Jack the Ripper (1976)

Eine Londoner Prostituierte macht sich alleine auf dem Weg nach Hause. Sie ist allein in den Straßen unterwegs, was ihr gar nicht behagt. Auf ihrem Wege trifft sie aber nur auf einen alten blinden Bettler den sie zuerst für eine Bedrohung hielt. Doch schon kurz danach wird sie das Opfer von Jack the Ripper der sie tötet und den Leichnam mitnimmt. Der Bettler wird Zeuge des Überfalls, aber da er blind ist, läßt der Mörder ihn in Ruhe. Dennoch merkt der sich aber einige Details. Die Leiche wird in ein Gewächshaus gebracht, wo der Ripper sie zerstückelt und am nächsten Tag von der verwirrten Frieda entsorgen läßt, die die Leichen für Puppen hält.

 

Franco kreiert hier eine sehr stimmige Athmosphäre eines Londons im 19. Jahrhundert. Wenn man bedenkt, dass alles in Zürich gedreht wurde, wirkt es umso beeindruckender, wie Jess Franco alles in Szene setzt um uns ein klassisches England zu präsentieren. Zudem verwirklichte er hier seine eigene Version der Geschichte und hält sich nicht unbedingt an historische Fakten. Er schafft mit dem Titelgebenden Täter einen Charakter, dem er Persönlichkeit gibt und dessen Psyche erläutert wird, welche fast schon schizophrän anmutet.
Franco erzeugt auch hier, wie in vielen seiner Filme, Traumsequenzen, die etwas surreales an sich haben und uns “Jack the Ripper” als gepeinigte Figur zeigen, dessen Mordlust ihren Ursprung in der Kindheit hat. Auch mit dem Rest der Figuren, bekommen wir gut ausgearbeitete Charaktere, die einen guten Kontrast bieten und die Story durchgehend dynamisch halten. Die Settings sind gut gewählt und die Kostüme authentisch, man fühlt sich wirklich in eine andere Zeit versetzt. Hier zeigt Franco deutlich, dass er mit dem richtigen Material ein guter Regisseur sein kann, denn auch seine Inszenierung kann sich mehr als sehen lassen. Seine Kamera bewegt sich durch neblig dunkle Gassen, verruchte Lokale und klassische Altbauten. Gerade in diesen Szenen zeigt er, dass er es durchaus versteht, Spannung und Athmosphäre zu erzeugen. Besonders die Sequenz im Park gestaltet sich sehr spannend. Einen hohen Beitrag zur Intensität, leistete sehr wahrscheinlich Klaus Kinski. Das deutsche Enfant Terrible, lebt seine Rolle und bei ihm sitzt jede Geste. Er spielt die Figur auf der einen Seite als Arzt der Armen, der Gutes tut, sich um bedürftige kümmert und liebenswert ist aber nachts, wenn ihn seine Träume quälen zur Bestie wird. Und da ist erstaunlich das Kinski den Spagat schafft und auch als netter Arzt überzeugen kann. Die Nebenrollen sind mit Josephine Chaplin, der Tochter von Charlie Chaplin, Andreas Mannkopff, Francos Muse Lina Romay und dem immer sehenswerten Herbert Fux sehr gut besetzt. Auch die Musik ist stimmig und fügt sich gut in den Film ein. Ein paar Effekte, des durchaus in wenigen Momenten blutigen Treibens, wirken zwar sehr billig und der Schanzengraben ist auch heute noch keine Themse, jedoch ist das im Gesamtkontext zu verschmerzen, da der Rest des Streifens sehr gelungen ist.

Jess Francos “Jack the Ripper”, gehört sicherlich zum Besten was der spanische Sleaze-Gott je geleistet hat, denn jener Sleaze wird heruntergefahren und man erschuf einen spannenden, athmosphärischen und gut gespielten Historien-Krimi, der die Figur des Mörders näher beleuchtet und uns eine sehenswerte Version des nie gelösten Kriminalsfalles präsentiert.