James Bond 007 – Feuerball (1965)

Die große “James Bond-Retrospektive” Vol.4

Originaltitel: “Thunderball”
Vereinigtes Königreich 1965
mit Sean Connery, Adolfo Celi, Claudine Auger, Luciana Paluzzi, Bernard Lee…
Drehbuch: Richard Maibaum, John Hopkins
Regie: Terence Young
Länge: 130 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Die Verbrecherorganisation PHANTOM (SPECTRE) bringt zwei Atombomben in ihre Gewalt und verlangt nun innerhalb von sieben Tagen 100 Millionen Pfund in Form lupenreiner Diamanten als Lösegeld. James Bond (Sean Connery) wird auf die Bahamas entsandt, um sich Dominique “Domino” Derval (Claudine Auger) anzunähern, deren Bruder Francois (Paul Stassino) von Bond tot aufgefunden wurde und in Verbindung mit dem Bomben-Diebstahl zu stehen schien. Schnell macht 007 Bekanntschaft mit Dominos Freund Emilio Largo (Adolfo Celi), der als Drahtzieher des Diebstahls fungiert. Dem Agenten bleibt nicht viel Zeit, denn durch die atomare Bedrohung stehen viele Menschenleben auf dem Spiel. Doch Largo und seine Handlanger haben Bond bereits im Visier!

Und weiter geht es in unserer „James Bond“-Retrospektive. Nachdem wir den Meilenstein „Goldfinger“ (1964) bearbeitet haben, hangeln wir uns zum vierten Abenteuer des britischen Geheimagenten. „Feuerball“ (1965) macht genau dort weiter, wo der Vorgänger aufhörte und bietet Alles, was der Bond-Fan wünscht, ohne dabei aber ganz die Klasse des Franchise-Favoriten zu erreichen.

Es hat ein wenig gedauert, bis ich diese Zeilen geschrieben habe, da ich nicht die Zeit hatte, mich ausgiebig mit neuen Texten zu beschäftigen. Doch jetzt geht es weiter und wir befinden uns im Jahr 1965. Die Bond-Mania ist im vollen Gange, „Goldfinger“ (1964) ein weltweiter Mega-Hit und Albert R. Broccoli und Harry Saltzman bereiten das nächste filmische Abenteuer vor. Diesmal soll es noch größer, noch spektakulärer und noch spannender zu gehen. Allerdings überschattete ein Rechtsstreit die Produktion von „Feuerball“ (1965). Kevin McClory, seines Zeichens Drehbuchautor, war an der Entstehung des Romans von Ian Flemming beteiligt, da dieser ursprünglich ein Drehbuch für einen Kinofilm hätte werden sollen. Daraus wurde schließlich nichts und der Bond-Erfinder arbeitet dies zum ausführlichen Print-Medium um. McClory klagte und bekam Rechte zugesprochen. So mussten Broccoli und Saltzman dem ungnädigen Kläger einen Credit als Produzent einräumen und ihn an dem Projekt beteiligen. Dies tat dem Endergebnis allerdings keinen Abbruch. „Feuerball“ (1965) ist genau der Film, auf den die Fans anno 1965 gewartet haben. Ein in allen Belangen spektakulärer Agenten-Actioner, der den Vorgänger finanziell sogar übertreffen konnte und sogar einen Academy Award für die besten visuellen Effekte erhielt. Die Geschichte befasst sich nach „Dr. No“ (1962) und „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) ein weiteres Mal mit der Verbrecherorganisation SPECTRE, in der deutschen Fassung noch als PHANTOM genannt. Deren zweiter Mann Emilio Largo entführt mittels einer minuziös geplanten Aktion zwei Atomsprengköpfe und erpresst damit die Vereinten Nationen um 280 Millionen US-Dollar. Sollte das Lösegeld nicht gezahlt werden, würde SPECTRE zwei beliebige Großstädte zerstören. Mehrere Agenten des MI6 werden in die Welt entsandt, unter anderem auch 007, James Bond, der durch einen Hinweis in einem Sanatorium die Reise nach Nassau antritt und dort auf die Spur Largos kommt. Dass er dabei mit dabei mit dessen Gespielin Domino anbandelt, macht die Sache nicht besser und es beginnt ein Katz- und Mausspiel zwischen Bond und dem Bösewicht.

Eines vorweg. „Feuerball“ ist ein fantastischer Popcorn-Film, der mich immer wieder begeistert, auch wenn er seine Schwächen hat. Das Agenten-Abenteuer bietet tolle Schauwerte und war sicherlich damals sehr innovativ, aufgrund des Set-Designs und dem Aufwand, mit dem die einzelnen Action-Szenen realisiert worden sind. Dafür spricht die Auszeichnung bei OSCARS, in der Kategorie „beste Spezialeffekte“. Für diesen Bond-Film holte man wieder Terence Young auf den Regiestuhl, der schon die ersten beiden Ableger der Reihe inszeniert hat. Wie in seinen vorherigen Arbeiten, hat Young das richtige Gespür für das Spektakel und hat schöne Kameraeinstellungen, wie auch ein gutes Tempo in Petto. Die Optik ist fantastisch und kein Bond-Film war je so malerisch anzusehen, wie „Feuerball“. Besonders die Unterwasserszenen fordern allerhöchsten Respekt. Was im Jahr 1965 realisiert wurde, ohne Computereffekte, wischt auch heute noch mit vielen Produktionen den Boden. Auch wenn ein paar Szenen definitiv etwas zu ausufernd geraten sind, die Kampfszenen auf dem Meeresgrund mit eingeschlossen, und man bei erneuter Sichtung doch dazu neigt, die Skip-Taste zu drücken, bietet „Feuerball“ immer noch allerhöchsten Standard. Die Verfolgungsjagd im Trubel des Karnevals ist fantastisch und auch der Heist in Largos Villa macht Einiges her. In Punkto Inszenierung hat Young hier seinen besten Film abgeliefert, ohne einen tollen Agenten-Thriller wie „Liebesgrüße aus Moskau“ negieren zu wollen. Das Drehbuch, welches wieder von Richard Maibaum, zusammen mit John Hopkins, geschrieben wurde, folgt ganz der Tradition des Vorgängers „Goldfinger“. Superbösewicht bedroht die Welt und Bond eilt zur Rettung, garniert mit exotischer Location, schönen Frauen und viel Action. Auch in „Feuerball“ stimmt der filmische Cocktail, auch wenn der Film bei Weitem nicht die schneidige Kurzweil hat und auch die Figuren etwas weniger Profil bieten. Sie sind weniger faszinierend und etwas zu stereotyp, um mit Auric Goldfinger oder Pussy Galore zu konkurrieren. Trotz Allem ist die Besetzung durchaus gelungen und hochkarätig. Besonders Sean Connery versprüht in seinem vierten Einsatz ein ungeheures Charisma. Es sollte aber das Letzte Mal sein, dass der Schotte eine Glanzvorstellung in einem Bond-Film abliefert. Die Dialoge sind humorvoll, pointiert und haben Schwung. Alles, was Connery sagt zieht den Zuschauer in seinen Bann, was aber auch an der fantastisch sonoren Stimme von Gert Günther Hoffmann in der deutschen Fassung liegt. Trotz des Charmes, war Connery nie frauenfeindlicher in einem Bond-Film. Von „Nein“ hat der Doppelnullagent wohl noch nie gehört, immerhin könnte man bei der Szene im Dampfbad von Vergewaltigung sprechen, wenn man möchte. Das bietet heutzutage einen etwas unangenehmen Beigeschmack.

Genauere Stärken und Schwächen sind in unseren Kategorien zu finden!

„The World is not enough“ – Die Locations!

Während der erste Teil noch in einem Sanatorium spielt, ist der Großteil der Handlung auf den Bahamas angesiedelt. Diese liefern eine nahezu traumhafte Kulisse und vereinen alle klassichen Stilmittel der Bond-Reihe: Exotik, Eleganz und Schönheit. Dadurch bieten sich einige gelungene Steilvorlagen für tolle Szenen, ob zu Wasser, an Land oder in der Luft. Mehr kann man eigentlich dazu nicht sagen.

 

„Do you like willd Things, Mr. Bond?“ – Die Bond-Girls!

Bond-Girls gehören zu Bond, wie die Olive in den Vodka-Martini. „Feuerball“ hat einige Schönheiten zu bieten, allen voran Claudine Auger als Domino. Auger, ein ehemaliges Model, verleiht ihrer Figur eine wunderschöne Eleganz, bleibt aber profillos. Sie ist nun mal die Frau, die gerettet werden muss. Sie besitzt nicht die kernige Stärke einer Honor Blackman oder einer Diana Rigg. Sie sieht gut aus, that’s it! Luciana Paluzzi spielt den Gegenpart. Sie ist die Femme Fatale, die Bond umgarnt und für die Bösen arbeitet. Allerdings ist sie nicht so ambivalent, sondern eigentlich nur böse. Trotzdem ist sie wesentlich interessanter, als andere Frauenfiguren. Zu guter Letzt gibt es noch Kollegin Paula, die wenig bis Nichts zu tun hat, und Patricia, deren Sternstunde daraus besteht, sich unter der Dusche von Bond vergewaltigen zu lassen.

 

„I expect you to die“ – Die Bond-Schurken!

Auch wenn hier wieder Ernst Stavro Bolfeld als Oberhauot von SPECTRE die Fäden im Hintergrund zieht, ist Emilio Largo der Hauptgegenspieler Bonds. Gespielt wird er vom Italiener Adolfo Celi, dessen Karriere immer daraus bestand, den Bösen zu verkörpern. Dies tut er auch in „Feuerball“ tadellos, jedoch gehört er in die Kategorie „Standard-Schurke“. Woran erkennt man einen Bosewicht? Richtig, an der Augenklappe. Nach dieser Prämisse funktioniert Largo. Er hat keine hervorstechenden Eigenschaften außer Sadismus und dem böse sein. Zu keiner Zeit wirkt er Eigenständig, da er ja lediglich das tut, was ihm gesagt wird. Er hat nicht diesen verspielten Wahnsinn, wie Goldfinger, sondern funktioniert als klischeebehafteter Villain. So verschwinden auch Handlanger wie Graf Lippe, gespielt von Guy Doleman, und Vargas, gespielt von Philip Locke in der Bedeutungslosigkeit. Schade eigentlich!

 

„I never joke about my Work, 007“ – Die Gadgets!

In Sachen Gadgets kocht „Feuerball“ etwas auf kleinerer Flamme als sein Vorgänger. Nachdem wir noch einmal den legendären Aston Martin DB5 im Opening, mit eingebautem Wasserwerfer, bewundern dürfen und ein Raketenrucksack zu sehen ist, muss sich Bond mit kleineren Spielereien aus der „Q“-Abteilung zufrieden geben. Ein Mini-Mundlufttank, ein Geigerzähler, eine radioaktive Pille, eine Kamera mit Infrarotfunktion und ein Presslufttank für die Fortbewegung unter Wasser gehören hier zu der Ausrüstung. Diese Spielereien wirken noch angemessen geerdet, dienen der Story und verkommen nie zum bloßen Spektakel, sind also zweckdienlich. Eine angenehme Entscheidung, da Bond wieder mehr auf seine eigenen Fähigkeiten vertrauen muss.

 

„Let the Music play“ – Der Bond-Song!

Nach Shirley Basseys legendärem „Goldfinger“-Song, verpflichtete man hier den britischen Sänger Tom Jones, um das Theme „Thunderball“ zu singen. Der Song kommt sehr wuchtig daher, was an dem kraftvollen Arrangement liegt, in Verbindung mit Jones‘ großer Stimme. Der Song geht ins Ohr, auch wenn der Text extrem flach ist. Das ist aber das einzige Manko. Instrumentale Variationen fügen sich gut in den Film ein und auch der übrige Score, wieder aus der Feder von John Barry, ist erstklassig.

 

Fazit:

„James Bond 007 – Feuerball“ ist ein Meilenstein der Reihe. Auch wenn er in Punkto Figuren, Ambivalenz und Kurzweil hinter seinem bedeutenden Vorgänger zurück bleibt, bekommt der Zuschauer ein immer noch spektakuläres Agenten-Abenteuer geboten, welches mit tollen Schauwerten, einer bildschönen Location und den üblichen Zutaten aufwartet, weswegen wir Bond lieben!

 

4 von 5 Harpunen!