Harte Ziele (1993)

USA 1993
mit Jean-Claude van Damme, Lance Henriksen, Yancy Butler…
Drehbuch: Chuck Pfarrer
Regie John Woo
Länge: 99 Minuten (Unrated Fassung)
FSK: ab 18 Jahren

Ein Verbrechersyndikat veranstaltet gnadenlose Menschenjagden in den Strassen von New Orleans. Bevorzugte “Opfer” sind Obdachlose, die 10.000 Dollar verdienen können, so wie sie einen gewissen Ort lebendig erreichen. Als der Vietnamveteran Douglas Binder bei einer solchen Jagd ums Leben kommt, stellt seine Tochter Natasha (Yancy Butler) Nachforschungen an. Gegen einen Spontan-Lohn steht ihr der arbeitslose Hafenarbeiter Chance Boudreaux (Jean-Claude van Damme) zur Seite. Erste Spuren führen sie zu dem schmierigen Zuhälter Randall. Doch je weiter die beiden mit ihren Nachforschungen vorankommen, desto heisser wird die Luft um sie.

„Harte Ziele – und ein noch härterer Jean-Claude van Damme!“ Mit diesem einfachen aber wirksamen Satz wirbt die deutsche Heimkino Veröffentlichung für das US-Debüt von Hongkongs Regie-Virtuosen John Woo. Und treffender kann man diesen Film nicht bezeichnen, denn „Harte Ziele“ aus dem Jahr 1993 ist ein verdammt unterhaltsamer Action-Kracher, der auch beim x-ten Mal noch Spaß macht.

 

Ich war gerade siebzehn Jahre alt, als ich mit Freunden und Freundinnen einen feuchtfröhlichen Camping-Urlaub bestritt. An einem bierseligen Abend mit viel Spaß und guter Laune kam ich zu später Stunde auf die zündende Idee, um dem bisherigen Geschehen noch die letzte Note zu verpassen. Nein, ich bin weder nackt über den Platz gerannt, noch habe ich zur Gruppenorgie aufgerufen! Ich hatte eine TV-Zeitschrift in der Hand und las, dass in ungefähr 20 Minuten „Harte Ziele“ im Fernsehen gezeigt wird. Mit den Gedanken noch bei dem TV-Spot, den ich ein paar Tage zuvor noch gesehen hatte, animierte ich meine Mitreisenden vor dem kleinen Fernseher im Wohnmobil Platz zu nehmen. Ich hatte den Film noch nie gesehen und dachte ein Jean-Claude van Damme-Vehikel wäre zu diesem Zeitpunkt genau das Richtige, denn ich kannte den belgischen Martial-Artist nur vom Hörensagen und wollte meine Bildungslücke schließen. Kurz und knapp, es war das Richtige. Ich und meine Kumpels, die Mädels eher weniger, waren restlos begeistert von diesem testosterongeschwängerten 90er Reißer. Leider war es nur die gekürzte FSK 16 Fassung, die wir zu sehen bekamen. Unwissend über diesen Zustand, feierte ich diesen Streifen total ab. Diese Begeisterung hielt sich über Jahre, bis ich den Film endlich ungekürzt, inklusive der Unrated-Fassung, auf Blu-Ray erwerben konnte. Seit dem habe ich ihn bestimmt ein paar Mal gesehen und einen Tag vor dieser Review, landete er wieder einmal im Player und ich hatte wieder so einen Spaß. Der Film punktet schon mal mit einer sehr coolen Geschichte. Skrupellose Geschäftsmänner veranstalten illegale Menschenjagden für reiche Kunden, ein schön reißerisches Set-Up, welches genug Legimitation für ordentliches Backenfutter ist. Mit knapp 100 Minuten, zumindest in der Unrated-Fassung, ist der Actioner sehr kurzweilig geraten und bietet kaum Längen. Denn auch in den Szenen in denen nicht geschossen, gekämpft oder irgendetwas in die Luft gejagt wird, hat das Ganze einen guten Flow, was bei John Woo nicht unbedingt zu erwarten ist. Der, quasi, Erfinder des „Heroic Bloodshed“ neigte ja in seinen früheren Werken zu sehr pathetischem Kitsch, den er in spektakuläre Action-Szenen einbaute. In „Harte Ziele“ nimmt er sich in dieser Hinsicht sehr zurück, was wahrscheinlich am Studio und den Produzenten lag, die ihm etwas die Daumenschrauben anlegten. Natürlich hat er seine Klischeebilder, in denen van Damme etwas posen darf und zeigen kann, was für eine geile Sau er auch ist. Aber gerade das ist angenehm, denn so kann Woo entspannt und ohne unnötigen Sperenzien eine Story spinnen, die, trotz ihrem einfachen Verlaufs, gut funktioniert und bis zum Schluss mitreißen kann.

 

Aber bei einem John Woo-Film wollen wir uns ja nicht unbedingt mit der Dramaturgie beschäftigen, sondern mit der wichtigsten Zutat: Der ACTION. Und die kracht ordentlich. Woo wendet seine ganze Palette an und zaubert wunderbar choreographierte Action-Sequenzen, die rocken. Wenn Jean-Claude van Damme seine Gegner vermöbelt, dann wirbelt er kunstvoll durch die Luft, macht Saltos und sieht dabei immer cool aus. Wenn er sich auf einer Motorhaube abstützt und einen Motorradfahrer in Zeitlupe vom Bike kickt, dann schlägt mein Herz vor Freude, ich meine was kann einen Mann noch mehr begeistern? Richtig, die restliche Action. Egal ob die Jagdszenen, der alberne, aber wunderschöne Stunt auf der Autobahn oder das Finale in der Lagerhalle, lassen mich wild applaudieren. Wenn van Damme die Bösewichte um die Ecke bringt, in dem er ganze Magazine auf sie feuert, und mit Shotgun bewaffnet, sowie nur noch mit Feinrippunterhemd bekleidet, in Zeitlupe für Ruhe im Karton sorgt, dann macht das einfach, ich kann es nicht genug betonen, extrem viel Gaudi. John Woo überträgt seine Skills, die er in Hongkong perfektioniert hat, wunderbar in die westliche Welt, walzt sie jedoch nicht so aus. Die Action-Szenen dauern nicht mehr eine halbe Stunde, sondern sind knackiger inszeniert, was den Film zu keiner Sekunde langweilig werden lässt. Der Bodycount ist ziemlich hoch und auch die Gewaltdarstellung ist schön saftig, so saftig, dass der Film sieben Mal der MPAA vorgelegt werden musste, um ein R-Rating zu bekommen. Aber das sind nicht alle Punkte, die „Harte Ziele“ zu einem Fest machen, denn auch die Darsteller leisten ganze Arbeit. Ganz vorne natürlich Jean-Claude van Damme als Chance Boudreaux, der nicht nur mit einer wunderschön albernen VuKuHiLa-Frisur punkten kann, sondern auch mit Fäusten und Kanonen. Wie auch in anderen Film versprüht der belgische Haudegen eine schöne Coolness und genügend Charme, um als Held zu funktionieren. Ihm zur Seite steht eine hübsche Yancy Butler, die zwar gut aussieht, aber sehr blass bleibt und nur als die brave Schönheit da ist, die von Jean-Claude gerettet wird. Sehr geil sind im Gegensatz dazu die Bösewichte. Genre-Star Lance Henriksen als Chef der Manhunter-Connection spielt mit so viel dämonischer Ausstrahlung, dass er unseren Hauptfiguren sehr oft die Show stiehlt. Sein Zusammenspiel mit Arnold Vosloo als sein Henchman van Cleef ist so wunderbar böse und charismatisch, dass ich behaupte Henriksen ist der heimliche Star des Films. Gleiches gilt für Vosloo, der ebenfalls eine starke Performance abliefert. „Harte Ziele“ ist einfach ein Gaumenschmaus für Action-Fans, der erst kürzlich endlich seinen Weg vom Index gefunden hat und nun, in der Unrated-Fassung fei ab 18 Jahren von „Koch-Media“ im schicken Steelbook vertrieben wird. Mit wunderbarer Bild- und Tonqualität ein Muss für jede Actionfilm-Sammlung.

 

John Woos Hollywood-Debüt „Harte Ziele“ ist eine echte Granate. Geile Actionszenen mit wilden Shootouts in bester „Heroic Bloodshed“-Manier, ein cooler Jean-Claude van Damme und ein hervorragendes Bösewichts-Duo machen diesen 90er Jahre Kracher zum Pflichtprogramm für Genre-Fans. Ein Film, den man immer wieder schauen kann und, in meinen Augen“ van Dammes bester Film ist.