James Bond 007 – Man Lebt Nur Zweimal (1967)

Die große “James Bond-Retrospektive” Vol.5

Originaltitel: “You Only Live Twice”
Vereinigtes Königreich 1967
mit Sean Connery, Akiko Wakabayashi, Donald Pleasence, Karin Dor…
Drehbuch: Roald Dahl
Regie: Lewis Gilbert
Länge: 117 Minuten
FSK: ab 12 Jahren

Als eine amerikanische Raumkapsel mitten im Kalten Krieg plötzlich vom Radarschirm verschwindet, fällt der Verdacht naturgemäß sofort auf die sowjetische Konkurrenz. Ein Atomkrieg zwischen den USA und der UdSSR steht kurz bevor. Was die Repräsentanten der Großmächte nicht ahnen: Der größenwahnsinnige SPECTRE-Chef Ernst Stavro Blofeld (Donald Pleasence), der sich heimlich in einem Vulkan auf einer japanischen Insel eingenistet hat, versucht, beide Nationen gegeneinander auszuspielen, um einen Krieg zu provozieren. James Bond (Sean Connery) reist nach Japan und gemeinsam mit dem Leiter des hiesigen Geheimdienstes Tiger Tanaka (Tetsuro Tamba) kommt er einem Chemiekonzern auf die Spur, welcher Blofeld mit der nötigen Ausrüstung versorgt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, bevor der Bösewicht seinen Plan vollenden kann.

Im fünften Teil unserer „James Bond-Retrospektive“ befinden wir uns an einem Wendepunkt im berühmten Agenten-Franchise. Nicht nur entwickelte sich die Reihe mit „Man lebt nur zweimal“ (1967) erstmals in überhöhte Gefilde, der Film stellt auch den letzten guten Connery-Bond dar, der hier seine, vorläufige, Abschiedsvorstellung gibt. Das, von Lewis Gilbert inszenierte, Agenten-Abenteuer ist sicher nicht das Beste im, mittlerweile 24 Filme umfassenden, Bond-Kanon, macht aber auch über 50 Jahre später immer noch großen Spaß. Also, auf geht’s nach Japan!

Die Produktion von „Man lebt nur zweimal“ ging dieses Mal eher reibungslos über die Bühne und war nicht von Rechtsstreitigkeiten wie im Fall von „Feuerball“ (1965) geplagt. Eigentlich wollten die Produzenten den Roman „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ verfilmen, jedoch war es die falsche Zeit, um nach einer winterlichen Location zu suchen. Zusätzlich wollte man den Kinostart halten, weswegen man eine andere Vorlage verwenden musste. Dieses Mal wich man allerdings erheblich vom Stoff ab, da diverse Elemente, die Ian Fleming in seinem Roman beschrieben hatte, nicht gegeben waren, zum Beispiel ließ sich kein Schloss in Japan finden, welches direkt am Meer lag. Der berühmte Schriftsteller Roald Dahl, der für das Drehbuch verantwortlich war, entwickelte seine eigene Geschichte. Im Endeffekt bestand die einzige Gemeinsamkeit zwischen Buch und Film aus ein paar Figuren und dem Titel. Statt einer geerdeten Agenten-Story wie in „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963), welche man noch in Grundzügen bei „Goldfinger“ (1964) und „Feuerball“ (1965) erkennen konnte, bekamen die Zuschauer dieses Mal eine Geschichte geboten, die vollends in phantastische, eigentlich schon comic-artige, Gefilde abglitt. In „Man lebt nur zweimal“ verschwinden amerikanische Raumkapseln, da sie von einem unbekannten Flugobjekt entführt wurden. Die US-Amerikanische Regierung gibt den Russen die Schuld aber als auch deren Raumkapsel verschwindet, stehen die beiden Mächte vor einem Krieg. In Wirklichkeit steckt die sinistere Verbrecherorganisation SPECTRE hinter den Vorkommnissen, die von China bezahlt wird um einen dritten Weltkrieg zu provozieren. Der MI6 entsendet James Bond, der vorher seinen Tod vorgetäuscht hat, nach Japan, um dort unbehelligt zu ermitteln. Mit Hilfe des japanischen Geheimdienstes kommt 007 bald SPECTRE auf die Spur, die ihre Operationen aus einem ausgehüllten Vulkan heraus leiten. Wer noch keinen klassischen Bond-Film gesehen hat, dürfte jetzt womöglich mit dem Kopf schütteln, denn die Handlung klingt auf dem Papier doch ziemlich abgefahren aber das waren nun mal die späten 60er Jahre. Die Bond-Filme waren große Kassenerfolge auf der ganzen Welt und man musste immer einen drauf setzen. Logik und guter Thrill weichen hier Überzeichnung, Gagaismus und Absurditäten. Damit wäre auch die größte Schwäche des Films enttarnt, das Drehbuch! Roald Dahl setzt auf den bewehrten Cocktail aus Gadgets, Stunts und einem Hauch Erotik, und gestaltet das fünfte Bond-Abenteuer eher als Nummernrevue anstatt als ernstzunehmenden Agenten-Film, was man einigen Figuren und Handlungselementen anmerkt.

So wirken Nebencharaktere, wie der von Teru Shimada gespielte Mr.Osato, auffallend blass und lediglich zweckdienlich, und auch die Nebenhandlung, die sich um Bonds Scheinhochzeit dreht, wird lieblos ab gefrühstückt und ist in Gänze doch eher lächerlich, denn Sean Connerys Transformation zum japanischen Fischer sorgt lediglich für leidliches schmunzeln. „Man lebt nur zweimal“ steht eher in der Tradition der 70er Jahre, die an Gigantomanie noch deutlich zulegten, wie im Fall von „Der Spion, der mich liebte“ (1977) oder „Moonraker“ (1979). Das klingt jetzt vielleicht reichlich negativ, jedoch werden die Schwächen elegant ausgemerzt, was Regisseur Lewis Gilbert zu verdanken ist. Der britische Regisseur, der noch zwei weitere Male zum Einsatz kommen sollte, inszeniert das Drehbuch als fulminantes Action-Abenteuer in derart präziser Art und Weise, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, dass das Ganze eigentlich grober Unfug ist. Das ist dann zwar immer noch recht campy, macht aber einen großen Spaß. Wunderbar amüsante Einfälle, wie Tiger Tanakas Abschleppdienst, Bonds Hubschrauberflug oder die Vulkanbasis mit eingebauter Raketenstartbahn, mondäner Schurkenbehausung mit Piranha Becken oder Ninja-Szenen, paaren sich mit gut gemachten Action-Sequenzen und typischen Bond-Momenten. Sean Connery darf wieder seinen unverwechselbaren Charme sprühen lassen und überzeugt als weltmännischer Superheld, der immer Zeit für etwas Zweisamkeit hat. Allerdings geht Dieser mit etwas weniger Esprit als gewohnt zu Werken, denn für den Schotten war es der vorerst letzte Auftritt als berühmter Geheimagent. Connery war dem ständigen Rummel und auch der Rolle überdrüssig und wollte als Schauspieler neue Wege gehen, weshalb er noch während der Dreharbeiten verkündete, dass „Man lebt nur zweimal“ sein letzter Bond-Film sein würde. Dazu trugen auch Meinungsverschiedenheiten mit den Produzenten Broccoli und Saltzman bei, die, obwohl die Filme immer erfolgreicher wurden, den Schauspieler immer mit der gleichen Gage abspeisten. So musste die Rolle umbesetzt werden aber darum kümmern wir uns beim nächsten Mal. Aber auch in diesem Film gibt es natürlich ein Wiedersehen mit alten Bekannten, wie Bernard Lee als M, Lois Maxwell als Moneypenny und auch Desmond Llewelyn darf Bond in Japan besuchen, um ihn auszurüsten. Ebenfalls lüftet „Man lebt nur zweimal“ das Geheimnis um den umtriebigen SPECTRE-Chef, worauf Fans schon Jahre gewartet hatten, aber dazu kommen wir gleich.

In den folgenden Kategorien gehen wir genauer auf einzelne Bestandteile ein!

 

„The World is not enough“ – Die Locations!

Während sich das letzte Bond-Abenteuer auf den sonnigen Bahamas abspielte, führt uns der Film dieses Mal nach Japan. Die komplette Handlung spielt sich dort ab und sogar M und Moneypenny nehmen den Agenten dort in Empfang, in einem U-Boot vor der Küste. Die Location erweist sich als optisch durchaus reizvoll, so wie immer, wenn sich der Agent in fremden Kulturen wiederfindet. Prunkstück des Films ist allerdings das Hauptquartier von SPECTRE in einem Vulkan, welches eine wahre Augenweide ist. Dieses wurde von Production-Designer Ken Adam in den Pinewood Studios gebaut und gehört zu den aufwendigsten Bauten in der Geschichte der Reihe. Ganze eine Millionen US-Dollar verschlang die Konstruktion. Somit geizt der Film nicht mit Schauwerten, die immer wieder beeindruckend sind.

 

„Do you like willd Things, Mr. Bond?“ – Die Bond-Girls!

Auf der Seite der Frauen sieht es etwas durchwachsener aus. In „Man lebt nur zweimal“ sind die Bond-Girls natürlich japanischer Herkunft, jedoch eher flach gezeichnet, ohne große Persönlichkeit. Das gilt sowohl für Akkiko Wakabayashi als auch für Mie Hama, die auffallend wenig Profil besitzen. Den größten Eindruck hinterlässt die deutsche Schauspielerin Karin Dor, die in den 60er Jahren zu den größten weiblichen Kinostars unseres Landes zählte. Sie zeigt als mörderische Femme Fatale Helga Brandt eine wohltuende Präsenz, auch wenn ihre Leinwandzeit etwas kurz ausfällt. Dafür legt sie mit ihrem Sturz in ein Becken voller Piranhas einen schönen Abgang hin.

 

„I expect you to die“ – Die Bond-Schurken!

„Man lebt nur zweimal“ hat das Problem, dass einzelne Nebenbösewichte eher blass ausfallen, was aber auch den Grund hat, dass ein Mann alles überragt. Der Film löst endlich das Geheimnis um den größten Bond-Gegner aller Zeiten. Zum ersten Mal stellt sich Ernst Stavro Blofeld vor, den wir in früheren Filmen immer nur im Ansatz sehen konnten, wenn er seine weiße Perserkatze streichelte. Hier wird er von Donald Pleasence gespielt, der eine wunderbare fiese Ausstrahlung hat und seinem Status als Nummer 1 von SPECTRE alle Ehre macht. Neben Auric Goldfinger der wohl erinnerungswürdigste Schurke, dessen Antlitz in die Popkultur einging. Blofeld wurde zum Inbegriff des Superbösewichts und erhielt in Gestalt des Dr. Evil, gespielt von Mike Myers, in den „Austin Powers“-Filmen eine äußerst gelungene Parodie.

„I never joke about my Work, 007“ – Die Gadgets!

Die Liste der Gadgets fällt in diesem Film etwas schmaler aus. Bond benutzt lediglich einen elektronischen Safeknacker und bekommt zum Schluss von Tiger Tanaka explosive Zigaretten geschenkt. Dafür gibt es im Film das eine Supergerät, welches Q persönlich nach Japan bringt, einen Ein-Mann-Kampfhubschrauber, der auf den Namen „Little Nellie“ hört. Ausgestattet mit Rakten, Maschinengewehren, Rauchwerfern und Luftminen eine der berühmtesten Erfindungen des exzentrischen Quartiermeisters, welche auch in einer spektakulären Action-Szene in Gänze zum Einatz kommt!

 

„Let the Music play“ – Der Bond-Song!

Wie schon in den vorherigen Filmen war John Barry für den Score verantwortlich. Den Titelsong „You only live twice“ sang die berühmte Nancy Sinatra. Der Song verbindet Elemente der asiatischen Folklore mit den bewehrten Barry-Arrangements und betört durch die tolle Stimme Sinatras. Ein eher ruhiger Song, bei weitem nicht so wuchtig wie „Thunderball“ von Tom Jones, der zu den schönsten 007-Themes zählt.

 

Fazit:

„James Bond 007 – Man lebt nur zweimal“ (1967) ist abgehoben. Statt straighter Agenten-Story kommt Bond dort an, wo die Roger Moore-Filme anknüpfen. Der Film ist überzeichnet und geizt nicht mit absurden Einfällen, die aus einem Comic stammen könnten. Das hat zur Folge, dass die Handlung etwas löchrig wirkt und Nebenfiguren verblassen. Der Fokus liegt ganz auf Action und Schauwerten. Allerdings wurde dies so grandios unterhaltsam in Szene gesetzt, dass man über die Schwächen hinwegsieht und zwei Stunden einen großen Spaß hat, wenn Bond die Welt retten muss. Man kann den Film mögen oder auch nicht, ich jedenfalls mag ihn sehr gerne und hatte beim erneuten Sehen eine gute Zeit!

 

4 von 5 explosiven Zigaretten!