Joshua Tree (1993)

Wir befinden uns in der wüstlichen Einöde um Joshua Tree. Der ehemalige Rennfahrer Barett (Dolph Lundgren) verdient sich mit dem Transport von Luxuswagen seine Brötchen. Nach einer Polizeikontrolle, in der ein Officer und Baretts Partner den Tod finden, wird er infaftiert. Bei einer Überstellung in ein anderes Gefängnis gelingt Barett die Flucht. Mit einer, aus der Not heraus mitgenommenen, Geisel (Kristian Alfonso) versucht er seinen Häschern zu entkommen. Unter ihnen befinden sich Lieutenant Severance (George Segal) und sein Partner Rudicell (Beau Starr), die andere Ziele verfolgen, nähmlich Barett zu erledigen. Eine explosive Hetzjagd beginnt!

Der schwedische Hüne Dolph Lundgren zählt sicher nicht zu den profiliertesten Schauspielern, jedoch hat der B-Star in den späten 80ern und frühen 90ern einige unterhaltsame Action-Filme abgeliefert. Der 1993 erschienene „Joshua Tree“ bildet da keine Ausnahme. Unter der Regie des Stuntkoordinators Vic Armstrong, bläst Dolph zum Angriff und setzt sich gegen skrupellose und korrupte Polizisten zu Wehr. Der Film wird oft als das Beste Werk des schwedischen Hau drauf-Rabauken bezeichnet. Zwar ist „Joshua Tree“ kein Meisterwerk, jedoch ein extrem unterhaltsamer Action-Kracher, mit einigen unterhaltsamen Szenen, in denen sich Lundgren in Bestform zeigt.

„Joshua Tree“ ist nicht nur Titel des Films, sondern auch der Name eines „U2“ Albums. Natürlich soll das nichts bedeuten, jedoch bezieht sich beides auf den Nationalpark gleichen Namens in der Wüstenlandschaft im Südosten Kaliforniens, dem Handlungsort dieses schwülstigen Reißers. Aufgrund dieser Übereinstimmung mit dem „U2“ Album, bekam der Film einst den Alternativtitel „Army of One“. In Deutschland wählte man schließlich den Titel „Barett – Das Gesetzt der Rache“. Welche Bezeichnung man am liebsten wählt ist jedem selbst überlassen, wir nehmen einfach mal „Joshua Tree“. Dieser Film stammt aus der Blütezeit Dolph Lundgrens, der bis dahin mit Action-Krachern, wie „Universal Soldier“, „Showdown in little Tokyo“ oder „Dark Angel“ einige Erfolge feiern konnte. Auch „Joshua Tree“ reiht sich in diese Riege, unterhaltsamer und relativ erfolgreicher B-Filme ein. Wie auch im Rest seines Oeuvres bietet der Streifen keinen sonderlich ausgeklügelten Plot. Auch hier gilt wieder die Devise „lockere Story, unterhaltsam in Szene gesetzt“. Man versteift sich darauf Lundgrens Muskeln zu inszenieren und sein fehlendes Schauspiel-Talent mit männlichen Posen und wilden Shootouts zu kaschieren. Das klappt über weite Strecken ganz gut. Einzig in wenigen ruhigen Szenen stellt sich die Langeweile ein, denn Dialoge sind nicht wirklich sein Ding. Aber diese Sequenzen sind zum Glück in der Minderheit, denn meistens muss er schießen, rennen, zuhauen oder auch zu treten, das kann er zum Glück. Der Film an sich, ist sauber inszeniert und handwerklich gut gemacht. Die Kamera ist da, wo sie hingehört, die Effekte sind gut umgesetzt und mit 93 Minuten gleitet das Geschehen nicht in Langeweile ab. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Auch die Action kann sich durchaus sehen lassen. Von kleinen Kampfszenen über rasante Verfolgungsjagden, zum Ende gibt es noch ein Straßenduell mit Luxuskarossen, bis hin zu harten Shootouts. Prunkstück ist selbstverständlich die Schießerei im Lagerhaus, in der Dolph in bester John Woo-Manier reihenweise Schergen über den Haufen ballert und dabei ein paar schöne Stunts abliefert. Hier darf auch das Kunstblut ordentlich spritzen, was diese fantastische Sequenz umso unterhaltsamer macht. Regisseur Vic Armstrong ist in diesem Genre auch kein Unbekannter. Er war Suntkoordinator oder Regisseur des zweiten Teams bei zahlreichen Blockbustern, wie „Total Recall“, „Terminator 2“, „Superman“ und mehreren „James Bond“-Filmen. Armstrong hat merklich Erfahrung, was dem Film zu Gute kommt. Die Action-Sequenzen sehen fesch aus und besitzen eine gute Dynamik. Doch diese Dynamik kommt erst in der zweiten Hälfte des Films. Die erste besteht größtenteils aus Fluchtszenen, die weniger aufregend sind, welche noch mit Dialogen von Lundgren und seiner Partnerin Kristian Alfonso untermauert werden. Wahrscheinlich sollen diese Dialoge die Charaktere aufbauen, jedoch wird das schnell langweilig, was an den Schauspielern liegen mag. Erst später kann Dolph zeigen was er drauf hat und glänzt als Kampfmaschine.

Auch hier werden die Klischees bedient, wenn zum Beispiel Lundgren, trotz Schussverletzung, keine großen Schmerzen zu haben scheint und auch später bei einer großen Verfolgungsjagd, in einem Moment der Ruhe, noch mit seiner Geisel einvernehmlichen Sex haben will, denn die ist nämlich eine ziemlich geile Schnitte, die nach anfänglichem Abscheu irgendwann nur noch rollig auf den stählernen Dolph ist, nachdem sie natürlich festgestellt hat das er unschuldig ist. Das ist dann alles etwas lustig anzusehen, aber sind nun mal die Machoelemente, die so einen Action-Streifen ausmachen und dort einfach dazugehören. Gute Wahl ist sicherlich der Schauplatz, denn das Wüsten-Setting und das Finale im richtigen „Joshua Tree“ machen ordentlich was her. Der ganze Film hat so eine kleine Western-Atmosphäre, was schön anzusehen ist. Schön anzusehen sind auch die Schauspieler. Vor allem Kristian Alfonso, die zwar nicht gut spielt, aber wie schon erwähnt recht gut aussieht und auch mal Brüste zeigen darf. George Segal hat als korrupter Cop mit Zigarren-Fetisch ebenso viel charmante und spielfreudige Szenen, wie sein Partner Beau Starr, der als Gehilfe auch ein paar nette Sprüche vom Stapel lassen darf. Was immer schade ist, ist wenn die Antagonisten oder übrigen Darsteller mehr Profil haben, wie der Hauptdarsteller. Denn Dolph Lundgren ist mimisch arg begrenzt, was vieles etwas schwierig machte, aber in diesem Fall zu verschmerzen ist, da das Drumherum sehr stimmig ist. Auch der Soundtrack untermalt den Film gekonnt, war doch hier Joel Goldsmith, Sohn von Jerry Goldsmith, am Werk, der zwar die Klasse seines berühmten Vaters nicht erreicht, jedoch für stimmige Musik sorgt. Jahr 2015 wurde der Action-Streifen schließlich vom Index gestrichen und ist nun von „Nameless Media“ in einem schicken Mediabook erschienen, welches mir vorlag und auch ein alternatives Ende beinhaltet. Fans sollten da zugreifen, jedoch ist auch eine Amaray-Variante erhältlich.

„Joshua Tree“ ist ein unterhaltsamer Action-Film und wirklich einer der besten Lundgren-Vehikel. Gute Szenen, schöne Atmosphäre und ein guter Drive zeichnen diesen B-Film aus. Gut aufspielende Antagonisten tun ihr übriges und kaschieren mit explosiven Action-Pieces das mangelnde Schauspieltalent Dolph Lundgrens. Alles in allem kann man dieses Werk empfehlen. Der Genre-Fan wird gut bedient.

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