Il Mercenario – Der Gefürchtete (1968)

Italien/Spanien 1968
mit Franco Nero, Tony Mustante, Jack Palance, Giovanna Ralli…
Drehbuch: Luciano Vincenzoni, Adriano Bolzoni, Sergio Spina, Sergio Corbucci
Regie: Sergio Corbucci
Länge: 107 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

In Mexiko glaubt sich der Minenarbeiter Paco (Tony Mustante) dazu berufen, seine Kameraden im Kampf gegen die Regierung im Allgemeinen und den lokalen Kapitalisten im Besonderen anzuführen. Um seinen Argumenten mehr Durchschlagskraft zu verleihen, heuert er den polnischen Söldner Sergej Kowalski (Franco Nero) an. Während auf der Seite der Aufständischen die attraktive Columba für Ideologie und Herzensangelegenheiten zuständig ist, verschafft sich die Gegenseite die Unterstützung eines Revolvermanns, der wiederum eigene Ziele verfolgt.

Wenn man über bedeutende Regisseure im Genre des Italo-Western spricht, kommt man sicher nicht an den drei Sergios vorbei. Neben Leone und Sollima, gehört vor allem Sergio Corbucci zu den Schaffenden, die untrennbar mit rauchenden Colts und zynischen Anti-Helden verbunden sind. Nach seinem Klassiker „Django“ (1966) und dem pessimistischen Meisterwerk „Leichen pflastern seinen Weg“ (1968) wandte sich der Filmemacher einem etwas leichtfüßigeren Werk zu. „Il Mercenario – Der Gefürchtete“ ist Corbuccis zugänglichster Film. Ein Revolutionsmärchen, welches auf lockere Art und Weise zwischen Selbstreflexion und typischen Cowboy-Kino pendelt.

Leichtfüßig, werden sich jetzt einige fragen? Nun ja, Corbucci ist nicht gerade für seine humorvollen Filme bekannt. Schon in seinem Frühwerk „Navajo Joe“ (1966), mit Burt Reynolds in seiner ersten Hauptrolle, portraitierte der italienische Regisseur die Gewalt und den Rassismus am amerikanischen Urvolk und zelebrierte die Rache jener „Navajos“, in Gestalt von Burt Reynolds. Dieser Stilrichtung folgte er auch mit den Nachfolgern „Django“ (1966) und „Leichen pflastern seinen Weg“ (1968). Düster, brutal und zynisch ging Corbucci hier ans Werk. Da wirkt „Il Mercenario“ schon fast wie ein Fremdkörper in dessen Oeuvre. In diesem Film geht es ungewohnt ironisch und humorvoll zu. So ist die Figur des Kowalski, auch „der Pole“ genannt, kein herkömmlicher Anti-Held, sondern ein einfacher Söldner, der für jeden arbeitet, solange der Preis stimmt. Ihm ist es egal, ob er Silber für einen sklaventreibenden Minenbesitzer transportieren soll oder ob er eine mexikanische Revolte unterstützt. Nur Bares ist Wahres! So entstehen mehrere humorvolle Szenen, wenn zum Beispiel Kowalski und sein „Partner“ Paco unter Beschuss stehen und der polnische Söldner erst Geld sehen will, bevor er das Maschinengewehr zusammensetzt. Kowalski stellt den klassischen Anti-Helden dar, der lediglich für seine eigenen Vorteile kämpft. Sein Gegenüber Paco ist da weit ideologischer, hat er doch die Sklaverei miterlebt und musste schon für selbstherrliche Weiße in der Mine schuften. Doch als Paco erstmal an der Macht ist und seine Truppe größer wird, regiert er auch mit den entsprechenden Manierismen. Erschießungen und Kastrationen stehen regelmäßig auf dem Tagesplan. Auch wenn er durchaus vertretbare Ansichten hat und sich nach Gleichberechtigung sehnt, ist er dennoch wie ein kleines Kind, welches die Macht genießt. Dabei ist er jedoch auf Kowalski angewiesen, denn der ist der Stratege, der den Durchblick hat. Hier wird auf humorvolle Weise das Thema Revolution kritisiert, ist ein neuer „Führer“ besser als der Sklaventreiber davor? Jeder hat so seine dunklen Seiten und genau dies stellt der Film zur Schau. Zudem sorgt die ungewöhnliche Partnerschaft für einen immensen Unterhaltungsfaktor. Sie ist das interessante am Film, der Motor, der die Handlung am Laufen hält. Da fällt auch der Antagonist Ricciolo nicht weiter ins Gewicht, der dementsprechend auch eher eine Randfigur darstellt.

Das Geschehen ist dennoch gut gestrickt, kurzweilig und spaßig, ohne albern zu werden. Der ganze Film versprüht eine Leichtigkeit, die äußerst schön ist und eine angenehme Alternative zu den anderen staubtrockenen und ernsteren Genre-Vertretern ist. Zum krönenden Abschluss gibt es noch das obligatorische Duell, welches den Film würdig beendet. So bricht „Il Mercenario“ zum Teil mit der Tradition des Genres, ist redseliger, actionreicher und humorvoller. Auf der anderen Seit bleibt er aber gewissen Elementen treu und passt sie der Tonalität an. So entsteht ein interessanter Genre-Beitrag, welcher eben, wie eingangs erwähnt, zwischen Reflexion und würdigem Vertreter pendelt. Dafür sorgt auch wieder die tadellose Regie Corbuccis. Er versteht es nunmal, einen Western sorgfältig zu inszenieren. Hier stimmt Alles. Die Action ist gut in Szene gesetzt, die Einstellungen sind interessant und das Schlussduell ist spannend gestaltet. Garniert wird das ganze durch einen pointierten Schnitt. Corbuccis schließt damit mühelos ein seine vorigen Filme an und zeigt wieder einmal seine handwerklichen Qualitäten. Vor der Kamera sorgen die Darsteller für lebhafte Figuren, allen voran Franco Nero als Kowalski. Der Ur-„Django“ pendelt zwischen verschmitztem Gauner und lässigem Geschäftsmann, dessen Habgier zwar für Risse im Gefüge sorgt, jedoch ein verlässlicher Mann ist, wenn das Geld stimmt. Nero hat sichtbar Spielfreude und war wahrscheinlich froh, nicht den finsteren Rächer spielen zu müssen. Tony Mustante gibt als Paco Alles und brilliert als idealistischer aber auch harter Revolutionär, der aber gar nicht so klug ist, wie er es gerne wäre. Schade, dass dies Mustantes einziger Western war. Als Bösewicht gibt es noch Jack Palance, der zwar weniger zu tun hat, jedoch mit seinem fiesen Charme und seinem Gaunergrinsen genug Eindruck hinterlässt. Auch interessant ist die Figur der Columba, gespielt von Giovanna Ralli, die als starke Frau mit Durchsetzungskraft und eigenem Willen auftritt, was fast schon ein Novum in Corbucci-Western darstellt. Für den Score war wieder einmal Maestro Ennio Morricone zuständig, der wieder meisterhafte Melodien abgeliefert hat. Mal fröhlich, mal spannend, mal melancholisch. Morricones Melodien untermalen gekonnt jede Szene und sorgen vor allem in den Action Momenten und im Finale für Spannung. Zu erwerben gibt es dieses Meisterstück vom Label „Koch-Media“, auf DVD und auf Blu-Ray.

„Il Mercenario – Der Gefüchtete“ (1968) erschuf Sergio Corbucci einen weiteren großartigen Beitrag zum Italo-Western. Ein kritischer, und in diversen Elementen klassischer Spaghetti-Western, der mit starken Figuren, einer tollen Inszenierung, famosem Score und einer guten Portion Leichtigkeit und Ironie auftrumpfen kann. Definitiv ein Must-See für Western-Fans!