Johnny Legends: William S. Boroughs

JOHNNY’S LEGENDS – EPISODE 4
☆William S. Boroughs☆

Wie passt das alles zusammen?

Diese Frage und andere konträre Einschätzungen prallen auf den interessierten Konsumenten, wenn er sich mit William S. Burroughs beschäftigt. Dabei lässt sich der verschrobene Sonderling bis heute, auch über seinen Tod Mitte – Ende der Neunziger Jahre hinaus, in keine Schublade packen, sei sie auch noch so groß und stilübergreifend.

Stil ist bereits so ein streitbares Stichwort. Was für die einen blanke, vor Fäkalsprache nur so strotzende, lyrische Provokation und No-Go ist, stellt für die anderen wichtige, unverblümte Gesellschaftskritik dar, sodass man leicht geneigt ist, sich als Fan Burroughs’ zu bezeichnen, nur dass dies nie im Sinne des alternativen Eigenbrötlers, mit ‘All-Time-Rebellen-Bibel’, genannt “Naked Lunch”, im Gepäck, gewesen wäre.

Vielmehr wurde er von allerlei Gruppierungen zum ungewollten Messias ausgerufen, besonders hervorzuheben seien sein unfreiwilliger Antrieb der schwulen Freiheitsbewegung und das Stilisieren als ‘Übervater’ der Beat-Generation, aus deren Auswüchsen ganz besonders die in den Siebzigern und Achtzigern aufkeimende Punk-Rock-Bewegung ihre Lehren zog und sich plötzlich Zitate und bildend-künstlerische Werke Burroughs in Liedtexten und Albumcovern wiederfanden. Künstler wie Sonic Youth, Iggy Pop und Jello Biafra nennen und verehren William S. Boroughs als vorherrschende und primäre Ispirationsquelle.

Doch genauso wie zum Beispiel die “Ramones” bereits ‘Punk’ waren, bevor es überhaupt ‘Punk-Rock’ gab, stand auch der “kauzige, alte Mann” stets über den Dingen, welche ihn zwar tangierten, ihm aber nie ihren zu 100%-prägenden Stempel aufdrücken konnten.

Diese Aura eines Ausserirdischen führt zurück zu “Naked Lunch”. Die unstrukturierten, drogengeschwängerten Auswüchse des Wahnsinns, welche William auf Papier bannte, galten lange Zeit als unverfilmbar. David Cronenberg fasste sich 1991 (s)ein Herz des Skurillen und Abartigen, welches ihm wohl schon immer innewohnte, und schuf mit seiner Version ein eigenständiges Produkt, welches sich aber trotzdem stilgebend und stringent-regelmäßig vor der großen Vorlage verneigt und nebenbei noch “Robocop” Peter Weller glänzen ließ.

Burroughs lobte seinerzeit Cronenbergs Version kurz, knapp und für seine Verhältnisse (zu) anständig, denn das “Alien” war diesem Thema wieder längst entwachsen und machte in diesen, häufigen Momenten einfach wieder und wieder Folgendes, nämlich was ganz Anderes, wie beispielsweise “Shotgun-Painting” oder exzessive, drogengeschwängerte Selbstversuche. Es ging sogar soweit, dass er den für alle (freiwilligen) Konsumenten generell-individuellen Drogenrausch sowie daraus entstehende, inspirierende “Erleuchtungen” als festen Bestandteil der Kunst etablieren wollte. Hier zeigte sich auch der ‘Schandfleck’ seines Lebens in größtmöglicher, schicksalhafter Brutalität, als Burroughs unter Drogeneinfluss bei einem für ihn typischen, spontanen “Wilhelm-Tell-Spiel” (auch Bestandteil von “Naked Lunch”) seiner damaligen Lebensgefährtin anstatt des Apfels vom Kopf, eben diesen vom Hals schoss. Der glühende und bekennende Waffennarr habe sich diese Tragödie zeitlebens nie verziehen und wurde wohl gerade in seinem letzten Lebensabschnitt immer stiller, scheuer und introvertierter, was wohl auch Wahnsinn und ungezügelt-substantiellem Konsum geschuldet war und ihn letztlich höchstwarscheinlich in den Freitod trieb.

Fans sowieso, und Unwissend-Interessierten sei an dieser Stelle der herausragende und sehr ausführlich strukturierte Dokumentarfilm “A Man Within” ans Herz gelegt.

William S. Boroughs bleibt in den Köpfen derer an der Popkultur Interessierten für alle Zeiten das “Rasiermesser des Mainstream”, scharfzüngig und unangepasst ruht er schon lange, weder im “Himmel”, noch in der “Hölle”, sondern auf dem Gipfel der Provokation.

Wie passt das alles zusammen?

Gar nicht – und das ist auch gut so! Danke dafür, William S. Burroughs…R.I.P.