruckende Performance ab und spielt eine traumatisierte, gepeinigte und über weite Strecken eine, der Aussprache nicht mächtige Jamie wirklich hervorragend. Ihre Szenen in Verbindung mit dem Killer sind am atmosphärischsten geraten und gerade die Szene im Wäscheschacht geht schon gut an die Nerven. Schmerzen bereitet einem auch der große Donald Pleasence der hier zum vierten Mal in die Rolle des Dr. Loomis schlüpft, von der aber nur noch ein wirrer, durchgeknallter, creepy wirkender Spinner geworden ist, der mittlerweile komplett den Verstand verloren hat. Hier ist er überhaupt keine Sympathiefigur mehr, sondern ein alter Mann, der besessen von der Jagd nach Myers ist und dafür sogar die kleine Jamie in Gefahr bringt. Auch der Score von Alan Howarth gestaltet sich relativ belanglos, denn außer dem Halloween-Theme gibt es auch hier nichts Besonderes zu hören, außer die gängige Grusel-Musik, wie in Teil 4. Bekanntermaßen floppte der Film in den Kinos und ist heute noch der Teil der Reihe, der am wenigsten einspielte. Produzent Moustapha Akkad gab später zu einen Fehler gemacht zu haben, man hätte sich mehr Zeit lassen müssen, um einen besseren Film zu machen. Damit hat er wohl Recht, denn „Halloween 5“ bietet zu viel Leerlauf und wirkt zu Lückenhaft um an Teil 4 heranzukommen, der seine Fehler zumindest mit einer straffen Inszenierung kaschieren konnte.
Wie die meisten wissen, dauerte es 6 Jahre bis ein weiterer Film in die Kinos kam, der dann vollends die Geschichte gegen die Wand fährt, die schon hier in die Sackgasse, vor allem mit dem Ende, manövriert wurde. Aber dazu mehr morgen.

„Halloween 5 – Die Rache des Michael Myers“ ist ein eher mauer Slasher, der trotz wirklich guter Szenen, viel Leerlauf besitzt und die Geschichte mit seltsamen Wendungen ausstattet. Nervige Figuren ziehen den Gesamteindruck noch weiter nach unten und verschenken viel Potenzial, welches auch Danielle Harris nicht mehr retten kann. Alles in allem eine holprige Fortsetzung, in die man mehr Zeit und ein besseres Drehbuch hätte investieren müssen.