James Bond 007: Im Geheimdienst ihrer Majestät (1969)

GB 1969
mit George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas, Bernard Lee…
Drehbuch: Richard Maibaum, Simon Raven
Regie: Peter R. Hunt
Länge: 142 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Im Urlaub in Portugal kann  Geheimagent James Bond (George Lazenby) die junge Tracy di Vicenzo (Diana Rigg) gerade noch davon abbringen, sich umzubringen. Ihr Vater Draco (Gabriele Ferzetti), ein mächtiger Gangsterboss, macht daraufhin 007 ein Angebot. Er erhält wichtige Informationen über den Aufenthaltsort seines Erzfeindes Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas), wenn er Tracy heiratet. Bond verliebt sich in Tracy und zieht zeitgleich gegen Blofeld zu Felde, der von seiner Festung in den schweizer Alpen heraus einen teuflischen Plan verfolgt. Getarnt als Ahnenforscher gelangt 007 in den Bergkomplex. Doch seine Tarnung fliegt bald auf…

Ja ja, der gute George Lazenby. Ich glaube es gibt kein weiteres Segment im berühmten James Bond-Franchise, über welches schon immer so heftig diskutiert wurde, von Daniel Craigs Beiträgen mal abgesehen. Ich muss in diesem Artikel mal eine Lanze für die australische Eintagsfliege mit der Lizenz zum Töten brechen, der zwar kein überragender Schauspieler ist, sich aber damit rühmen kann in einem der besten Bond-Filme mitgewirkt zu haben. Die Rede ist natürlich von dem 1969 erschienen „Im Geheimdienst ihrer Majestät“, den ich als meinen absoluten Favoriten bezeichne. Ein fantastisches Bond-Abenteuer, welches alle Zutaten besitzt und darüber hinaus noch ein Element sein Eigen nennen kann, was andere Werke der Kult-Reihe vermissen: Emotionen.

Wir befinden uns in den 60er Jahren. Die Verfilmungen von Ian Flemings James Bond-Geschichten finden reißenden Absatz und spülen Millionen über Millionen in die Kassen. Der weltmännische Geheimagent mit einer Vorliebe für Frauen und teuren Lifestyle wird zur Ikone der Popkultur. Alle Frauen wollen ihn, alle Männer wollen so sein wie er, was an einem Mann lag: Sean Connery! Der gebürtige Schotte verkörperte als Erster die Rolle des James Bond, und das mit einer Leistung, die heute noch oft als Beste angesehen wird. Doch 1967, während des Drehs zu „Man lebt nur Zweimal“, verkündet Connery seinen Ausstieg aus der Reihe. Wie soll es nun weitergehen? Richtig, Man braucht einen neuen Darsteller, was zur weltweiten Empörung führte, denn damals war das eine echte Hiobsbotschaft. Heute wissen wir Alle, dass irgendwann ein neuer Darsteller die Rolle des Agenten übernehmen wird, doch damals war es unvorstellbar, dass man einen Sean Connery einfach durch jemand anderes ersetzt. Die Wahl fiel auf das australische Model George Lazenby, der zuvor lediglich in Werbespots mitgewirkt hatte. Er hatte Ähnlichkeit mit Connery und konnte mit einer guten Physis punkten, weshalb er schließlich den Zuschlag bekam. Soviel zur Vorgeschichte, kümmern wir uns mal um den Film! „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ geht mehr zurück zum Realismus. Ohne wahnwitzige Gadgets und Schnickschnack hält der Film sich eng an Ian Flemings Romanvorlage. Man konzentriert sich mehr auf die Figuren, vor allem auf die Liebesbeziehung zwischen Bond und Tracy, was eine Ausnahmeerscheinung in der Reihe darstellt. Hier darf 007 mal echte Gefühle zeigen und lässt nicht nur den Macho raushängen. Was besonders schön ist, ist die Tatsache, dass Tracy mit Bond auf einer Augenhöhe ist. Sie ist kein Hascherl, was fortlaufend beschützt werden muss. Sie kann sehr gut auf sich selber aufpassen und zeigt zu Beginn dem Agenten nur die kalte Schulter. Natürlich knackt James die harte Fassade und es ist schön zu sehen, wie beide zusammen harmonieren. Am Ende wird dann auch geheiratet. Es ist diese Komponente, die dem Film etwas Eigenes gibt und, quasi die Kirche auf einem guten Eisbecher darstellt. Ansonsten bekommen wir ein fantastisches Abenteuer geboten, wo alles drin ist, was drin sein muss. Bond-Girls, ein Bösewicht mit einem teuflischen Plan, eine tolles Setting und wahnsinnig gute Action-Szenen.

Die Story funktioniert gut und bleibt immer spannend. Man hat hier eine atemberaubende Kulisse gefunden, deren Reize gut in Szene gesetzt werden. Hier wird exzellente Kameraarbeit geleistet, denn das Filmteam hat keine Mühen gescheut und filmte aus allen Perspektiven, was sich in den Bergen als umständlich gestaltete. Dies kommt aber gerade in den Action-Szenen zum Ausdruck, denn hier fährt der Film richtig auf. Von harten Schlägereien, wie in der Eröffnungsszene, über halsbrecherische Skiverfolgungsjagden, die Willy Bogner filmte, bis hin zu einer großangelegten Action, in der Blofelds Hauptquartier gestürmt wird. Das ist alles so sorgfältig inszeniert, dass ich immer wieder fasziniert bin. Peter Hunt zeigt Alles, was er über Jahre gelernt hat und wäre der perfekte Regisseur für weitere Bond-Abenteuer gewesen. „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ ist ein fast perfekter Cocktail für Bond-Fans. Einzig die Sache mit dem Schauspieler verschließt den Weg zur Perfektion. George Lazenby macht seine Sache wirklich gut. Er gibt sich sichtlich Mühe, die Rolle gut auszufüllen, nur ist er leider kein sehr guter Schauspieler. Vielleicht hätte er weiter machen müssen, um zu wachsen. In diesem Film bemüht er sich sehr darum, Sean Connery zu imitieren, was aber von den Produzenten gefordert wurde. Lazenby konnte nie seine eigene Tonalität in die Rolle bringen. Klar, seine Dialoge kommen teilweise etwas hölzern rüber, dennoch ist er nicht schlecht und in der Action ist er großartig. In der deutschen Synchronisation fällt das nicht so sehr auf, da Connerys Stammsprecher auch hier zu hören ist. Auch ein Seitenhieb auf seinen Vorgänger, lässt sich Lazenby nicht nehmen. Wenn er Tracy rettet und diese sich aus dem Staub macht, wird das ironisch mit „Das wär dem andern nie passiert“ kommentiert, was sehr lustig ist. Auch sind im Film, und auch im Vorspann, weitere Anspielungen auf die Vorgängerfilme untergebracht. Das Prunkstück in der Besetzung ist ohne Zweifel Diana Rigg, die als Tracy eine grandiose Performance abliefert. Sie spielt mit Bravour die trotzige Gräfin, bis Bond ihr wahre Gefühle entlockt. Die beiden harmonieren gut zusammen, was auch daran liegt, dass Riggs Spiel etwas das von Lazenby kaschiert. Als Bösewicht gibt sich „Kojack“ Telly Savalas die Ehre, der als Blofeld ebenfalls ein Gewinn ist. Er ist dynamisch und greift so auch in Action Szenen ein. Zudem spielt Savalas schön bedrohlich, was sich positiv auf die Spannung auswirkt. Gabriele Ferzetti ist als Draco ebenso schön anzusehen, wie Ilse Steppat als Henchwomen. Die deutsche Schauspielerin ist wunderbar in der Rolle der Irma Bunt und zeigt Bond mal, dass Frauen auch gefährlich sein können. Auch der Score von John Barry ist wieder große Klasse und vor allem das Theme ist ein echter Ohrwurm. Auch Louis Armstrongs „We have all the Time in the World“ gibt dem Soundtrack noch den letzten Schliff und lädt zum träumen ein. Ich halte den Film für den besten Bond-Film und ich hätte mir gewünscht Lazenby hätte noch einen gemacht, vielleicht hätte er damals noch Leute überzeugt, wer weiß. Jedenfalls gehört „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ in jede gute Film- und Bond-Sammlung. Ein spannendes Meisterwerk. Wenn Sean Connery die Hauptrolle gespielt hätte, würde ihn heute wahrscheinlich fast jeder als besten Film der Reihe titulieren.

„Im Geheimdienst ihrer Majestät“, der 6. Offizielle James Bond Film ist ein verkannter Schatz, denn George Lazenbys einzige Vorstellung als Kult-Agent gehört zum Besten was die Reihe zu bieten hat. Tolle Inszenierung, atemberaubende Actionszenen und eine malerische Kulisse, in der die Macher alle Register ziehen. Garniert mit den üblichen Bond-Elementen gibt es noch eine schöne Liebesgeschichte oben drauf. Definitiv mein Lieblingsbond.

[amazon_link asins=’B008JR9DLS,B00AK3S90A’ template=’ProductCarousel’ store=’retrofilmbl07-21′ marketplace=’DE’ link_id=’ffae2c1a-1549-11e7-bbcd-5bc056a701ce’]