James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau (1963)

Die große “James Bond-Retrospektive” Vol.2

Originaltitel: “From Russia with Love”
Vereinigtes Königreich 1963
mit Sean Connery, Daniela Bianchi, Robert Shaw, Pedro Armendáriz, Lotte Lenya, Bernard Lee…
Drehbuch: Richard Maibaum, Johanna Harwood
Regie: Terence Young
Länge: 115 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

James Bond (Sean Connery) erhält einen besonderen Auftrag. Die russische Dechiffrier-Spezialistin Tatiana Romanova (Daniela Bianchi) hat sich in ein Foto des Agenten verliebt und bietet dem MI6 eine wertvolle Dechiffriermaschine, wenn Bond sie aus Istanbul heraus holt. In der Annahme es handele sich um eine Falle, reist 007 doch in die Türkei, da die Maschine sehr wertvoll für den britischen Geheimdienst wäre. Und tatsächlich befinden sich die Protagonisten in einer Intrige der gefährlichen Verbrecherorganisation S.P.E.C.T.R.E., welche Russen und Briten gegeneinander ausspielen und auch noch eine persönliche Rechnung mit Bond offen haben.

Wir schreiben das zweite Kapitel unserer Retrospektive, über den beliebtesten Geheimagenten im Dienste ihrer Majestät. Und weil wir auf Chronologie setzen, beschäftigen wir uns selbstredend mit Sean Connerys zweitem Einsatz als James Bond. Dieses Mal folgen wir 007 nach Istanbul und erörtern, warum „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) der Bond-Film ist, den diejenigen gut finden, die mit Bond ansonsten nicht viel anfangen können.

1962 schlug „Dr. No“ ein wie eine Bombe. Die Kinozuschauer waren von dem Mix aus Action, Abenteuer und Exotik äußerst angetan, weshalb eine Fortsetzung schnell beschlossene Sache war. Man entschloss sich, den Roman „Liebesgrüße aus Moskau“ zu verfilmen, da dieser zur damaligen Zeit hoch im Kurs stand, letztendlich durch das Lob des damaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, der den Roman unter seinen zehn Lieblingsbüchern einreihte. „Liebesgrüße aus Moskau“ gehört zu den beliebtesten Bond-Filmen, da er gänzlich andere Wege als der Vorgänger geht und sich auch von den nachfolgenden Beiträgen abhebt. Der Film erzählt eine eher geerdete Geschichte, die sich mehr am klassischen Spionagefilm orientiert und deutlich auf Größenwahn und den, für Bond bekannten, Gagaismus verzichtet. Bond bekommt den Auftrag nach Istanbul zu reisen, um mit Hilfe der Russin Tatiana Romanova eine Deschiffriermaschine in den Besitz des MI6 zu bringen. Dem Geheimdienst ist schnell klar, dass es sich um eine Falle der Sowjets handeln muss. Dabei übersehen die Beteiligten, dass sie sich in einer Intrige der Verbrecherorganisation SPECTRE befinden, die beide Parteien gegeneinander auszuspielen versucht. Mit dieser Handlungskonstruktion schafft „Liebesgrüße aus Moskau“ einen sehr guten Spagat. Zum einen, mutet die Geschichte komplex an und bietet Spielraum für Verwicklungen, Täuschungen und intensive Spannungsszenen. Zum anderen stricken die Autoren sie so, dass sie nicht verwirrend und ist und wunderbar für ein Massenpublikum funktioniert. So hat man das Gefühl, eine ausgeklügelte Handlung zu konsumieren, ohne jemals den Faden zu verlieren. Ein Umstand, der den Produzenten und Drehbuchschreibern nicht immer geglückt ist. So beleuchtet der Film erst einmal die Gegenseite um SPECTRE-Mastermind Ernst Stavro Blofeld, sowie deren Pläne, bevor wir nach gut über 20 Minuten das erste Mal auf James Bond treffen. So bekommt der Zuschauer einen detaillierten Blick auf die Ausgangsituationen, in denen SPECTRE seine Schachfiguren in Position bringt. Danach wird der Plot straff durcherzählt, ohne große Umwege zu gehen. Hier zeigt der Film seine große Stärke, denn der zweite Bond-Streifen ist erstaunlich geradlinig, verzichtet auf alberne Scharmützel und konzentriert sich auf das Wesentliche. Gerade das einleitende Drittel in Istanbul veranschaulicht den Alltag im Spionage-Geschäft. Es wird observiert, gelauert, abgehört und entwischt, was mehr der Realität näher kommt, als es in den Filmen mit Roger Moore oder Pierce Brosnan der Fall ist. Ebenfalls förderlich für die Spannung, ist der Wissensvorsprung des Zuschauers, der von Anfang an über die Pläne von SPECTRE Bescheid weiß und so sehr schön mitfiebern kann, wenn Bond den nächsten Schritt gehen muss. Diese Spannung entlädt sich in wunderbar gefilmten Actionszenen, die auch 55 Jahre später ihre Reize haben. Besonders das letzte Drittel gleicht einer Achterbahnfahrt, die im Kontrast zum eher ruhigen Rest des Films steht. Angefangen mit der spannenden Begegnung zwischen Bond und dem Killer Grant, gefolgt von dem kultigen Kampf im Orient-Express, über die Helikopterattacke, bis hin zur Verfolgungsjagd mit dem Motorboot. Hier trumpft „Liebesgrüße aus Moskau“ geschickt auf, weiß zu fesseln und verfällt nie in realitätsferne Albernheiten. Einen großen Beitrag für diesen geglückten Film, ist, neben dem Drehbuch, die Regie von Terence Young, der nach „Dr. No“ einen zweites Mal für Albert R. Broccoli und Harry Saltzman auf dem Regiestuhl Platz nahm. Youngs eleganter Stil erweist sich als fördernd für den Film. Gerade in den Actionszenen, wie der Kampf im Zigeunerlager, ist der Film effektiv und dynamisch inszeniert. Prunkstücke sind zweifelsohne der Kampf im Orient-Express und die Helikopter-Szene, die eine eindeutige Referenz an Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ (1958) darstellt. Young hält die Zügel fest in der Hand und erweist sich auch, wie bereits in „Dr.No“, als guter Regisseur für schöne Bilder. Die Kulisse Istanbuls sorgt für schöne Szenen, welche die fernöstliche Kultur gekonnt einfangen und, mit ihren verwinkelten Gassen, gut zur Agenten-Story passt. Große Pluspunkte für Sean Connerys zweiten Leinwandauftrag, jedoch hat auch „Liebesgrüße aus Moskau“ ein paar Schönheitsfehler, besonders wenn man es aus der heutigen Sicht sieht. So erweisen sich die Szenen im Zigeunerlager als sehr antiquiert, auch im Jahr 1963, und wirken dann doch sehr platt. Auch Connerys Figur macht sich nicht immer alle Ehre, erscheint er doch wesentlich misogyner als im Vorgänger. So darf er der gutmütigen Tatiana auch einfach mal ins Gesicht schlagen und sie an der kurzen Leine halten. Natürlich ist Connery wieder gewohnt charismatisch und macht einen sehr guten Job. Man nimmt ihm die Rolle einfach ab. Anders sieht es bei Daniela Bianchi aus, die als Tatiana Romanova zu sehen ist, die eigentlich für Rosa Klebb arbeitet aber auf Bond steht. Ihre Figur repräsentiert das typische Bond-Girl Klischee. Sie agiert ohne freien Willen und ordnet sich dem Agenten unter, ohne auch nur einen Funken von Selbstbewusstsein. Zu Bonds Verbündeten gehört Ali Kerim Bay, gespielt von dem mexikanischen Schauspieler Pedro Armendáriz. Dieser ist als türkischer Freund eine Glanzvorstellung geglückt, wenn man bedenkt, dass Armendáriz während der Dreharbeiten an Krebs im Endstadium litt und nur seine Szenen fertig drehen konnte, da man den Drehplan für ihn änderte. Noch vor Kinostart nahm er sich das Leben. Zum Zweiten Mal sind Bernard Lee und Lois Maxwell als M und Miss Moneypenny zu sehen, die ab diesem Film zum Inventar gehörten. Zum ersten Mal begegnen wir auch Desmond Llewelyn, der als Q seinen Einstand hat, obwohl er hier noch als Major Boothroyd vorgestellt wird, und Bond mit seinem ersten Gadget versorgt.

 

In den nachfolgenden Kategorien werfen wir einen Blick auf bestimmte Elemente, die in jedem Film der Reihe zu finden sind.

 

„The Worls is not enough“ – Die Locations!

Istanbul stellt den zentralen Handlungsort dar und erweist sich als gut gewählte Kulisse für spannende Szenen am Bosporus. Zudem ist die türkische Metropole interessant und der Film gewährt Einblick in die Kultur. Auch der Orient-Express, in dem sich ein Teil der Handlung abspielt, funktioniert als klaustrophobische Location und trägt viel zum Kampf zwischen Bond und Grant bei, der dadurch noch wesentlich härter daherkommt. Zum Schluss befinden wir uns in Venedig, ein schöner Augenschmaus.

 

„Do you like wild things, Mr. Bond?“ – Die Bond-Girls!

Bei den Bond-Girls sieht es etwas mager aus, was einer der wenigen Schwachpunkte des Films darstellt. Daniela Bianchi ist hübsch anzusehen aber stellt lediglich das klischeebehaftete Weibchen dar, welches Bond untergeordnet ist. Eine Stärke der Figur ist nicht erkennbar und somit ist Tatiana Romanova eine eher Vergessens werte Gespielin. Ein Wiedersehen gibt es mit Sylvia Trench aus dem Vorgänger, welches aber ebenso kurz ausfällt. Daher eher eine maue Schau in den weiblichen Gefilden.

„I expect you to die“ – Die Bond-Schurken!

Erstmals zeigt der Film innerhalb der Reihe die Hintermänner der Organisation SPECTRE. Bereits hier erhaschen wir einen Blick auf Ernst Stavro Blofeld, von dem wir lediglich die Hände auf der weißen Katze zu sehen bekommen. Er bleibt als Chef im Hintergrund und hat nichts mit der Handlung direkt zu tun, da er lediglich Befehle erteilt. Hier bemerkt man schon, dass man quasi eine eigene Mythologie anstrebte, da dies in „Feuerball“ (1965) fortgesetzt wurde. Hauptantagonistin ist Rosa Klebb, gespielt von Lotte Lenya, ehemalige Leiterin des sowjetischen Geheimdienstes, die jetzt für SPECTRE arbeitet, in der deutschen Synchronisation als PHANTOM betitelt. Sie hat eine furchteinflößende Präsenz und überzeugt durch ihre Diabolik und Härte. Der eigentlich interessantere Bösewicht ist Donald „Red“ Grant, gespielt von Robert Shaw. Er ist mit Bond auf Augenhöhe und ein ebenso gebildeter Killer. Er sorgt für reichlich Spannung und ist für mich einer der besten Bösewichte im 007 Kanon.

 

„I never joke about my Work, 007“ – Die Gadgets!

Nachdem Bond in „Dr.No“ seine Walther PPK bekam, können wir in „Liebesgrüße aus Moskau“ das erste richtige Gadget erblicken, welches passenderweise von Desmond Llewelyn überreicht wird, der die Rolle des Q bis zu seinem Tod spielen sollte. Bei der Ausrüstung handelt es sich um einen Aktenkoffer, der ein zerlegbares Gewehr mit Schalldämpfer, ein Springmesser, Munition, Goldmünzen und eine Tränengasladung in einer Pulverdose enthält, welche losgeht sobald man den Koffer auf konventionelle Art öffnet. Ein eher geerdetes Gadget, welches durchaus sinnvoll ist und Bond das Leben rettet. Effektiv und clever, gut gemacht Q.

 

„Let the Music play“ – Der Bond-Song!

Erstmals war John Barry für den kompletten Score zuständig und komponierte einen großartigen Soundtrack. Als Main Theme fungiert die Nummer „From Russia with Love“, gesungen von Matt Monro, welches aber erst im Abspann ertönt. In den Opening-Credits, welche übrigens fantastisch aussehen, bekommen wir eine Instrumental-Version zu hören. Der Song ist eine Ballade und sehr kitschig. Er geht ganz gut ins Ohr, ist aber ein eher untypischer Bond-Song. Als Instrumental, in Verbindung mit dem Bond-Thema, funktioniert er besser.

Fazit:

Sean Connerys zweiter Einsatz im Geheimdienst ihrer Majestät ist ein hervorragender Film, der durch seine Geradlinigkeit und seinen Spionageelementen, eher ein klassischer Agententhriller ist, als ein klassischer Bond. Gerade deshalb ist er besonders bei Menschen beliebt, die mit den realitätsfernen Abenteuern nicht so viel anfangen können. Schöne Locations, ein gut aufgelegter Connery, Spannung, gute Actionszenen und fiese Bösewichte machen den Film zu einem der besten Beiträge der Reihe.

 

4 von 5 Uhren mit eingebauter Drahtschlinge!