Hundstage (1975)

An einem heißen Sommertag im Jahre 1972 haben sich Sonny (Al Pacino) und Sal (John Cazale) etwas ganz Besonderes vorgenommen – sie überfallen eine Bank, um einen guten Freund bei der Finanzierung einer Geschlechtsumwandlung zu unterstüzten. Dumm nur, dass es nicht wirklich viel zu holen gibt, da das meiste Bargeld an diesem Tag schon ausgezahlt wurde. Und nicht nur das – jetzt hat die Polizei auch noch Wind von der ganzen Sache bekommen und die Bank bereits umzingelt. Wie nur sollen die blutigen Anfänger aus dieser misslichen Lage herausfinden? Während Sonny und Sal angestrengt nachdenken, müssen die Bankangestellten und -kunden als Geiseln herhalten…

Hundstage beruht auf wahren Ereignissen, die sich tatsächlich so in den 70er Jahren abgespielt hatten. Hundstage wirkt gegenüber dem Zuschauer so real und authentisch als wäre es kein Film, sondern man wäre live am Geschehen vor Ort. Dies wird vor allem durch die Glanzleistung der Darsteller und des fehlenden Soundtracks erreicht.

Alles was man in Hundstage erblickt wirkt wie als wenn man davor steht, zerschossene Scheiben, die Bank, das Verhalten der Geiseln, die Mimen der einzelnen Rollen, die schweissnassen Gesichter der Darsteller und die Handlungen der einzelnen Darsteller. Die Darsteller durften hier ihr Können unter Beweis stellen, denn die Texte sind allesamt improviosiert, kaum etwas war vorgegeben, sowas ist und bleibt immer noch einzigartig. Selbst die Schaulustigen die man in Hundstage sieht wirken so echt, als wenn es wirklich nur Schaulustige waren, die gesehen hatten, da wird ein Film gedreht.

Für die Hauptrolle in Hundstage wurde Al Pacino verpflichtet, der hier in einer seiner Paraderollen zu sehen ist, die zweite Rolle die eigentlich auf einen 18jährigen geschrieben wurde, besetzte man mit John Cazale. So einen Film konnte man nur in den Zeit der 70er Jahre drehen und umsetzen! Es gibt in Hundstage kein Gut und auch kein Böse, die Taten sind Pacinos Kampf gegen die Polizei und wird von der Masse als Kampf des Einzelnen gegen die Staatsautorität gefeiert.

Alles an Hundstage ist präzise beobachtet, zutiefst menschlich und psychologisch fesselnd. Hinter Hundstage steckt die Wahre Geschichte von John Wojtowicz, ein 27-jähriger Vietnamveteran und der 18-jährige Salvatore Sal Naturile die die Chase Manhattan Bank in Brooklyn, New York überfielen und brachten den Geschäftsführer sowie mehrere Bankangestellte in ihre Gewalt. Die Geiselnahme dauerte über vierzehn Stunden. Wojtowicz trat während dieser Zeit mehrmals auf die Straße, die von Schaulustigen umzingelt wurden, um mit der Polizei zu verhandeln. Er verlangte unter anderem ein Flugzeug, mit dem er und Sal das Land unbeschadet in Richtung Algerien verlassen könnten. Auf der Fahrt vom Tatort zum Kennedy Airport wurde Naturile erschossen und Wojtowicz selbst verhaftet. Der Überfall und die anschließende Geiselnahme waren ein Großereignis und wurde von vielen Menschen live am Fernsehbildschirm mitverfolgt.

Vor Gericht sagte Wojtowicz aus, er habe die Bank nur überfallen, um seinem transsexuellen Lebensgefährten Ernest Aron eine Geschlechtsumwandlung ermöglichen zu können. Er wurde am 23. April 1973 zu einer Freiheitsstrafe von zwanzig Jahren verurteilt und nach vierzehn Jahren auf Bewährung entlassen. Für die Rechte an seiner Geschichte erhielt Wojtowicz von der Produktionsfirma Warner Bros. 7500 Dollar. Außerdem wurde ihm eine Beteiligung von einem Prozent am Nettoumsatz des Films zugesprochen, die er allerdings nie ausgezahlt bekam und später erfolglos einzuklagen versuchte.

Hundstage erhielt einen Oscar fürs beste Originale Drehbuch, zurecht in meinen Augen. Denn Hundstage hat ihn verdient, wobei ich anmerken muss, Pacino hätte auch einen bekommen sollen, für seine schauspielerische Glanzleistung in Hundstage!

Hundstage gibt es auf VHS und DVD, eine BluRay Umsetzung ist mir noch nicht bekannt, könnte aber durchaus noch kommen. Leider wird Hundstage nur zu selten im Free TV ausgestrahlt und wenn kann man ihn eher auf kleineren Sendern wie 3Sat und WDR eher erblicken als auf den Privaten.

Ich gebe Hundstage 10 / 10 Punkten

[stextbox id=”black”]Über Hundstage und die Geschehnisse von damals aus dem Jahre 1972, wo der Banküberfall sich ereignete, gibt es auch noch eine sehr interessante Dokumentation aus dem Jahre 2004 mit dem Titel: Nach einer wahren Geschichte.[/stextbox]

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