Jumanji (1995)

Originaltitel: “Jumanji”
USA 1995
mit Robin Williams, Kirsten Dunst, Bonnie Hunt, Bradley Pierce…
Drehbuch: Greg Taylor, Jim Strain, Jonathan Hensleigh, Chris van Allsburg
Regie: Joe Johnston
Länge: 101 Minuten
FSK: ab 12 Jahren (Auch für jüngere verträglich!)

“Jumanji” ist das geheimnisvolle, uralte Spiel, aus dem der unberechenbare Geist des Dschungels ausbricht, um die Welt zu beherrschen. Alle, die dieses Spiel je gespielt haben, kennen nur zu gut seine Gefahren. So auch Alan Parrish (Robin Williams), der bereits als kleiner Junge in die gefährliche Welt von “Jumanji” entführt wurde. Jetzt, 26 Jahre später, werfen Sarah (Bonnie Hunt), Judy (Kirsten Dunst) und Peter (Bradley Pierce) die Würfel – und können Alan befreien. Doch das ist erst der Anfang! Ob sie wollen oder nicht, “Jumanji” geht weiter: die vier müssen sich gegen wilde Horden von Löwen, Affen, Elefanten, Nashörnern, fleischfressenden Schlingpflanzen, Riesenspinnen, Monsunregen und Erdbeben wehren. Nur so können sie die Kräfte von “Jumanji” bezwingen!

Der 11.August 2014 sorgte für eine klaffende Lücke in der Filmwelt. Robin Williams beging Selbstmord, eine Folge seiner Depressionen und Suchterkrankungen, die sein Leben begleitet haben. Doch abseits dieser dunklen Teile seines Lebens, schenkte Williams den Kinozuschauern dieser Welt, ob groß oder klein, vor allem Eins: Freude. Der Schauspieler und Komiker war vor allem für seine sanften gefühlsorientierten Rollen in Kinder- und Jugendfilmen bekannt und feierte gerade in den 90ern große Erfolge. In genau diese Periode fällt das Fantasy-Abenteuer „Jumanji“ (1995), ein Paradebeispiel für den Mythos des Robin Williams!

Es ist immer schwierig, wenn man sich Filmen widmet, die einen als Kind begeistert haben. Oftmals ist eine Sichtung im Erwachsenenalter recht ernüchternd, da man solche Werke, aufgrund der eigenen Filmsozialisation, gar nicht mehr so gut findet, oder sie nicht mehr das gleiche Gefühl vermitteln können. Als ich kürzlich in die hintersten Ecken meines Filmregals wühlte, fiel mir die Blu-Ray zu „Jumanji“ (1995) in die Hände, die ich mir irgendwann mal gekauft hatte aber nie im Player gelandet ist. Beim Anblick des Covers kamen sofort Erinnerungen an meine Kindheit hoch. Robin Williams war immer ein Held für mich und gerade „Jumanji“ hat mich wahrlich begeistert, als ich ihn das erste Mal im Fernsehen sah. Ich überlegte einen Moment und legte die Disc schließlich ein. Auch nach über 15 Jahren löste der Film ein wohliges Gefühl in mir aus, auch wenn ich sagen muss, dass „Jumanji“ sicher kein Meisterwerk ist. Die Geschichte um ein magisches Brettspiel, welches den Dschungel in die reale Welt transportiert, basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Chris van Allsburg und hat einen entscheidenden Vorteil, sie funktioniert. Besonders für Kinder ist der Film sicher eine aufregende Erfahrung, da die Story gut aufgebaut wird. Am Anfang befinden wir uns im Jahr 1969 und lernen den jungen Alan Parrish, der von anderen Jungs gemobbt wird und im Zwist mit seinem Vater liegt. Gemeinsam mit seiner Freundin Sarah spielt er ein, von ihm gefundenes, ominöses Brettspiel namens „Jumanji“ und wird in das Spiel hineingesogen. Eigentlich ein tragischer Anfang, bei dem wir uns mit der Figur identifizieren können. 26 Jahre später spielen die beiden Waisenkinder Judy und Peter eben jenes Spiel und entdecken die ungeheure Macht, die selbiges birgt. Bei jedem Wurf mit den Würfeln kommen Dschungel-Kreaturen in die Wirklichkeit und auch Alan Parrisch wird befreit. Gemeinsam mit der gealterten Sarah muss das Quartett nun das Spiel beenden um alles wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Für mich als Kind war der Film ein prägendes Ereignis, da es mir Situationen präsentierte, die ich so noch nie gesehen hatte. Was passiert, wenn plötzlich Löwen, Elefanten, Schlingpflanzen, Affen oder riesige Spinnen über einen hereinbrechen? Das blanke Chaos. Auch bei erneuter Sichtung habe ich mitgefiebert. Die Geschichte funktioniert als spektakuläres Abenteuer, welches wie ein Rummelplatz anmutet. Ständig passiert etwas und es kommen immer neue, noch größere Attraktionen hinzu. Ein Schema, welches den Zuschauer immer noch in seinen Bann zieht. Besonders Robin Williams‘ Figur steht im Fokus des Betrachters.

Alan Parrish, ein eher einsames Kind wird aus der Realität gesogen und muss 26 Jahre im Dschungel zubringen. Im Jahr 1995 sehen wir einen Mann, der von der Gegenwart hart getroffen wird. Seine Eltern leben nicht mehr und er konnte sich nie mit seinem Vater versöhnen. Seine Welt existiert nicht mehr und macht aus ihm zu Beginn einen desillusionierten Menschen, der sich gar nicht zurecht finden kann. Das berührt nicht nur den Zuschauer, sondern knüpft auch eine Verbindung zu den beiden Kindern, die ebenfalls ihre Eltern verloren haben. Der Film besitzt somit ein gutes Quartett an Hauptfiguren, mit denen man sich in das Abenteuer stürzen kann. Ein familientauglicher und guter Kniff, den man uns präsentiert. Allerdings bleiben dafür auch andere Figuren, wie Tante Nora oder der Polizist Carl, eher auf der Strecke, obwohl sie Potential besitzen, das Geschehen zu bereichern. Das Skript ist größtenteils auf Robin Williams zugeschnitten, weshalb andere Charaktere etwas verblassen. Das ist aber kein schwerwiegendes Problem, denn ein guter Robin Williams rechtfertigt eigentlich schon einen kompletten Film. So auch im Falle von „Jumanji“, der zeigt, was Williams so großartig gemacht hat. Sein sanftes Spiel, sein kindlicher Humor und guter Wille färben immer wieder ab, sei es in diesem Film oder in anderen bekannten Werken wie „Mrs. Doubtfire“ (1993) oder „Good Will Hunting“ (1997). Williams trägt den Film und agiert als unser Held, der am Ende den Tag rettet. Die restlichen Figuren stinken dabei etwas ab, obwohl den anderen drei Charakteren ebenfalls genug Raum gegeben wird. Die junge Kirsten Dunst und Bradley Pierce machen einen sehr guten Job und auch Bonnie Hunt spielt gut, jedoch haben sie keine Chance gegen Williams. Neben den bereits erwähnten unterschriebenen Figuren, fungiert Jonathan Hyde, der im zu Beginn als Alans Vater zu sehen ist, als Antagonist Van Pelt, ein Großwildjäger, der ebenfalls vom Spiel ausgespuckt wurde und nun Jagd auf die vier macht. Seine Figur ist schwierig, da sie zu wenig aufgebaut wird, um als Antagonist zu funktionieren und somit eher als eine Begleiterscheinung wirkt. Diese Umstände werden aber durch andere Attraktionen etwas entschädigt. Die Fantasy-Elemente setzen uns spektakuläre Ereignisse vor, denn wenn Stampede die Stadt heimsucht oder Naturkatastrophen das Parrish-Haus zum lebenden Dschungel werden lassen, ist das nicht nur imposant, sondern auch fesselnd. Allerdings hat der Film Schwierigkeiten die richtige Tonalität zu finden, denn oftmals können diverse Szenen furchteinflößend auf ein junges Publikum wirken, was aber meinen Reiz als Kind ausgemacht hat. Andere Szenen wirken dann doch etwas klamaukig. Auch die Effekte sind von unterschiedlicher Güte. Zwar können diverse Animatronics und Puppen für ein breites Grinsen sorgen, auch wenn hier nicht „Jurassic Park“-Niveau erreicht wird, jedoch sind die Computerffekte aus heutiger Sicht ziemlich furchtbar und im Vergleich zu anderen Filmen aus dieser Zeit, wie zum Beispiel „Jurassic Park“ (1993), sehr schlecht gealtert. Während man die Elefanten gerade noch so durchgehen lassen kann, sind die Affen kaum zu ertragen und optisch die absolute Folter. Regisseur Joe Johnston, der Kinogängern noch durch Filme wie „Jurassic Park 3“ (2001) und dem ersten „Captain America“-Film (2011) im erfolgreichen Marvel Cinematic Universe geläufig sein dürfte, erweist sich zwar nicht als Komponist für starke Bilder, inszeniert jedoch routiniert eine unterhaltsame Achterbahnfahrt, die angenehm kurzweilig daher kommt. Auch ich hatte meinen Spaß an dem Film. Klar, ganz so gepackt wie damals hat mich das Fantasy-Abenteuer nicht aber ich konnte auch heute noch erkennen, was mich daran so fasziniert hat. Unterm Strich wurde ich wunderbar unterhalten. 2017 kam eine Fortsetzung/Reboot des Films in die Kinos. Die Hauptrollen spielen, unter anderem, Dwayne Johnson, Kevin Hart und Jack Black. Der Film soll die Thematik zeitgemäß einer neuen Generation zugänglich machen und dabei eine Hommage an das Original und an Robin Williams darstellen.

Joe Johnstons „Jumanji“ (1995) ist einer der Kult-Filme mit dem legendären Robin Williams. Obwohl der Film dem „schneller, lauter, größer“-Prinzip folgt und somit einige erzählerische Schwächen besitzt, versprüht das Abenteuer immer noch eine gewisse Magie, zu der auch ein charismatischer Hauptdarsteller entscheidend beiträgt. Zwar ist „Jumanji“ kein Meisterwerk, jedoch der perfekte Film für Kinder ab sechs Jahren, die 100 Minuten zum Staunen, Lachen und Mitfiebern angeregt werden. We miss you, Robin!