Halloween VI – Der Fluch des Michael Myers (1995)

32 Jahre ist es her, dass Michael Myers im Alter von sechs Jahren seine Schwester mit einem Messer erstach. Dieser Mord und Michaels Bluttaten danach haben dazu geführt, dass Haddonfield seit einigen Jahren kein Halloween mehr gefeiert hat, denn an diesem Festtag kehrte der maskierte Killer für gewöhnlich zurück. Jetzt wird die Feier wieder begangen, doch die Vorzeichen stehen nicht gut: Nacht für Nacht hört der kleine Danny (Devin Gardner) seltsame Stimmen. Er und seine Eltern sind erst vor kurzer Zeit in das leerstehende Haus gezogen, in dem Michael Myers vor 32 Jahren zum ersten Mal mordete. Fließt bald vielleicht Blut durch Haddonfields Straßen und Häuser, ohne dass es Michael persönlich dafür braucht?

 

1989 spaltete „Halloween 5“ die Fangemeinde. Während die einen ihn als netten Slasher annahmen, störten sich viele an den aufgeworfenen Fragen des Films. Was ist mit Jamie passiert? Und wer ist eigentlich dieser „Mann in schwarz“? Fragen über Fragen, die Regisseur Dominique Othenin-Girard brach liegen ließ. 6 Jahre verstrichen ohne einen weiteren „Halloween“-Film, was auch auf Rechtsschwierigkeiten zurück zu führen ist. 1995 erblickte jedoch eine Fortsetzung des Franchise das Licht der Leinwand, in der man alle offenen Fragen beantworten und endlich das Mysterium hinter Michael Myers erklären wollte. Daraus resultierte der wohl wahnwitzigste Film der Reihe. „Halloween 6“ entpuppte sich als kruder Versuch der Aufklärung, den eigentlich keiner gebraucht hätte aber dennoch auf irgendeine seltsame Art und Weise interessant ist.

Diese Rezension beruht auf der Kinofassung!
„Halloween 6“ ist wahrlich merkwürdig. Fans schrien nach Erklärungen und die bekamen sie. Die Story ist derweil unfassbar! Der „Mann in schwarz“ ist der Anführer eines Druiden-Kults, welcher Michael Myers seit jeher lenkt und kontrolliert. Jamie hat ein Baby zu Welt gebracht, mit welchem man böse Experimente durchführen möchte um das pure Böse zu erforschen, welches auch Michael bekanntlich in sich birgt. Soweit so Gaga. Michaels Mordlust wird auf Samhain zurückgeführt, inklusive irgendwelcher Sternenkonstellationen. Aha. Aber die Hauptstory ist trotzdem seine Jagd nach Jamies Baby, auf der er wieder durch Haddonfield wütet.
Ja hier hat Drehbuchschreiber Daniel Farrands ganze Arbeit geleistet. Mir fällt es schwer das irgendwie plausibel wiederzugeben, da der Film ebenfalls sehr unplausibel ist. Zumindest mangelt es dem Film nicht oft an Tempo und es wird einem nicht so langweilig, wie bei „Teil 5“. Das täuscht aber nur bedingt durch das wirre Handlungsgerüst hinweg, welches schon in Richtug Fantasy geht, was bestimmt nie von John Carpenter intendiert war. Man versucht hier krampfhaft die Baustelle aus Teil 5 wieder aufzuräumen, erleidet dabei jedoch Schiffbruch und verzettelt sich in massiven Logiklöchern und Abstrusitäten. Regisseur Joe Chappelle, zeigt, dass er nicht unbedingt ein Stümper ist und kreiert eine gute Grundstimmung und durchaus schwungvolle Szenen. Die Eröffnunsszene, Michaels Strobo-Mord und einige Suspenseszenen sind gut eingefangen und laden zum Gruseln ein. Der Film zeigt sich typisch 90er und entsprechend rabiat geht es auch zur Sache. „Halloween 6“ ist bis dato der härteste Teil der Reihe. Neben gutem Gemetzel, bekommt man auch einen explodierenden Kopf. Graphisch hat der Streifen durchaus seine Reize, gerade die Stroboszene sieht sehr gut aus, mehr davon hätte dem Film gut getan. Diese Härte spiegelt sich auch in Michael Myers wieder, der hier sehr bullig in Szene gesetzt wurde und mit seiner Präsenz ordentlich Horror transportieren kann. In seiner ersten Hauptrolle sehen wir hier Paul Rudd. Rudd, der momentan als „Ant-Man“ im „Marvel Cinematic Universe“ zu Gange ist und sich mittlerweile zum Hollywood-Star gemausert hat, war wohl hier noch in der Findungsphase, denn sein Spiel bleibt recht hölzern, auch wenn seine Figur Tommy Doyle ein Rückgriff zum Original darstellt. Auch die weiteren Darsteller spielen nicht gerade Oscarreif, sind aber dennoch solide. Zum letzten Mal sehen wir hier Donald Pleasence, der als Dr. Loomis noch einmal im rüstigen Rentneralter, über das personifizierte Böse und „The Raaaage inside him“ schwadronieren darf. Schade ist die Abwesenheit von Danielle Harris. Ihre Jamie wird hier von J.C. Brandy gespielt, die deutlich zu alt aussieht um eine 15-jährige zu spielen. Ebenfalls gut kommt der Score von Stammkomponist Alan Howarth daher. Die klassischen Motive werden zeitgemäß geupdated und resultieren in einem progressiv pulsierenden Soundtrack, der sich ordentlich einfügt. Viele Defizite des Films, vor allem in der Kinofassung, sind auf die Turbulenzen innerhalb der Produktion zurückzuführen. Ursprünglich sollte der Film etwas anders werden. Weniger blutig und ausführlicher in der Handlung, in der man sich mehr mit dem Mythos der Thorn-Sekte, deren Erkennungszeichen das P auf Michaels Handgelenk ist. Auch sollte Jamie länger im Film sein und Dr. Loomis hätte mehr Szenen gehabt. Doch diese Fassung viel beim Testpublikum durch und das Studio zwang Regisseur Chappelle dazu, den Film zu ändern. So wurde vieles gekürzt, gestrafft und umgeschnitten. Man baute zudem mehr Gore ein und drehte ein ganz neues Ende. Donald Pleasence starb noch vor Fertigstellung des Films, weswegen er in der Kinofassung, gerade zum Ende nur noch sperrlich auftaucht. Diese alternative, als „Producers Cut“ getaufte Filmfassung, spiegelt die ursprüngliche Intention wieder und ist mittlerweile in den USA auf Blu-Ray u beziehen, nachdem sie in der Vergangenheit nur als Bootleg zu bekommen war. Welche Fassung besser ist, muss jeder selbst entscheiden. Der „Producers Cut“ ist nicht wirklich besser, sondern einfach ausführlicher, was aber den Schwachsinn auch nicht plausibler macht. Jedenfalls lief „Halloween 6“ besser als der Vorgänger, jedoch wurde alles in eine dermaßen bescheuerte Sackgasse gefahren, dass eine Fortführung ziemlich schwierig gewesen wäre. Glücklicherweise überlegten sich die Produzenten für den siebten Teil ein anderes Konzept, auf welches ich morgen eingehe.

„Halloween 6 – Der Fluch des Michael Myers“, ist wahrlich ein Fluch. Man versuchte hier auf Teufel komm raus, eine Story weiterzuspinnen, was in totalem Humbug endete. Man beraubt hier Michael Myers noch mehr seines Mysteriums und versinkt in schwachsinnigen Erklärüngen. Was übrig bleibt ist ein durchschnittlicher Horror-Film, der trotz seiner vielen wirren Elemente, relativ kurzweilig ist und ordentlich Dampf hat. Viele gute Momente helfen dem Film auch nicht über den Durchschnitt zu gelangen.