Kapitän Nemo (1969)

 

Zur Zeit des amerikanischen Bürgerkriegs: Ein Segelschiff, mit dem Senator Fraser unterwegs ist geht in einem schweren Sturm unter. Gerade als einige der Passagiere, darunter auch der Senator glauben, dass ihr letztes Stündlein geschlagen hat, werden sie von seltsamen Tauchern gerettet und an Bord eines hochentwickelten U-Bootes gebracht. Ihr Retter, Kapitän Nemo, hat jedoch noch eine weit aus größere Überraschung als sein technisches Unterwassergefährt für die beinahe Ertrunkenen auf Lager, denn sein Ziel ist eine Stadt auf dem Meeresgrund. Und obwohl die Stadt unter einer gigantischen Kuppel sich als wahres Paradies entpuppt, so hat die Sache einen Harken: Senator Fraser sowie die anderen Gäste dürfen diesen goldenen Käfig nie wieder verlassen. Eine Situation, die für Fraser unakzeptabel ist…

 Nach den großen Kinoerfolgen 20,000 Meilen unter dem Meer von 1954 mit Kirk Douglas in der Hauptrolle und Die geheimnisvolle  Insel der 1961 die Rolle des legendären Kapitän Nemo übernimmt, kam 1969 der dritte Teil der Trilogie nach der Idee von Jules Verne um Kapitän Nemo und seinen technischen Wunderwerken in die deutschen Kinos und stellt meiner Meinung nach auch den besten Teil von allen drei dar. Leider geriet der von MGM vertriebene Film, der den wunderbaren englischen Originaltitel: Captain Nemo and the Unterwater City trägt nach seiner Aufführung in den deutschen Kinos wohl irgendwie in Vergessenheit und wurde leider nie auf einem käuflich zu erwerbenden Medium, also weder auf VHS noch auf DVD, in deutscher Sprache veröffentlicht, so dass er zwar zu einem grandiosen aber vergessenen Klassiker-, der aber ab und an, das letzte Mal 2008, von den dritten Programmen im TV hervorgekramt und ausgestrahlt wurde,

  James Hill, der Regisseur, der den vier Jahre zuvor gedrehten Sherlock Holmes größter Fall mit John Neville als der Kult-Detektiv auf die Kinoleinwand warf, ist der großartige Schöpfer dieses leider in Vergessenheit geratenen Abenteuers, der mir auf Grund seinen phantastische Ideen und schon fast märchenhaften Charme so gut gefällt. 

 Was wohl gleich zu Anfang ins Auge fällt ist die Unterwasserstadt, die wirklich mit all ihrem goldgelben funkenden Lichtern irgendwie etwas magisches und verzauberndes an sich hat und die mich ziemlich stark an die Unterwasserstadt aus Star Wars Episode I – die dunkle Bedrohung erinnert, aus der nervtötende Charakter Jar jar Binks stammt. Ob nun George Lucas sich aber an Kapitän Nemo orientiert hat, kann ich nicht sagen… aber möglich wäre es, wenn man diese wunderschöne Stadt auf dem Meer bestaunt, bei der ich zumindest sehr schnell vergesse, dass es sich dabei in echt nur um ein Miniaturmodell höchstwahrscheinlich in einem Wasserbecken handelt, dem durch kleine Lämpchen und Scheinwerferlicht dieses magische verzaubernde Leuchten entlockt wurde.

 Das Innere der Stadt ist ebenso bezaubernd, wirkt alles harmonisch, wie aus einem Urlaubskatalog der 1960er. Gold schimmerndes Licht warme pastellfarbene Töne und glückliche Gesichter täuschen über die Tatsache hinweg, dass diese Stadt auf dem Meeresgrund eigentlich trotz seiner Faszination nicht anderes als ein hermetisch abgeriegeltes Gefängnis ist. Dennoch eine wunderbare schön anzusehende Kulisse und Idee für das Innere einer solchen künstlich erschaffenen Unterwasserwelt, die in den britischen MGM Studios kreiert wurde.

 Und obwohl hier Schauspieler wie Chuck Connors, der 1979 in dem Horrorfilm Tourist Trap- die Touristenfalle mitspielte, sowie Nanette Newman (Die Frauen von Stepford von 1975)) oder auch Kenneth Connor, der später in einigen der Carry On.Filme mitwirkte, hier in Kapitän Nemo die eigentlichen Helden wider Willen verkörpern, so habe ich es ihnen – also den Charakteren – übel genommen, dass sie so undankbar sind und fliehen wollen. Am liebsten hätte ich nur einfach die Idylle genossen^^  Aber es ist ja ein Unterhaltungsfilm, in dem irgendwann auch etwas passieren muss, damit es nicht langweilig für die anderen wird. Dafür sorgen dann die auch selbst in einem Paradies unter Menschen auftretenden Konflikte sowie ein Killerochen, der warum auch immer, die Unterwasserstadt angreift.  

 Die 2009 in Arizona verstorbene Angela Morley, die auch übrigens die Filmmusik zu Schindlers Liste machte, war für diese in Kapitän Nemo zuständig und verleiht dem ganzen eine noch phantastischere und surrealere Atmosphäre, als der Film ohnehin schon besitzt. Richard Conway, der auch 15 Jahre später für Indianer Jones un der Tempel des Todes sowie 2002 für den Horrorfilm 28 Days later an den Spezial Effekten mitarbeitete, verleiht durch sein Mitwirken dem Film sein magisches und traumhaftes Flair, dass sich selten so in einem Film verspürte. 

 Auf wirklich viel Action hofft man in Kapitän Nemo vergebens, aber ich muss zugeben, dass gewalttätige Szenen diesem Film auch nicht wirklich gut getan hätte, viel mehr beschäftigt man sich in dem Film mit realistischeren Problemen wie Eifersucht vor der man auch nicht in einem Paradies gefeit ist, sowie natürlich der Gold- beziehungsweise der Habgier, der manchen Menschen nicht widerstehen können. Und natürlich der Flucht aus dem Paradies, aber die Gründe die für diese benannt werden, empfand ich eigentlich unrealistischer als die Vorstellung einer Unterwasserstadt^^  

 Kapitän Nemo oder Captain Nemo and the Underwater City ist bisher in Deutschland, wie ich anfangs erwähnte nur im Kino gelaufen und ist leider (noch) nicht käuflich zu erwerben während in Großbritannien der Film von Warner in der Archiv – Collection auf DVD erhältlich ist, in der auch Um 9 Uhr geht die Erde unter und viele andere Klassiker veröffentlicht wurden. ich hoffe es sehr, dass der Film bald auch bei uns auf DVD erscheint, denn er ist eine wahre Perle und den Klassikern, die es nicht verdient hätten, in totale Vergessenheit zu geraten. Schon alleine weil in Deutschland nur 30 % von den vielen phantastischen Klassikern aus Großbritannien und den USA, die gedreht wurden, herausgebracht oder in den Kinos gezeigt wurden.

 

Wertung: 10/10 Punkten