In meiner Wut wieg’ ich vier Zentner (1974)

Italien/Spanien/Hongkong 1974
mit Lee van Cleef, Lo Lieh, Patty Shepard, Erika Blanc…
Drehbuch: Barth Jules Sussman
Regie: Antonio Margheriti
Länge: 105 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Der Kung-Fu-Kämpfer Ho (Lo Lieh) erhält von seinem Warlord den Auftrag, in den Wilden Westen zu reisen und seine dort verborgenen Schätze zu bergen. Er verbündet sich mit dem Revolverhelden und Bankräuber Dakota (Lee van Cleef). Die ungleichen Partner finden schnell heraus, dass Tätowierungen von vier Frauen der Schlüssel zum Reichtum sind. Nachdem Dakota und Ho sich ihren Konkurrenten, einem Prediger und dem Warlord, mit vereinten Kampfkünsten entledigt haben, scheint sie nichts mehr aufhalten zu können.

Rauchende Colts und asiatische Kampfkunst! Zwei Elemente, bei denen man denkt, man könnte sie nur schwer vereinen. Doch in den 70er Jahren war fast Alles möglich und es entstanden die wildesten Genre-Kreuzungen. In diese Riege reiht sich auch der Western/Eastern-Mix „In meiner Wut wieg‘ ich vier Zentner“ (1974) ein, der zwar durchaus für gute Laune sorgt, jedoch Genre-Liebhaber weit weniger begeistern dürfte, als die Prämisse vermuten lässt.

Die „Shaw Bros.“ aus Hongkong waren damals eine sichere Bank für actionreiche und gut choreographierte Kung-Fu Epen, oder zumindest für unterhaltsame Gebrauchsware. Asiatisches Handkanten-Kino war beliebt und somit scheuten sich die umtriebigen Produzenten aus Fernost nicht davor auch im westlichen Markt Fuß zu fassen. In den 70er Jahren gab es diverse Ko-Produktionen, die mal mehr und mal weniger geglückt waren. Wie man spaßigen Trash auf die Beine stellt, haben die Hongkong-chinesen schon mit „Karate, Küsse, blonde Katzen“ (1974), bei dem sie sich mit deutschen Schmuddel-Koryphäen zusammen taten, exzellent bewiesen. Im selben Jahr waren schließlich auch die Italiener an der Reihe, vom „shawischen“ Hype zu profitieren. Mit „In meiner Wut wieg‘ ich vier Zentner“, auch bekannt unter den Titeln „Blood Money“ und „The Stranger and the Gunfighter“, hielt die Marke Einzug in den beliebten Italo-Western, obwohl dieser 1974 schon größtenteils ausgedient hatte. Zum gleichen Zeitpunkt waren aber Bud Spencer und Terence Hill schon mit ihren Western-Komödien erfolgreich, weshalb auch „In meiner Wut wieg‘ ich vier Zentner“ deutlich humorvollere Töne anschlägt. Die Story ist derweil relativ simpel. Der junge Wang Ho begibt sich nach Amerika um das Vermögen seines Onkels Wong aufzuspüren, denn dieses gehört eigentlich einem chinesischen Kriegsherrn. Zusammen mit dem Gauner und Revolverhelden Dakota begibt sich Wang auf die Suche nach dem Weg zum großen Geld, welcher als Tätowierung auf den Gesäßteilen von vier Damen zu finden ist. Der Film kommt somit als Buddy-Komödie daher und zielt auf den Culture-Clash zwischen den beiden Protagonisten ab. Geradlinig werden die einzelnen Stationen abgearbeitet, um letztendlich in ein actionreiches Finale einzuleiten. Eben jene Geradlinigkeit ist auch die größte Schwäche des Streifens, denn es passiert über weite Strecken nicht viel. Die beiden Hauptfiguren stolpern quasi von Arsch zu Arsch, wobei oft dieselben Abläufe wiederholt werden und es relativ selten zu wirklich interessanten Szenen kommt.

Das Augenmerk liegt dabei eher auf der Ungleichheit des Hauptduos. Obwohl andere Filme die ungewöhnliche Zusammenkunft zweier Kulturen deutlich besser, interessanter und auch unterhaltsamer gestalten, macht „In meiner Wut wieg‘ ich vier Zentner“ auf dieser Ebene durchaus Laune. Wangs fehlendes Wissen über amerikanische Begrifflichkeiten und seine stringente Höflichkeit beißen sich gut mit dem Auftreten von Raubein Dakota, weshalb ein paar schöne Sprüche und kleinere Gags durchaus zu gefallen wissen. Lediglich die Action kommt ein wenig zu kurz, was stutzig macht, wenn man auf den Regisseur blickt, denn hinter dem schwungvollen Pseudonym Anthony M. Dawson verbirgt sich niemand geringeres als Exploitation und Rip-Off Routinier Antonio Margheriti, der zwar nie wirklich gute Filme gedreht hat, jedoch immer ein Händchen für reißerische und spaßige B-Ware hatte. Auch seine Inszenierung geht wieder völlig in Ordnung und erweist sich als sauberes Handwerk, nur fehlt mir als Trash-Fan hier einfach das Wilde und Verrückte, wenn man schon Ost und West aufeinander krachen lässt. Denn für den ganz großen Spaß sind die Gags dann doch wieder zu halbgar und die Story zu dröge. Lediglich zum Ende dreht Margheriti etwas auf und serviert einen schönen Shootout mit witzigen Kung-Fu Einlagen, inklusive ein paar blutiger Effekte, auch wenn sie so gar nicht zum Ton des restlichen Films passen. Von der Action hätte ich mir mehr gewünscht, vor allem wenn sie mehr über den Film verteilt wäre. Für die Hauptrollen hat man sich zum einen für den Chinesen Lo Lieh entschieden, der schon einige gelbe Klopper in seiner Vita verzeichnen konnte. Der etwas mopsige Aktuer macht seine Sache recht gut und funktioniert als unscheinbarer Gegner, der eigentlich keinen Ärger sucht. Großes Plus ist in der Besetzung ist Lee van Cleef. Der 1974 schon etwas ausrangiert wirkende Western-Star, der nach seinen Einsätzen bei Sergio Leone noch weitere tausend Male als Revolvermann auftrat um wahrscheinlich den benötigten Whiskey zu finanzieren, hat sichtlich Spielfreude und funktioniert auch in komischen Szenen. Dazu gesellen sich Genre-Miezen Patty Shepard oder Erika Blanc, die in diversen Euro-Filmchen zu sehen waren. Relativ cool ist Julian Ugarte als schießwütiger Priester mit eigener Kirche auf der Kutsche, der hier den Bösewicht mimt. Die im Jahr 2002 erschienene DVD von „EMS“ bietet derweil keine große Ausstattung und liefert den Film in etwas besserer VHS-Optik. Dafür ist sie günstig zu bekommen und das reicht ja wohl, obwohl eine schicke Blu-Ray definitiv eine nette Sache wäre.

Antionio Margheritis „In meiner Wut wieg‘ ich vier Zentner“ ist kein sonderlicher Meilenstein. Der banale Kung-Fu Western bietet eine lasche Story und holprige Gags und etwas zu wenig Action, um als wildes B-Movie Erlebnis zu funktionieren. Allerdings bekommen wir mit dem durchaus putzigen Hauptduo, einem interessanten Bösewicht und ein paar coolen Sprüchen durchaus Elemente geboten, die den Streifen zum ordentlichen Sonntagnachmittags Kandidaten machen.