Im Augenblick der Angst (1987)

Die jungen Teenager Patty und Linda haben keine Lust auf Schule und gehen stattdessen ins Kino. Dort läuft der Horrorfilm The Mommy, in dem Augenarzt, der kurz davor ist zu erblinden, von seiner unheimlichen Mutter in Hypnose versetzt wird und grausige Morde beginnt, weil man ihn auf Grund seiner Sehschwäche demütigt.  Während Linda begeistert von dem Geschehen auf der Leinwand ist, beginnt Patty sich immer unwohler zu fühlen und schon bald hält sie den Film nicht mehr aus. Als sie auf die Toilette geht bekommt sie mit wie ein anderer Gast die Kinoangestellte, die in der Vorhalle Popcorn verkauft tötet und sie auf der Damentoilette versteckt. Zu Pattys Entsetzen glaubt der Mörder, dass die Mutter im Horrorfilm, der gerade auf der Kinoleinwand läuft, mit ihm spricht und ihn hypnotisiert. Der Killer verbarrikadiert das Kino und Realität und Fiction beginnen immer mehr zu verschmelzen bis Patty sie nicht mehr auseinander halten kann, denn sie gerät zu allem Unglück ins Visier des Irren …

Eines fällt bei diesem Horrorthriller Im Augenblick der Angst auf; nämlich das dieser Film weitaus mehr ist als ein normaler Horrorfilm. Im Augenblick der Angst spielt geschickt mit der Vermischung aus der Realität im Film und dem Film im Film, bis der Zuschauer verwirrt ist und selbst nicht mehr genau weiß,  was jetzt zum Film Im Augenblick der Angst oder dem in diesem gezeigten The Mommy gehört. Was sich jetzt vielleicht irritierend und kompliziert ließt, wird aber von dem spanischen Regisseur Bigas Luna so packend erzählt, dass genau diese Verwirrung den Film Im Augenblick der Angst ausmacht.

Jetzt muss natürlich gesagt sein, dass Im Augenblick der Angst seine richtig geniale Wirkung nur wirklich entfalten kann, wenn man diesen Film selbst im Kino sieht. Es wäre ein Kinofilm, der von einem Kino handelt, in dem ein Film läuft, der unheimliche Auswirkung auf einen Kinozuschauer hat und einer Zuschauerin, die schon bald nicht mehr weiß, was Film und was Wirklichkeit darstellt, da sie selbst in das bizarre Geschehen verwickelt wird. Gekonnt wird der Zuschauer des Filmes Im Augenblick der Angst dermaßen verwirrt, das es ihm nur noch möglich ist, den Film Im Augenblick der Angst zu folgen, wenn er sich auf ihn so einlässt, als wäre er selbst dabei.

Dazu kommen die unglaublichen Filmszenen, die The Mommy – dem Film, der in Im Augenblick der Angst im Kino läuft – absolut einzigartig und schockierend machen.  Die Hypnose-Spirale, mit der die Mutter ihren Sohn den Augenarzt und gleichzeitig den Killer im Kino füllt nachher den ganzen Bildschirm (Kinoleinwand) aus, das einem als Zuschauer von Im Augenblick der Angst selbst mulmig wird. Dazu kommen surreale Großansichten von Schnecken und Pendeln von Uhren, die einem, wenn man den Film auf einen großen Fernsehr (bestenfalls auf einer Kinoleinwand) sieht eine Gänsehaut verursacht, da das ganze dermaßen befremdlich wie in einem Experimentalfilm und gleichzeitig auf einen bedrückend und beklemmend wirkt.

Vieles in The Mommy, als dem Film im Film verursacht bei einem – jedenfalls erging es mir so – ein komisches Gefühl in der Magengegend, dass ich nur sehr schwer beschreiben kann; man muss es selbst sehen um zu verstehen, was ich meine. Erst wenn die Story sich auf den Killer im Kino, der The Mommy zeigt konzentriert, wird man wieder selbst zum Beobachter aus sicherer Distanz, was aber nicht bedeutet, dass das Geschehen weniger spannend und gruslig ist. Wie ich schon schrieb, wäre es am wirkungsvollsten, wenn man Im Augenblick der Angst selbst in einem Kino sehen würde. Doch  leider lief er nur 1987 im Kino und auch ich persönlich kenne den Film nur von VHS, was natürlich einen großen Teil seiner Atmosphäre mindert.   

Die Schauspieler in The Mommy werden nahezu perfekt von Zelda Rubinstein (Poltergeist 1-3 ) als die unheimliche Übermutter und Michael Lerner (Wenn der Postmann zweimal klingelt) als mörderischer Augenarzt dargestellt und erzeugen eine sehr alptraumhafte Atmosphäre. Die zwei schulschwänzenden Mädchen Linda und Patty (Clara Pastor und Talia Paul), die sich The Mommy im Kino anschauen wirken ebenfalls sehr realistisch und authentisch, aber der Star dieses Filmes ist wohl eindeutig Angel Jove, der den Killer spielt, der glaubt die Mutter in The Mommy würde mit ihm sprechen und ihn zu den Morden verleiten. Er wirkt sehr glaubwürdig, auch weil er eher unscheinbar und völlig normal erscheint, als könnte er in dem Kino, in dem man Im Augenblick der Angst sich am besten hätte ansehen müssen, neben einem sitzen, was natürlich ein mulmiges Gefühl erzeugt. Sitzt im Kino einer der ebenfalls glaubt die Mutter in The Mommy spricht zu ihm? Hat sich vielleicht jemand von der Großansicht der Hypnose-Spirale und von der eindringlichen Stimme der Mutter manipulieren lassen? Wer weiß, möglich ist es doch, oder?

Im Augenblick der Angst spielt mit dem Zuschauer, will ihn verunsichern und ihn dazu bringen, sich im Kino selbst umzudrehen und zuschauen, ob nicht einer der Zuschauer von Im Augenblick der Angst seltsam verhält. Der ganze Film wirkt so verwirrend, dass ich mir gut vorstellen kann, dass der ein oder andere sensible Zuschauer sich dessen wohl nicht mehr ganz sicher war und sich nicht nur vor dem Geschehen auf der Leinwand fürchtete. Zudem vergisst man so schnell, dass es sich um einen Film im Film handelt.  Alles beginnt zu einem einzigen bizarren Alptraum zu verschmelzen und wenn man den Film im Kino mit anderen unbekannten Zuschauern sieht, wirkt er höchstwahrscheinlich noch viel intensiver. Auf VHS oder DVD dagegen ist er zwar spannend und packend, aber das Flair kann natürlich nicht seine verstörende Wirkung entfalten, als wenn man Im Augenblick der Angst in einem großen dunklen Kinosaal anschaut. Ich wiederhole dieses nur so oft, um zu verdeutlichen, dass der Film ein wahrer Kinofilm ist, den man auch nur in einem solchen richtig genießen kann.

Im Augenblick der Angst war als er im Kino lief ein großer Erfolg, bei Zuschauern und Kritikern und wurde international für etliche Filmpreise nominiert und gewann auch einige wie zum Beispiel den Golden Raven des Internationalen Film Fantasy Festivals von Brüssel oder den spanischen Sant Jordi Award und viele andere. Was den Film auch so realistisch erscheinen lässt ist auch seine scheinbar unveränderte Lokation, so wurde der Film in einem real existierenden Kino in L.A. gedreht, in dem Im Augenblick der Angst der Film The Mommy gezeigt wird. Alles wirkt so, als ob es echt ist und mir jedenfalls erscheint es so, als hätte man noch nicht mal vor dem realen Kino in L.A. die Strasse gesperrt und Statisten auf und ab laufen lassen und das viele Szenen in Augenblick der Angst zusätzlich in Spanien gedreht wurden fällt nicht auf, da nicht diesen Anschein erweckt, es wäre nicht in L.A.

Ihr seht, dass es mir nicht einfach fällt einen Film wie Im Augenblick der Angst wirklich zu beschreiben, zu ungewöhnlich ist er in seiner ganzen Machart, in seinem Stil und Erzählweise. Im Augenblick der Angst ist wahrlich etwas besonderes und ich kenne keinen Film vorher wie nachher, noch nicht einmal die heutigen Found Footage-Filme, die so glaubwürdig erscheinen und auch nach dem Ende einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich würde persönlich den Film eher in das Genre des Psychothrillers einordnen, aber da diese Szenerie in The Mommy eher Horror ist, kann man das auch nicht eindeutig als solchen bezeichnen. Im Augenblick der Angst ist wahrlich etwas besonderes, kein plumper Horrorfilm, sondern sehr intelligent und durchdacht. 

Endlich gibt es Im Augenblick der Angst von Sunfilm seit Oktober letzten Jahres auf DVD und BluRay ab 16 Jahren. Auf VHS wurde er ab 18 freigegeben, da er schon sehr verstörend ist und ich denke auch heute noch nach 26 Jahren als er herauskam, kann der Film voll und ganz überzeugen und wird nach des öfteren Ansehens (in gewissen Abständen natürlich) nicht langweilig. Sein Flair, seine Atmosphäre und seine Realitätsnähe sowie alles was ihn ausmacht sind bis heute absolut einzigartig. Im Augenblick der Angst ist einer der wenigen Filme, die man nicht einfach so mal kurz in einem Review beschreiben kann; man muss ihn sehen, ihn erleben und ihn erfahren. Erst wenn man ihn sieht, spürt man das, was ich hier versuche krampfhaft zu beschreiben. Aber jedes Review, egal wie ausführlich würde diesem Film nicht gerecht werden. Schaut ihn euch an und ihr werdet sehen, was ich meine.    

 Wertung: 10/10 Punkten

 

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