Ich – Ein Groupie (1970)

Groupie Vicky lernt in London den Sänger Stuart kennen, der aber schon kurz darauf für eine Tournee nach Holland abreist. Mit ihrer Freundin Vivian heftet sich Vicky an seine Fersen, über Zürich und München nach Berlin, wobei sie immer wieder in Musikerkneipen und noch häufiger in fremden Betten mehr oder weniger toller Künstler landen.

 

Achja die frühen 70er! Lange Haare, Beat-Musik und grenzenlose Freizügigkeit. Ein neues Lebensgefühl, bedingt durch die 68er Bewegung war en Vogue. Das da diverse Filmproduzenten des abseitigen Kinos nicht lange zögerten lag auf der Hand. So kam 1970 “Ich – Ein Groupie” auf die hiesigen Leinwände schmuddeliger Bahnhofskinos. Eine Liebeserklärung an die Hippie-Kultur und den Rock’N’Roll Lifestyle aber auch eine kritische Auseinandersetzung mit den Themen Sex und Drogen. Wär jetzt an ein Arthouseprodukt denkt ist schief gewickelt, wenn man bedenkt wer da hinter steckt.


Niemand geringeres als der Schweizer-Schmuddel-Sexploitation-Entrepreneur Erwin C. Dietrich legte hier neben seiner Produzententätigkeit selbst Hand an…naja die Kamera und präsentiert uns ein auf Sex ausgelegtes, schmieriges Jugendportrait.

Die damals 22 jährige und spätere “Klimbim”-Ikone Ingrid Steeger spielt hier zum ersten Mal in ihrer Karriere die Hauptrolle und manifestierte hier ihren Status als Sexfilm-Star. Der Streifen geizt nicht mit Softcore-Szenen und peinlichen Dialogen. Wo eigentlich Kritik geübt werden soll, nutzt Onkel Erwin jeden zentimeter Zelluloid um uns nackte Haut zu präsentieren. Abgerundet wird dies durch eine glanzvolle Schmuddeloptik, in denen gefixt, gekifft und benebelt durch die Gegend getanzt wird. Mehr gibt es nicht, denn man merkt dem Film seinen sprunghaften und löchrigen Charakter an. Man bemerkt förmlich die Füllszenen, wie ausladende Motorradfahrten und elenlange Einstellungen musizierender Bands. Apropos Band. Die Musik in diesem Film ist lediglich ohrenbeteubendes Geschrammel auf Garagen-Rock Niveau. Ständig hämmert uns das Gekloppe in die Ohren und wir wünschen uns wieder die Steeger nackt zu sehen, die auch hier schon beweist das Schauspiel nicht ihr bestes Talent ist.
Lediglich das Ende ist skurill, psychedelisch und überraschend und zudem das beste am Film. Die gefühlte Unvollständigkeit rührt warscheinlich daher, dass dem Cutter wahrscheinlich zu oft die Kippe oder der Joint aufs Band gefallen ist. Tja passiert halt.
Dietrich, der besonders durch seine fruchtbare Zusammenarbeit mit Euro-Trash-Papst Jess Franco bekannt ist und der so wunderbare Meilensteine wie “Frauengefängnis”, “Frauen für Zellenblock 9”, “Jack The Ripper oder “Weiße Haut auf schwarzen Schenkeln” entsprießten, drehte den Film in Co-Produktion mit Roger Corman. Der stellte auch einen Regisseur: Jack Hill (“Coffy”, “Foxy Brown”, “The Big Doll House”). Doch Mr. Hill erwies sich als zu langsamer Arbeiter am Set und Onkel Erwin wurde sauer, schickte den Import-Director wieder in die USA und übernahm den Job einfach selber.

Somit bleibt holpriger, mittelmäßiger Film, der mit der Präsentation eines frivollen Zeitgeists und bösem Ende lediglich versucht seinen schmuddeligen Sexploitation-Charakter zu kaschieren, mehr schlecht als Recht. Durchschnittliches Bahnhofskinofutter aus der Dietrich-Schmiede.

Der Film ist ungekürzt ab 16 Jahren auf DVD und Blu-Ray erhältlich.
Wer Lust hat findet ihn übrigens in der Tele 5 Mediathek. Denn dieses Stück Exploitation-Kultur war am 16.September 2016 Gegenstand von “Die schlechtesten Filme aller Zeiten” und ist noch bis einschließlich 23.September 2016 verfügbar. Hier kann man den Film ebenfalls Uncut mit den wundervollen Kommentaren von Oliver Kalkofe und Peter Rütten genießen. Also mixt euch noch die “Bumskino Billigballerbrühe” und ab dafür!