Insomnia – Todesschlaf (1997)

 

Im nördlichsten Teil Norwegens, nahe am Polarkreis, wurde ein siebzehnjähriges Mädchen ermordet. Der schwedische Kommissar Engström (Stellan Skarsgård) soll mit seinem Kollegen Erik Vik (Sverre Anker Ousdal) der norwegischen Polizei bei der Aufklärung des Verbrechens aushelfen. Die Spuren führen bald zum Täter. Allerdings geht der Zugriff schief; im dichten Nebel erschießt Engström versehentlich seinen Kollegen Erik, der Mörder kann flüchten. Es gelingt Engström, die Tat dem geflüchteten Mörder anzuhängen, doch schon bald wendet sich das Blatt und Engström wird zum Gejagten, zumal ihm zusätzlich die Schlaflosigkeit durch die Mittsommernacht deutlich zu schaffen macht…

Insomnia – Todesschlaf lief hierzulande gar nicht im Kino, außer vielleicht auf diversen Filmfestivals. Leider! Hat er doch viel Potenzial und ist in meinen Augen ein kleines Meisterwerk. Zum Glück haben kompetente Redakteure beim ZDF diesen Film schnell entdeckt und die Senderechte erworben, ihn synchronisieren lassen und im Montagskino gezeigt. Das war mein erster Kontakt mit diesen Film. Im Grunde genommen ist es schon erstaunlich, dass man gerade diesen Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu sehen bekommen hat, ist er doch auf eine gewisse Art und Weise äußerst unkonventionell und „dreckig“ in seiner Machart. Schon die Eingangssequenz, wo der Vorspann zu sehen ist, ist sehr verstörend – oder kann es zumindest für den einen oder anderen Zuschauer sein. Man sieht dort in grobkörnigen Bildern, wie das Opfer vom Mörder (den man natürlich nicht sieht, man sieht nur seine Hände,) zurechtgemacht wird, und man hört darin ein immer wiederkehrendes Geräusch, das sich so ähnlich wie die Endrille einer Schallplatte anhört. Das alles erinnerte mich im ersten Augenblick an diverse Filme von Jörg Buttgereit. Sind seine Filme doch auch „irgendwie“ … naja, anders. ^^

In Insomnia – Todesschlaf sieht man den schwedischen Schauspieler Stellan Skarsgård, der inzwischen auch in internationalen Filmen wie „Mamma Mia!“ oder „Thor“ zu sehen ist, als gerissenen und egozentrischen Kommissar Engström, der durch die dauerhafte Helligkeit, die am Ort der Ermittlung herrscht, immer müder wird und dadurch immer mehr der Verstand verliert. Man hat Interesse an der Figur des Kommissars, aber Sympathie entwickelt der Zuschauer für Engström wohl kaum.

Stellan Skarsgård ist seit den siebziger Jahren nicht nur in seiner frostigen Heimat ein großer Schauspieler. Von 1972 bis 1988 hatte er eine Festanstellung am Royal Dramatic Theatre in Stockholm, wo er in Produktionen wie „Vita rum“ (1988), „Ett drömpsel“ (1986) und „Master Olof“ (1988) zu sehen war. Er arbeitete mit Regisseuren wie Alf Sjöberg, Per Verner-Carlsson und Ingmar Bergman. Nach „Breaking the Waves“ von Lars von Trier, sah man Skarsgård in diversen Nebenrollen, insbesondere in US-Filmen wie in Gus van Sants „Good Will Hunting“ (1997) und Steven Spielbergs „Amistad“ (1997), für die er beide 1998 je einen Outstanding European Achievement in World Cinema at the European Film Awards erhielt. Ebenso war er in John Frankenheimers „Ronin“ (1998) zu sehen. Weitere Hauptrollen in amerikanischen und internationalen Kinofilmen hatte er in Renny Harlins „Deep Blue Sea“, in Hans Petter Molands „Aberdeen“, für den er eine Nominierung als Bester Darsteller bei den European Film Awards 2000 erhielt. Die Liste lässt sich endlos fortsetzten, so fleißig und gefragt ist dieser Mann. 🙂

Insomnia – Todesschlaf ist Erik Skjoldbjærgs erster Spielfilm. Des weiteren sind hierzulande nur noch der Film „Prozac Nation – Mein Leben mit der Psychopille“ aus 2001 mit Christina Ricci in der Hauptrolle bekannt, der aber erst 2010 in Deutschland auf DVD veröffentlicht wurde und inzwischen schon in der ARD gezeigt wurde. Zwei weitere Spielfilme entstanden noch 2005 („En Folkefiende“) und 2010 („Nokas“), wieder in Norwegen, die aber bis heute in Deutschland nicht veröffentlicht wurden. Vielleicht wäre das wieder etwas für die Herrschaften beim ZDF. ^^

2002 mussten die Hollywoodianer natürlich ein englischsprachiges Remake von Insomnia – Todeschlaf machen. Es erschien unter dem Titel „Insomnia – Schlaflos“. Zwar ist dieses unnötige Remake mit Al Pacino und Robin Williams in den Hauptrollen und mit Christopher Nolan als Regisseur namhaft besetzt, dennoch ist diese Version in meinen Augen nicht so bissig wie das norwegische Original. Hat man die Story hierfür ein wenig erweitert und das Ende etwas verändert, ist es doch genau das, was den Film so weichgespült und langweilig erscheinen lässt. In meinen Augen ist „Insomia – Schlaflos“ Christopher Nolans schlechtester Film, den er je gemacht hat. Vor allem, wenn man bedenkt, was für innovative Filme er bis dahin schon gemacht hat und für was er danach noch verantwortlich war.

Insomnia – Todesschlaf kann man nur als DVD von Capelight käuflich erwerben. Diese lohnt sich auf jeden Fall, hat man den Film für dieses Medium in allen Vorzügen bearbeitet (16:9 Filmtransfer, deutsche Synchronfassung und norwegisch- schwedischer Originalton und deutsche Untertitel). Hin und wieder läuft er auch noch im ZDF, auf Arte oder 3Sat. Wer ihn noch nicht kennt, sollte dann auf jeden Fall einschalten. 🙂

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