James Bond – 007 jagt Dr. No (1962)

Die große “James Bond-Retrospektive” Vol.1

Originaltitel: “Dr. No”
Vereinigtes Königreich 1962
mit Sean Connery, Ursula Andress, Joseph Wiseman, Bernard Lee, Anthony Dawson
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood, Berkely Mather
Regie: Terence Young
Länge: 110 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Der britische Geheimagent James Bond (Sean Connery) wird von seinem Vorgesetzten M (Bernard Lee) nach Jamaika geschickt. Dort soll 007 dem Verschwinden des MI6-Mitarbeiters Strangways auf den Grund gehen  und die Quelle der mysteriösen Energiewellen lokalisieren, welche die Flugbahnen US-amerikanischer Raketen aus Cape Canaveral stören. Nachdem Bond mehreren Anschlägen entkommen kann, stößt er auf die Insel Crab Key und dessen Eigentümer Dr. No (Joseph Wiseman), zu dem alle Spuren führen!

In unserer neuen Retrospektive widmen wir uns einem Kinophänomen, welches seit über 50 Jahren Menschen auf der ganzen Welt begeistert und zu Recht, den inflationären Begriff „Kultstatus“ beinhaltet. Die Rede ist natürlich von dem berühmtesten Geheimagenten der Welt, dessen Erkennungsnummer „007“ zum Markenzeichen für Stil, Männlichkeit, Exotik und Abenteuer avancierte. Wir sprechen über James Bond, dem Mann mit der Lizenz zum Töten, der seit 1962 in, bisher, 24 offiziellen Kinofilmen das Böse bekämpft. In den folgenden Wochen arbeite ich mich durch die Reihe, die neben vielen guten bis sehr guten Filmen auch ein paar Flops beinhaltet. Wie es sich gehört, starten wir am Anfang und werfen einen Blick auf das erste Kinoabenteuer „James Bond – 007 jagt Dr. No“ aus dem Jahr 1962, die Geburtsstunde einer Ikone.

„Ich bewundere ihren Mut, Mr. …?“

„Bond…James Bond!“

Mit diesem Dialog erfolgte die Einführung des Superagenten auf der großen Leinwand. Der Weg dorthin war allerdings lang und beschwerlich. Der Erfinder von Bond war nämlich kein gerissener Filmproduzent, sondern der Schriftsteller Ian Flemming. Dieser erfand die Figur für seinen Roman „Casino Royale“, welcher bereits 1954 erschien und eine Reihe erfolgreicher Bücher nach sich zog. Flemming erkannte früh, dass seine Figur für einen Filmauftritt prädestiniert ist, doch Umsetzungsversuche scheiterten immer wieder, als fast. 1954 erwarb der Produzent und Regisseur Gregory Ratoff die Rechte an dem Buch und machte daraus ein Fernsehspiel für die Anthologie-Serie „Climax“ des amerikanischen Senders CBS. Die Figur des James Bond, hier als Jimmy Bond bezeichnet wird, wurde für diese Adaption amerikanisiert. Es dauerte mehrere Jahre, bis die Rechte an Harry Saltzman gingen, der begeisterter Fan der Bücher war. Dieser tat sich später mit dem Produzenten Albert R. Broccoli zusammen, der die nötigen Verbindungen hatte und Geld beschaffen konnte, um einen Bond-Film zu realisieren. Gemeinsam gründeten sie EON PRODUCTIOS Ltd., unter dessen Dach die Produktion beginnen konnte. Man wählte den Roman „Dr. No“, da dieser die geringsten rechtlichen Hürden beinhaltete. Eigentlich war der Roman „Feuerball“ angedacht, auf dessen Entstehungsgeschichte wir zu einem späteren Zeitpunkt eingehen.

„Dr. No“ ist im Vergleich zu anderen Filmen der Reihe ein sehr einfacher Film und erzählt eine recht schnörkellose Geschichte, die recht vorhersehbar ist. Das soll nicht heißen, dass sonstige Geschichten in der Reihe sehr überraschend wären, jedoch wird dem Zuschauer hier sehr schnell klar wie der Hase läuft. Bond wird erstmal als weltmännischer Gentleman eingeführt, wie wir ihn alle kennen. Wir treffen Bond beim am Spieltisch, beim Baccara, und sehen ihn gewinnen, während er spielerisch und selbstsicher mit Sylvia Trench flirtet, die ihm gegenüber sitzt. Da sie kurze Zeit später leicht bekleidet in seiner Wohnung auftaucht, lernen wir sehr schnell, dass es sich bei Bond um einen Womanizer handelt, dem die Frauen zu Füßen liegen und der sich nicht sonderlich anstrengen muss, um gewünschte Damen ins Bett zu bekommen. Eigentlich muss Bond in besagter Szene zum Flughafen, doch „dafür ist immer Zeit“. Die restliche Handlung folgt den gängigen Motiven des Abenteuer- und Spionagefilms. Bond kommt auf Jamaika an, ermittelt ein bisschen, flirtet ein wenig und schaltet ein paar Gegner aus, die auf recht plumpe Art und Weise versuchen ihn zu beseitigen. Darin liegt etwas die Schwäche von „Dr. No“, denn vieles im Film wirkt etwas glanzlos und zu simpel. Bond braucht nicht wirklich lange um herauszufinden, was mit Strangways passiert ist. Auch spektakuläre Szenen sind wenig vorhanden, was auch daran liegen mag, dass der Film mit lediglich 1 Millionen US-Dollar realisiert wurde, was in heutigen Zeiten, auch für Bond-Verhältnisse, Klimpergeld darstellt. Auch spielt die komplette Handlung auf Jamaika, was untypisch ist, da der Geheimagent sonst immer in mehreren Ländern der Welt unterwegs ist. „Dr. No“ ist ein etwas kleinerer Film, der aber auch seine Vorzüge hat. Der Film schafft es immer wieder Spannung aufzubauen und erweist sich als erstaunlich kurzweilig. Aufgrund der runden Story entstehen keine Längen und die Handlung wird nicht ausgebremst. Gerade die zweite Hälfte des Films, wenn Bond auf Crab Key ankommt, hat ihren besonderen Reiz. Dort trifft er zum ersten Mal, wie auch der Zuschauer, auf Dr. No, der einem mondänen Geheimversteck zuhause ist. Hier verwendet der Film das klassische Bond-Klischee, indem 007 seinem Gegenspieler vorgestellt wird, der ihn prompt zum Essen einlädt und ihm von seinen Plänen erzählt. Hier findet der Film seine optischen Reize, welche aus dem hervorragenden Set-Design von Ken Adam entstehen. Auch inszenatorisch kann man dem ersten Auftritt des Helden nichts vorwerfen. Regisseur Terence Young, der in den 60ern und 70ern einige Euro-Spy und Abenteuerfilme inszenierte, erweist sich als solider Handwerker, der dem Film den richtigen Stil verleiht. Ansprechende Einstellungen und ein Gespür für Stil zeichnen den Film aus, der auch wunderbar die Location einfängt. Sean Connery legt einen glänzenden Auftritt als Hauptfigur hin und gibt hier schon die Tonalität vor, die zum Markenzeichen wurde. Sein Bond ist ein, mit allen Wassern gewaschener, Agent, der seinen Job ernst nimmt, eine gute Kombinationsgabe hat und sehr gut gebildet ist. Wenn es darauf ankommt, tötet er seinen Gegner ohne mit der Wimper zu zucken. Gleichzeitig ist er sehr weltmännisch, kultiviert und außerordentlich charmant. Eine Rolle, die Connery perfekt ausfüllt, da er trotz seines Charmes auch ein kerniges äußeres besitzt.

Andere Darsteller wie Bernard Lee als M und Lois Maxwell als dessen Sekretärin Miss Moneypenny, haben hier ebenfalls ihren ersten Auftritt und sollten der Reihe noch lange erhalten bleiben.  Die deutsche Synchronisation ist etwas überraschend, da Connery hier noch nicht von seinem Stammsprecher Gert Günther Hoffmann gesprochen, der ihm in allen nachfolgenden Bond-Filmen seine Stimme lieh, sondern von Klaus Kindler, den man als deutsche Stimme von Clint Eastwood kennt.

 

In den nachfolgenden Kategorien werfen wir einen Blick auf bestimmte Elemente, die in jedem Film der Reihe zu finden sind.

„The World ist not enough“ –  Die Locations!

Nach einem „Prolog“ in London, verlagert sich die Handlung nach Jamaika, wo der Film auch gedreht wurde. So spielt die Handlung um Kingston herum, sowie auf Dr.Nos Insel Crab Key. Die Lokalitäten sind sehr ansprechend und gut gewählt. So hält sich Bond im Hotel, im Herrenclub oder in einer Bar auf, aber auch Szenen am malerischen Strand bekommt der Zuschauer zu sehen. Auch die Insel glänzt durch tropische Set-Pieces und wirkt authentisch. Dr. Nos Festung ist das Prunkstück und begeistert durch ein kreatives Design. Alles in allem nicht besonders vielfältig aber zufriedenstellend.

 

„Do you like wild things, Mr. Bond?“ – Die Bond-Girls!

Die weibliche Hauptattraktion des Films ist die schweizerische Schauspielerin Ursula Andress als Muschelsammlerin Honey Rider. Sie taucht erst später im Film auf und hat Dr. No in Verdacht, ihren Vater getötet zu haben. Honey Rider ist eine eher schlichte Frauenfigur und passt perfekt in das gängige Schema. Obwohl sie einen starken Charakter zu haben scheint, ist sie Bond schnell verfallen und muss am Ende natürlich gerettet werden. Darüber hinaus hat sie nicht viel zu tun, sieht aber eben wunderbar aus, was die inhaltlichen Schwächen ihrer Figur etwas kaschiert. Weitere weibliche Figuren werden eher klein gehalten. Eunice Gayson als Sylvia Trench dient lediglich zur Einführung Bonds als Frauenverführer und Magnet und darf lediglich zu Beginn auftreten, obwohl wir sie im nächsten Film noch einmal wieder sehen. Als drittes Bond-Girl, mit dem sich der gute James vergnügt, sehen wir Zena Marshall als Miss Taro, welche zur Gegenseite gehört, was zum Gesetz der Reihe wurde. Sie ist lediglich eine plumpe Figur, der wenig Profil gegeben wird, deren Abgang aber recht spaßig ist.

„I expect you to die“ – Die Bond-Schurken!

Hauptantagonist des Films ist Dr.No, gespielt von Joseph Wiseman. Dr. No gehört zu den klassichen Bond-Schurken, die als größenwahnsinnige Super-Bösewichte gezeichnet sind. Dr. Nos Motiv ist allerdings etwas schwach. Er versucht die Raketenstarts aus Cape Canaveral zu stören, da ihn die Geringschätzung seiner wissenschaftlichen Fähigkeiten zu stören scheint. Trotz der inhaltlichen Schwäche ist No eine einprägsame Figur, die durch ihre Metallhände einen gewissen Erkennungswert hat. Er gehört für mich nicht zu den besten Bösewichten, rundet aber den Film ganz gut ab. In der englischen Originalfassung stellt sich Dr.No als Mitglied der Verbrecherorganisation SPECTRE vor, was dem informierten Fan verdeutlicht, dass es ich ja eigentlich um einen Unterbösewicht handelt. Die deutsche Synchronisation macht aus ihm den Anführer des Organisation G.O.F.T.E.R., welche inhaltlich, sowie im Bond-Kanon nicht existiert. Als Henchman tritt Anthony Dawson als Professor Dent auf, der als wunderbar schmieriger Bösewicht funktioniert und von dem ich gerne mehr gesehen hätte. Alles in Allem gehen die Villains durchaus in Ordnung.

 

„I never joke about my Work, 007“ – Die Gadgets!

Im ersten Bond-Film fallen die berühmten Gadgets noch recht mager aus. Zu Beginn bekommt Bond von Major Boothroyd seine legendäre Walther PPK überreicht. Ein weiteres Gerät, welches 007 bekommt ist ein handelsüblicher Geigerzähler. Die bekannte Figur Q wird hier mit dem eben erwähnten Namen bezeichnet und von Peter Burton gespielt. Desmond Llewelyn übernahm diese Rolle erst im nächsten Film und sollte ihr 36 Jahre lang erhalten bleiben.

 

„Let the Music play“ – Der Bond-Song!

Zu jedem Bond-Film gehört auch ein eingängiger Titelsong, der jeweils von renommierten Musikern präsentiert wird. Im Falle von Dr.No beschränkt sich dies noch auf ein instrumentales Stück, welches von Monty Norman komponiert wurde und als „James Bond Theme“ Geschichte schrieb. Das eingängige und energiegeladene Stück wurde zur Erkennungsmelodie der Figur und wird in jedem Film bis heute verwendet. Eigespielt wurde es von John Barry und seinem Orchester, der danach für viele weitere Filme der Reihe als Komponist arbeitete. Ein weiteres bekanntes Stück ist „Under the Mango Tree“, welches mehrmals zu hören ist und von Honey Rider sogar am Strand gesungen wird.  

Fazit:

„James Bond – 007 jagt Dr. No“ (1962) ist ein gelungener Einstand des berühmten Geheimagenten. Gut inszeniert, kurzweilig und mit einigen spannenden Momenten versehen überzeugt das 007-Debüt als schnörkelloser Agenten-Film, der auch ohne Over-the-Top Momente auskommt. Ein angemessener Bösewicht und eine schönes Bond-Gils runden das Paket ab und machen den Film nicht zum besten Bond-Abenteuer, siedeln es aber im gehobenen Durchschnitt an.

 

3,5 von 5 giftigen Spinnen