Hunting Season – Zum Abschuss frei

HUNTING SEASON von 1985 ist ein Backwood Streifen der sich hauptsächlich mit der Thematik Rape´n Revenge befasst. Der Film ist auch unter seinem Alternativtitel “Open Season 2” vielen ein Begriff, doch er stellt nur in ganz groben Zügen inhaltlich mit dem “Open Season” von 1974 auf einer Stufe. Er wird hier als Fortsetzung deklariert, weil die damaligen Produzenten dachten, somit liesse sich der Film besser verkaufen, doch eine Alleinstellung mit eigenen Titel hätte dem Film bestimmt nicht geschadet.

Betrachtet man die kurze Filmbeschreibung auf dem Cover der VHS oder DVD, könnte man meinen, man hat es hier mit einem weiteren Vertreter ala “I spit on your grave” zu tun, doch anstatt auf explizite Gewalt und Vergewaltigungsszenen zu setzen, beschränkt sich HUNTING SEASON auf die psychischen Elemente und fährt ganz ordentlich damit.

Jessica lebt mit ihrem Mann auf einer Farm in den Tiefen des Australischen Busches, sie hegt und pflegt verletzte und kranke Tiere und peppelt sie wieder auf. Ihr Mann ist zur Zeit auf einer Geschäftsreise und Jessica lebt zur Zeit alleine auf der Farm. Da treten drei Wildjäger in ihr Leben, als es zu einer Auseinandersetzung zwischen ihr und den Känguru Jägern kommt, beginnt es zu eskalieren. Nun wird Jessica zur Gejagten der drei Wilderer und der blanke Terror beginnt.

Schon ab dem Zusammentreffen der Jäger und Jessica wird der Zuschauer mit in die Handlung mit einbezogen. Der Spannungsaufbau steigert sich kontinuierlich und die psychischen Spiele der Jäger tun ihr übriges. Anstatt wie bei anderen Rape´n Revenge Streifen verzichtet HUNTING SEASON auf die explizite Gewaltdarstellung. Er agiert im psychischen Bereich, jedoch immer mit einem Steigerungspotenzial. Die Krönung dürfte die Anbindung halbnackt von Jessica an dem Jeep der Wilderer sein. Ob sich die drei noch an ihr vergangen haben, wissen wir nicht, und lässt nur gewisse Geschehnisse vermuten. Doch Jessica entpuppt sich als hartnäckiges Geschöpf und fängt an den Spieß umzudrehen und ihren Peinigern auf verschiedene Arten zu bestrafen. Der Härtegrad des Film hält sich bedeckt, doch die verschiedenen Methoden der Rache der jungen Jessica sind einfallsreich und sorgen für Abwechslung und Unterhaltungswert.

Die Story ist recht simpel und einfach gestrickt, schreitet aber in einem satten Tempo voran und baut auf das entgegenfiebernde Finale vom Zuschauer auf. Das Setting in den Tiefen und Weiten des australischen Busches liefert genug Ansatz für eine dichte und fesselnde Atmosphäre. Somit wird der Gedanke auf sich allein gestellt, noch mehr intensiviert und in den Vordergrund gerückt. Doch schlichen sich ein paar Logikfehler mit ein, und ein paar offene Fragen bleiben gänzlich unbeantwortet. Und wenn es nur die Frage ist wieso Jessica nackt am offenen Fenster, alleine auf einer Farm ohne eine Waffe im Haus schläft.

Darstellerisch betrachtet agieren alle Schauspieler auf einem guten Niveau und wissen zu überzeugen. Allen vroan die smarte Cassandra Delaney als Jessica. Produktionstechnisch liefert Regisseur Mario Andreacchio mit seinem Debut HUNTING SEASON ordentliche Arbeit ab. Da können sich andere Genre Vertreter mehr als eine Scheibe abschneiden.