James Bond 007 – Goldfinger (1964)

Die große “James Bond-Retrospektive” Vol.3

Originaltitel: “Goldfinger”
Vereinigtes Königreich 1964
mit Sean Connery, Honor Blackman, Gert Fröbe, Shirley Eaton, Bernard Lee…
Drehbuch: Richard Maibaum, Paul Dehn
Regie: Guy Hamilton
Länge: 109 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

James Bond (Sean Connery), der Superagent seiner Majestät, wird auf die Fährte des exzentrischen Milliardärs Auric Goldfinger (Gert Fröbe) angesetzt, der, laut Geheimdienst, illegalen Goldschmuggel betreibt. Als Bond Goldfinger, mit Hilfe von dessen Gespielin Jill Masterson (Shirley Eaton), einen Denkzettel verpasst, muss diese das mit ihrem Leben bezahlen. 007 bleibt dem Schurken jedoch auf den Fersen und kommt hinter dessen wahnsinnigen Plan. Ein Anschlag auf die Goldreserven in Fort Knox!

Bond goes Gold! Im Rahmen unserer Retrospektive widmen wir uns heute dem Film, der bei Fans einen unangefochtenen Status besitzt. „James Bond 007 – Goldfinger“ (1964) gilt als der perfekte Bond-Film, der Alles hat. Aber nicht nur auf ikonographischer Ebene besitzt der dritte Einsatz des Geheimagenten einen tadellosen Ruf, sondern steht auch in Bestenlisten regelmäßig auf der Pole Postion. Ob der Film mehr zu sein scheint als er ist oder ob die Macher hier wirklich ein goldenes Händchen hatten, sehen wir uns mal genauer an!

1962 starteten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman mit „Dr. No“ ihren Siegszug durch die Kinos. Der erste Kinofilm nach einem Roman von Ian Flemming wurde zum Hit. Auch der Nachfolger „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) sorgte für volle Kassen. Grund genug, weitere Bond-Filme vorzubereiten. Für den dritten Film der Reihe, wagte man sich an „Goldfinger“, dessen Romanvorlage 1959 erschien. Der Streifen schlug ein wie eine Bombe, wurde zu einem sensationellen Kassenerfolg und läutete die sogenannte Bond-Mania ein. Der Agent mit der Kennnummer 007 wurde endgültig zur Ikone der Popkultur und war fortan der Inbegriff für aufregendes Popcorn-Kino. Noch heute wird „Goldfinger“ als der Film gesehen, der alle wichtigen Elemente vereint, mit denen man die Figur als erstes in Verbindung bringt. Doch welche Faktoren rechtfertigen den Sonderstatus? Viele andere Filme der Reihe haben auch jene Elemente zu bieten und sind teilweise deutlich spektakulärer. Die Antwort ist recht einfach: „Goldfinger“ war der richtige Film, zur richtigen Zeit. Nach dem eher geerdeten Agentenfilm „Liebesgrüße aus Moskau“, präsentiert „Goldfinger“ die Titelfigur mehr als unerschrockener Superheld, denn als einfachen Spion. Es ist diese leichte Überhöhung, die das Publikum begeistert, ohne zu sehr in phantastische Gefilde abzugleiten. Auch die Story wurde zur Blaupause für weitere Filme, wobei diese eigentlich gar nicht so spektakulär ist. Wir haben einen größenwahnsinnigen Bösewicht, dem James Bond das Handwerk legen muss. Kennt man und hat man auch schon über 20mal gesehen. Der Reiz von „Goldfinger“ entsteht aus seiner Zusammensetzung, bei der wirklich alles passt. Das Drehbuch von Stammautor Richard Maibaum und Paul Dehn fokussiert sich dabei auf das Wesentliche und arbeitet die Konfrontation zwischen dem Geheimagenten und dem Bösewicht Auric Goldfinger heraus.

Es sind die geschliffenen Dialoge und erzählerischen Kniffe die diesen Film so unverwechselbar machen. Auch die Figuren haben ein Gewicht, besonders auf der Seite der Frauen. Natürlich ist vieles klischeehaft, aber nur weil es unzählige Male kopiert wurde. Anno 1964 war es frisch und spannend, was da auf der Leinwand vor sich ging. Das Zusammenspiel aus einem charmanten, wenn auch etwas frauenfeindlichen, Helden, einem überlebensgroßen Bösewicht, erinnerungswürdigen Bond-Girls, coolen Gadgets und einer stilsicheren Inszenierung machen „Goldfinger“ zu DEM Bond-Film. Auch die eben erwähnte Regiearbeit von Guy Hamilton gehört mit zum Besten, was die Reihe zu bieten hat. Hamilton hält sich nicht mit Scharmützeln auf und verliert sich nicht in Längen. Statt Wassertreten kommt der Film auf den Punkt und füllt aus, was es auszufüllen gibt. Eine Geschichte wie die von „Goldfinger“ lässt keinen drei Stunden-Schinken zu, sondern ergießt sich hier auf 110 Minuten feinstes Popcorn-Kino. Vom amüsanten Opening, welches die Tradition der Prologe begann, über die interessante Golf-Partie bis hin zum explosiven Finale macht der Film alles richtig. Man kann den Film wirklich als Essenz des Bond-Mythos bezeichnen. So effizient, kurzweilig und anregend war Bond nie wieder und wird es vermutlich auch nie mehr sein. Sean Connery, der hier zum dritten Mal in die Rolle des Helden schlüpft macht auch in diesem Film eine hervorragende Figur und überzeugt als charmanter Frauenverführer, der auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf behält. Damit hat der Schotte seine Tonalität gefunden, die er auch in den nachfolgenden Filmen ausspielen konnte. Ihr merkt, ein Film wie „Goldfinger“ ist schwer zu besprechen, da er so wenig Angriffsfläche bietet und als energiegeladenes Abenteuer-Spektakel nahezu perfekt geraten ist. Das fanden auch die Zuschauer, die scharenweise in die Kinos stürmten. Dazu trug auch die aggressive Werbekampagne bei, in der man erstmals groß angelegtes Merchandise verkaufte und somit das Publikum lockte. Egal ob Kleidung, Düfte oder Spielzeug, Bond war überall. Pures Gold für die Produzenten.

In den nachfolgenden Kategorien gehe ich noch etwas näher auf die einzelnen Elemente ein, die den Film so beliebt machen:

 

„The World is not enough“ – Die Locations!

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern ist „Goldfinger“ weniger exotisch. Statt ausgefallenen Schauplätzen, erscheinen die Locations im Film relativ geerdet. Nach einem Prolog in Südamerika befinden wir uns in einer Hotelanlage in Miami. Danach geht es zur üblichen Auftragsbesprechung mit M nach London. Von dort aus reist Bond schließlich in die Schweiz und zum Schluss befinden wir uns in Kentucky. Gar nicht so spektakulär, jedoch ergänzen die Schauplätze hier die Geschichte und sind nicht nur dazu da, um dem Zuschauer schöne Panoramas zu bieten.  Die reizvollste Location ist die Schweiz mit ihren Bergstraßen, die einige tolle Aufnahmen hervorbringt.

 

„Do you like willd Things, Mr. Bond?“ – Die Bond-Girls!

„Goldfinger“ zeichnet sich auch durch seine guten Frauenrollen aus. Dabei sind vor allem zwei Namen zu nennen: Shirley Eaton und Honor Blackman. Erstere hat lediglich fünf Minuten Leinwandzeit, ist aber in diesen fünf Minuten wesentlich interessanter als viele andere Damen in den späteren Filmen. Ihr Tod ging in die Geschichte ein. Als Leiche, die mit Gold überzogen wurde, ist Shirley Eaton noch heute eines der ikonischsten Bond-Girls. Das eigentliche Highlight ist allerdings Honor Blackman als Pussy Galore. Ein wahnwitziger Name, hinter dem eine starke und ambivalente Frauenfigur steckt. Pussy ist nämlich kein einfaches Betthäschen, sondern eine eigenwillige, selbstsichere und ausdrucksstarke Persönlichkeit, die mit Bond auf Augenhöhe agiert. Zwar arbeitet sie für den Bösewicht, erliegt jedoch bald dem Charme des Agenten, obwohl sie mutmaßlich dem anderen Geschlecht zugeneigt ist. Jedoch weiß Pussy sich zu wehren und etabliert einen Frauentypus, der 1964 noch nicht wirklich auf der Leinwand zu sehen war. Punkt für Pussy!

 

„I expect you to die“ – Die Bond-Schurken!

In dieser Kategorie kommen wir zum größten Prunkstück des Films, dem Bösewicht. Auric Goldfinger gehört zu den beliebtesten Schurken der Reihe, genial verkörpert von Gert Fröbe. Fröbe fiel den Produzenten durch den Krimiklassiker „Es geschah am helllichten Tag“ (1959) auf und wurde prompt für die Rolle des größenwahnsinnigen Goldfingers besetzt. Dabei sprach Fröbe jedoch kaum Englisch und musste in der Originalfassung nachsynchronisiert werden. Das fällt kaum ins Gewicht, da der Schauspieler hier eine absolute Glanzvorstellung abliefert. Zwischen hemmungsloser Gier und akutem Wahnsinn macht die Figur einen Heiden Spaß. Das interessante ist, dass Goldfinger, anders als andere Schurken, keine Ambitionen hat. Er will nicht die Welt beherrschen oder sich mit dem Geheimdienst messen, Goldfinger hat Spaß am Böse sein. Man hat zu jeder Zeit das Gefühl, dass er es genießt seinen Plan umzusetzen und das bis zum äußersten auszukosten. Warum sollte er sonst Bond einen Laser demonstrieren? Warum erläutert er effektvoll seinen Masterplan ein paar Gangstern, wenn er sie sowieso umbringt? Und warum bescheißt er bei einem lächerlichen Kartenspiel? Weil er es nun mal kann! Das macht den voluminösen Bösewicht zum schillernden Star des Films. Wenn Fröbe auf der Leinwand ist, ist man im Film. Grandiose Leistung. Auch sein Handlanger Oddjob wurde zur Kultfigur, dessen Hut einen schnell den Kopf verlieren lässt.

„I never joke about my Work, 007“ – Die Gadgets!

Ebenfalls legendär: Bonds Spielzeuge. Besonders ein Gadget sollte zum Inbegriff der Bond-Welt werden. Der Aston Martin DB5! Der schneidige Wagen war ein wahrer Augenschmaus für die Zuschauer, wurde er doch von Q mit einigen Extras versehen. Ölsprüher, Maschinengewehre, ausfahrbares Schutzschild, Peilsänder oder der beliebte Schleudersitz. Die Modelle verkauften sich damals wie geschnitten Brot und der DB5 wurde zum Kultauto. Nicht umsonst war er in fünf weiteren Bond-Filmen zu sehen. Auch beginnt mit „Goldfinger“ die Hassliebe zwischen Bond und Q, die sich hier erstmals einen verbalen Schlagabtausch liefern.

 

„Let the Music play“ – Der Bond-Song!

Die Kirsche auf dem Eisbecher. Nach „Liebesgrüße aus Moskau“ komponierte John Barry ein zweites Mal den Score für einen Bond-Film. Und erstmals auch einen Titelsong für den Vorspann, der von einem Künstler gesungen wurde. „Goldfinger“ von Shirley Bassey wurde zum weltweiten Hit und versprüht in jeder Silbe die Energie und die Coolness, die der Film in sich trägt. Mit diesem Song begann die Tradition der großen Titelsongs, die von namenhaften Sängerinnen, Sängern oder Bands interpretiert wurden. Auch heute ist „Goldfinger“ immer noch einer der Top-Songs der Reihe.

Fazit:

Sean Connerys dritter Einsatz als Agent im Auftrag ihrer Majestät ist der perfekte Mix aus Action, Dramatik, Witz, Spektakel und dem wohl besten Bond-Bösewicht der Reihe. Eine stilsichere, sowie kurzweilige Inszenierung, eine hervorragende Besetzung und eine leichte Überhöhung machen aus dem Agenten einen globalen Helden, der sein eigenes Genre darstellt. Für mich nicht der beste Bond aber immer definitiv in meiner Top 3!

4,5 von 5 Schleudersitzen