Karate, Küsse, blonde Katzen (1974)

Hongkong/Deutschland 1974
mit Sonja Jeannine, Diana Drube, Yueh Hua, Lau Wai-Ling…
Drehbuch: Jeng Yee-Schun
Regie: Kuei Chih-Hung, Ernst Hofbauer
Länge: 91 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Chinesische Piraten entführen fünf englische Mädchen von einem Handelsschiff und verkaufen sie dem Mädchenhändler Chao. Dieser unterweist sie in seinem Palast in diversen Liebestechniken, um sie später als Prostituierte verkaufen zu können, wobei die Mädchen sich der andauernden Annäherungen von Chaos Männer erwehren müssen. Durch den kampferprobten Einheimischen Ko Pao und seiner Schwester Ko Mei Mei werden sie aber auch in Schwertkampftechniken und Kung Fu unterrichtet. Die Entführten wollen ihre Freiheit zurück und schlagen zurück, mit den Waffen einer Frau!

Filmische Perlen sind leicht zu finden. Im Mainstream-Kino wird man schnell auf Klassiker und besonders gelungene, meist starbesetzte, Meisterstücke aufmerksam. Aber man muss auch ab und zu über den Tellerrand blicken, denn meist eröffnen sich einem dort die obskursten Machwerke, die es mehr als verdient haben an die Oberfläche gezogen zu werden. Die deutsch-chinesische Ko-Produktion „Karate, Küsse, blonde Katzen“ (1974) ist so ein Fall. Ein unglaublich unterhaltsames Trash-Meisterwerk, welches zwischen Titten und Handkantenschlägen einen so immensen Spaßfaktor hat, dass man sich wundert, warum dieser Film von keinem breiten Publikum frenetisch gefeiert wird. Aber der Reihe nach!

Der deutsche Genre-Experte Wolfgang C. Hartwig, der sich mit seiner Firma „Rapid Film“ in den 60er Jahren mit Agenten- und Abenteuerkrimis, sowie weiteren Genre-Reißern made in Germany einen Namen gemacht hat, machte in den frühen 70ern die Softerotik salonfähig. Mit dem „Schulmädchen-Report“ (1970) gelang dem umtriebigen Produzenten ein wahrer Glücksgriff. Im Jahr 1974 erweiterte Hartwig sein Betätigungsfeld, indem es ihn wieder in den fernen Osten zog, wo er schon Jahre zuvor Filme, wie „Heißer Hafen Hongkong“ (1962) herstellte. Dort tat er sich mit den legendären „Shaw Bros.“ Zusammen, DER Kult-Schmiede für knallharte Eastern. Diese obskure Mischung deutet schon an, wo die Reise in „Karate, Küsse, blonde Katzen“ (1974) hingeht. Dieser Film ist eine wahre Granate, des sagen wir mal speziellen Geschmacks. Ein wahres Fest für Exploitation-Fans. Die Geschichte dreht sich um fünf Großstadtmiezen, welche auf ihrer Reise nach Australien von chinesischen Piraten verschleppt werden. Natürlich handelt es sich bei den Piraten nicht um romantische Freibeuter, sondern um lüsterne Strauchdiebe, welche die Damen auch gleich an den nächst Besten verschachern. Dieser entpuppt sich als Mädchenhändler Chao, der sich vornimmt, die Damen fit für die Kiste machen zu lassen, um sie gewinnbringend als Konkubinen für reiche, notgeile Schlitzaugen zu verhökern. Doch Mitarbeiterin Ko Mei Mei ist auf der Seite der Gefangenen und zwischen Matratzen-Karate und Stellungskunde gibt es Lehrstunden in Kung-Fu, um noch rechtzeitig den Spieß umzudrehen. Der Sexploitation-Eastern serviert uns eine geradlinige Story, die perfektes Mittel zum Zweck ist, um die Interessen beider Produktionsparteien würdig zu vertreten. Die erste Hälfte beschäftigt sich mit der Gefangenschaft der Mädchen, in der es meist nackte Brüste zu sehen gibt, unterstützt durch ein paar durchaus unterhaltsame Martial-Arts Scharmützel, bevor die zweite Hälfte ordentlich aufdreht und durchgehend actionlastig daherkommt. Hier gibt es ordentlich was aufs Fressbrett.

Die Kämpfe sind derweil gut choreographiert, auch wenn sie nicht das Niveau anderer Shaw-Produktionen erreichen. Spaß macht Das auf alle Fälle. Auf dem Regiestuhl saßen ebenfalls zwei Gesandte der beiden Produktionsfirmen. Sowohl Kuei Chih-Hung, der bereits für die „Shaw Bros.“ Tätig war, sowie auch Ernst Hofbauer, der für mehrere schmierige Report-Filme verantwortlich war. Diese krude Mischung macht den enormen Unterhaltungswert dieses Meilensteins aus. Der Film wird zu keiner Sekunde langweilig, sondern schafft es die schneidigen 90 Minuten sehr kurzweilig wirken zu lassen. Den letzten Rest gibt einem die deutsche Synchronisation, die klingt als hätte Rainer Brandt ordentlich Dampf auf dem Kessel. Sprüche wie, „Das riecht ja wie toter Opa unter dem linken Ei“, „Wenn deine Tittchen zittern, fängt meine Hose an zu flittern“ oder „Jetzt dreh ich dir’s Gas ab und häng dich an die Chinesische Mauer.“ Sorgen für feuchtfröhliche Schenkelklopfer. Natürlich wird hier alles auf elf gedreht und das Spektakel gestaltet sich als wunderbar politisch inkorrekt und sexistisch, aber das ist doch genau das, was sich der Trash-Fan wünscht. Hier gibt es Gags mit dem Presslufthammer und asiatische Stereotypen, die man sonst nur in miesen Sketchen vorfindet. Wenn unsere Sirenen dann gegen Ende noch Oben-Ohne mit Schwertern eine ganze Horde Gegner platt machen, rockt das dermaßen, dass man auch mal vergisst, dass die Chose ziemlich bescheuert ist. Die Darsteller setzen sich aus unbekannten Gesichtern zusammen, die alle chargieren und dem Affen ordentlich Zucker geben. Am ehesten bekannt, dürfte noch Sonja Jeannine sein, die in mehreren Report-Filmen und Kiez-Reißern zu sehen war.

Für den Hausgebrauch gibt es den Film günstig auf DVD vom Label „Camera Obscura“, welche neben der ungekürzten Fassung auch die Super-8 Version, sowie ein schönes Booklet von Christian Keßler beinhaltet. 

„Karate, Küsse, blonde Katzen“ (1974) ist ein wahres Trash-Juwel. Eine äußerst unterhaltsame Verquickung deutscher Plattitüden, nackten Brüsten, kessen Sprüchen und ordentlichen Handkantenschlägen in die Fresse des guten Geschmacks. Der perfekte Film für einen bierseligen Abend in der Gruppe. Wessen Auge hier trocken bleibt, der hat etwas falsch gemacht!