Im Dutzend zur Hölle (1973)

Als der „consigliori“ des einflussreichen Mafiaboss Don Antonio Macaluso (Martin Balsam), Anwalt Thomas Accardo (Tomas Milian), aus dem kriminellen Milieu aussteigen will, löst er damit einen Mafiakrieg aus. Da Don Antonio seinen Ziehsohn Thomas unbehelligt ein neues Leben mit der schönen Laura (Dagmar Lassander) beginn lässt, hat Don Antonios rechte Hand Vincent Garofalo (Francisco Rabal) einen Grund gefunden, um sich gegen seinen Don zu wenden und dessen Organisation mit Duldung der anderen Familien zu vernichten. Als Don Antonio beinahe Opfer eines Attentats wird und auch Thomas nur knapp einem Anschlag entgeht, kehrt Thomas an die Seite Don Antoinis zurück, um mit Garofalo abzurechnen…


In den 60er und 70er Jahren war die Mafia in Italien ein tägliches Thema in der Gesellschaft und in den Medien. Dies führte zum Anlass für das italienische Kino die Thematik auch filmisch aufzugreifen und es in spannende und zugleich oft verstörende Filme dem Zuschauer vor Augen zu führen.

Somit ist es auch nicht verwunderlich das vor und hinter der Kamera zahlreiche bekannte Größen des italienischen Kinos in Filmen zusammen arbeiteten. Wie auch in IM DUTZEND ZUR HÖLLE aus dem Jahr 1973. Dieser Polizieschi entstand unter der Regie von Alberto De Martino. Genre-Fans und Anhänger der italienischen Filme dürften diesen Namen sicherlich kennen. Zu seinen weiteren Werken zählen Filme wie FEUERSTOSS (1976), EIN MANN GEHT AUFS GANZE (1972) und DER MAFIA-BOSS (1972). Schon in den 60er starte De Martino seine Karriere als Regisseur die bis Mitte der 80er anhielt. De Martino zählt zu den italienischen Regisseuren die sehr viel Material ihrer Filme in den USA gedreht haben. Viele andere Kollegen nutzten oft nur kleine Einstellungen von markanten Gebäuden um den Eindruck zu hinterlassen das die Story sich in den USA abspielt. De Martino verlegte viel ins Ausland, dies brachte ihm auch den Bonus viele Namenhafte amerikanische Schauspieler für seine Filme zu gewinnen.

IM DUTZEND ZUR HÖLLE klingt eher wie ein Western als wie ein Mafia-Streifen. Diesen Titel haben wir dem deutschen Filmmarkt der 70er zu verdanken. Im Original lautet der Titel: Il Consigliori. Schon beim Betrachten des Covers und des Kinoposters erkennt man deutlich zwei bekannte Gesichter. Zum einen haben wir da Martin Balsam und Tomas Milian. Beides sind große Ikonen des Kinos im Stiefelland. Sie brachten zahlreiche Filme aus den verschiedensten Genres zu uns in die Kinos und versüßten somit nicht nur den eigenen Landsmännern den Besuch im Kino.

Tomas Milian sehen wir hier im adretten Anzug, der perfekt auf seinen schmalen Körperbau zugeschnitten ist. Anstatt mit Pudelmütze als Nico Giraldi, erleben wir ihn hier als Anwalt der frisch aus dem Knast entlassen wird. Wenn man für die Mafia als Berater arbeitet kann es schon mal passieren das man beschuldigt wird die Zeugen und Geschworenen bestochen zu haben. Doch Anwalt Thomas Accardo (Milian) möchte mit seiner Freundin einen Neuanfang starten und entschließt sich bei der Mafia und deren Machenschaften auszusteigen.

In KAP DER ANGST (1991) mimte Martin Balsam den Richter, doch knapp 20 Jahre zuvor war er in IM DUTZEND ZUR HÖLLE als Mafiaboos Don Antonio Macaluso tätig. Balsam war ein gefragter und beliebter Schauspieler. Man konnte ihn in Thrillern, Dramen, Western und Komödien erleben. Zu seinen bekanntesten und eindrucksvollsten Auftritten zählen zweifelsohne ZWIEBEL JACK RÄUMT AUF (1975), HEXENSABBAT (1977), ZWEI MINUTEN WARNUNG (1976) und DELTA FORCE (1986) um nur einige seiner vielen Filme beim Titel zu nennen. In der Rolle des Mafiabosses Macaluso spielt er souverän und ausdrucksstark an der Seite von Tomas Milian.

In den meisten Filmen werden beide Seiten Gut und Böse, sprich die Mafia und die Polizei ausgiebig in Szene gesetzt. In IM DUTZEND ZUR HÖLLE sieht es etwas anders aus. Zwar ist hier auch die Polizei vertreten, doch arbeiten die präsentierten Polizisten eher mit der Mafia zusammen als gegen sie zu ermitteln. Im Vordergrund stehen die Machenschaften der einzelnen Bezirke der Mafia die andere Störenfriede ausschalten möchten. Da bekommt man schon mal den berühmten DRIVE BY auf dem Silbertablett serviert oder auch diverse kleine Bombenanschläge. Doch anstatt sich nur auf die plumpe dezimierung zu konzentrieren wurde hier auch mit viel Raffinesse gearbeitet. Zum einen fällt mir da folgende Szene ein: Ein Anhänger der Mafia hat Angst um sein Leben. Er möchte fliehen, er kommt zu seinem Auto und bemerkt das die Motorhaube einen Spalt geöffnet ist. Sofort erkennt er die bevorstehende Gefahr und hegt den Plan sich ein Taxi herbei zu rufen. Er winkt ein Taxi heran, das kommt auf ihn zu, die hintere Tür öffnet sich und ein Mann liegend mit einer Maschinenpistole verpulvert sein ganzes Magazin in den Flüchtigen. Das hat doch was!

Actionfreunde bekommen beim Film ordentlich was geboten. Zahlreiche Schusssalven und Explosionen, dazu ein paar Verfolgungsjagden und was sonst noch alles zum Repertoire eines Mafia-Streifens gehört. Doch anstatt den Film nur zu loben, gibt es auch etwas zu bemängeln. Die Story des Films ist recht zäh und sehr vorhersehbar. Es wird sich zu sehr auf den Kampf konzentriert. Das mag einige freuen doch bestimmt auch andere wichtige Aspekte und Hintergründe eines solchen Kampfes vermissen. Handwerklich kann man dem Regisseur nichts vorwerfen. Solide Arbeit, dazu gut aufeinander abgestimmte Kameraeinstellungen, die noch mit einem angenehmen Score versehen wurden. Doch auch hier gibt es ein kleines Manko. Zu häufig bekommt man die selbe Melodie auf die Ohren, sie lässt auch schnell erkennen wann der Zuschauer aufpassen muss und ihm gleich was geboten wird. Überraschungsmomente sind somit gänzlich ausgemerzt worden.

Auch wenn IM DUTZEND ZUR HÖLLE etwas trocken und fad von der Story daher kommt, so kann er gut in der oberen Klasse der Polizieschi mitspielen und sich behaupten. Das Label FILMART spendierte ihm auch die DVD Premiere in ihrer Polizieschi Edition als Nummer 7. Für Fans des italienischen Kinos und Mafia Genre eine Kaufempfehlung und Sichtung wert.


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