Invasion U.S.A.

Cubanische Terroristen fallen in den USA ein und verbreiten Angst und Terror. Die Polizei ist machtlos und die Nationalgarde versucht der Lage Herr zu werden. Doch ein Mann hat noch eine persöhnliche Rechnung mit dem Anführer der Terroisten offen und führt in mitten des Chaos einen erbitterten Ein-Mann-Krieg…

 

Wir schreiben das Jahr 1985. Die von Menahem Golan und Yoram Globus geführte Produktionsfirma Cannon-Films befindet sich auf ihrem Höhepunkt. Einen Film nach dem anderen wirft die israelisch-amerikanische B-Movie-Schmiede auf den internationalen Kino-Markt. Egal ob Action, Sci-Fi, Abenteuer, Horror oder Erotik, Cannon bedient alle Genres. Neben „Haus-Stars“, wie Michael Dudikoff, Charles Bronson oder Shó Kosugi, ist vor allem ein Mann das Aushängeschild des Independent-Studios: Chuck Norris. Die bärtige Ein-Mann-Armee mit der Affinität zu Roundhouse-Kicks, ja vielleicht sogar der heterosexuellste Action-Held der Filmgeschichte, verbuchte mit „Missing in Action“ einen respektablen Kino-Hit. Nun war es an der Zeit den Status des TV-Rangers auf ein höheres Level zu heben und ihn mit einem fulminanten Action-Kracher an den Start zu schicken.
Was dabei heraus kam, ist menschenverachtend, reaktionär bis auf den letzten Film-Meter und an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Ein Trash-Fest für bierselige Abende in Laut grölender Atmosphäre. Bahn frei für „INVASION U.S.A.“

„Es gibt keine Evolutionstheorie, nur eine Liste von Kreaturen, denen Chuck Norris erlaubt zu leben“.
So ähnlich könnte die Prämisse dieses Films lauten. Wir sehen Norris als Ex-CIA-Agenten Matt Hunter, der sich so präsentiert als weiß er, dass er der härteste Mann der Welt ist. Nicht nur das, er war auch der beste Mann der CIA, logisch da gibt es keinen Zweifel. Als sowjetische Terroristen die USA überfallen und eine Spur von Mord und Verwüstung hinter sich ziehen sind die Regierung und sämtliche Behörden machtlos. Chuck, äh Matt, muss her um die Menschen zu retten. Und weil ein aufrechter Amerikaner solch ein Gesindel nicht tolerieren kann, lädt die „One-Man-Army-On-A-Force-Of-Vengeance“ die Uzis durch und geht auf Russen-Jagd. Das war so in etwa der gesamte Plot. Die Geschichte des Films ist augenscheinlich beim ein Jahr zuvor erschienen „Red Dawn“ abgekupfert worden um hier ein möglichst bedrohliches Szenario zu erschaffen. Bringt nicht viel wenn der Film an sich gar keinen Sinn macht! „Invasion U.S.A.“ ist fern jeglicher Logik. Weder eine Motivation der Bösewichte, noch ein geradliniger, sinnvoller Handlungsverlauf. Der Film scheisst auf alles und springt von einer, möglichst aufwendigen, Szene zur nächsten. Teilweise läuft das so ab:

Terroristen verüben einen Anschlag.
Chuck Norris tötet ein paar Feinde.
Terroristen verüben den nächsten Anschlag.
Chuck tötet sie.
Terroristen versuchen weiteren Anschlag zu verüben.
Chuck tötet sie!

So läuft der Film in etwa ab. Zwischendurch gibt es einzelne Szenen mit einer Reporterin (Melissa Prophet) und/oder herumstolpernden FBI-Agenten, welche total deplatziert wirken, was mich aber zu folgendem Schluss kommen lässt: Anscheinend gab es eine Story mit Charakteren und ähnlichen, aber man hat anscheinend den Film so auf „Chuck Norris nietet Russen um“ zusammengebaut, Hauptsache es rummst, dass der Rest einfach in Belanglosigkeit verschwunden ist. Somit bleibt das ganze episodenhaft und einzelne Szenen haben keinen Zusammenhang. Wenn man das außer Acht lässt, kann man sich gut vom Trash-Appeal verwöhnen lassen, denn der Film ist ein ziemlich reaktionäres Machwerk, was fast schon „Rambo 2“ und „Red Dawn“ überbietet. Natürlich muss man sich einem gängigen Feindbild erwehren, die wahllos ganze Familien auslöschen, aus welchem Grund auch immer, und natürlich rettet der strahlende Amerikaner im Alleingang mal die ganze Nation.
Aber das muss bei so einem Film auch sein. Sprüche, wie „Wenn du hier nochmal reinkommst, verpass‘ ich dir so viele rechte Haken, dass du um einen linken bettelst!“ runden dieses Macho-Kleinod zu einem spaßigen Trasher ab, in dem Dauer-Jeansträger Chuck Norris nach Herzenslust Leute abknallen oder in die Luft jagen darf. Der spielt auch so wie immer! Einen Gesichtsausdruck wie ein Sack Zement und ab dafür, aber so lieben wir unseren bärtigen Karate-Fighter. Richard Lynch kommt als Bösewicht Rostov, in der deutschen Version Hames, warum auch immer, ziemlich gut rüber und liefert eine wunderbar fanatisch, diabolische Performance ab. Regie bei dem ganzen Zirkus führte Joseph Zito, der uns um solch strahlende Klassiker, wie „Freitag der 13. Teil 4“, „Die Forke des Todes“, das Dolph Lundgren-Vehikel „Red Scorpion“ oder auch Norris‘ Vietnam-Rache-Fantasie „Missing in Action“ bereichert hat. Der macht seinen Job relativ ordentlich und inszeniert pures 80er Macho-Kino mit dicken Kanonen, Bazookas, Explosionen und markigen Sprüchen. Einige Szenen sind durchaus gut gemacht und vor allem der Endkampf fährt nochmal alles auf. Der Film kommt relativ kurzweilig daher und macht trotz seiner hanebüchenen Zusammensetzung durchaus Laune und lädt zum herzhaften Klatschen und Lachen ein. Man könnte glatt meinen, die Chuck Norris-Facts seien nach Sichtung dieses Films entstanden, ich würde es sofort glauben.

„Invasion U.S.A.“ ist einer der wohl markantesten Filme von Chuck Norris. Hier manifestiert er seinen Ruf als unaufhaltsame Kampfmaschine gegen den Abschaum der Menschheit. Wer die ganze fehlende Logik oder Story ausblendet bekommt hier einen äußerst unfreiwillig komischen und vor Machismen triefenden Trash-Actioner geboten, der den Ruf Cannon-Films, als Bodensatz der zeitgenössischen Filmkultur bei vielen Kritikern weiter in die Höhe trieb. Ich habe daran allerdings meinen Spaß und bin froh diesen Film erlebt zu haben. Wahnsinn, was ein Schwachsinn!

PS: Der Film ist ungekürzt mit einer Freigabe ab 18 Jahren auf DVD und Blu-Ray erhältlich.