Karate Tiger IV – Best of the Best (1989)

Original Titel: “Best of the Best”
USA 1989
mit Eric Roberts, Phillip Rhee, James Earl Jones, Chris Penn…
Drehbuch: Philipp Rhee, Paul Levine
Regie: Robert Radler
Länge: 93 Minuten
FSK: ab 16 Jahren

Bei der Karate-Weltmeisterschaft stehen sich in Korea das amerikanische Nationalteam und das äußerst kampfstarke Team Koreas’ gegenüber. Unter den amerikanischen Athleten ist auch Alex Grady (Eric Roberts), der seine Karriere vor Jahren wegen einer Verletzung beenden musste, sowie Tommy (Philipp Rhee), der einst seinen Bruder im Kampf sterben sah. Die prekäre Situation wird durch Querelen innerhalb des Teams angeheizt, doch unter der harten Führung von Trainer Couzo (James Earl Jones), wachsen die Kämpfer zu einem Team zusammen. In Korea kommt es schließlich zum Showdown!

Achja, die guten alten Martial-Arts Filme, in denen sich gestählte Männer noch Auge um Auge gegenseitig auf das Fressbrett hauen durften. Wir wären ja nicht RETRO-FILM, wenn wir nicht ab und zu auch mal den harten Kampfkünsten frönen würden, um uns bei einer leckeren Tüte Chips unterhalten zu lassen. Und weil ja Streifen wie „Bloodsport“ (1988) hinreichend bekannt sind, widmen wir uns heute einem etwas kleineren Film, der zumindest Mir noch nicht bekannt war. Ring frei für „Best of the Best“ (1989)!

Was passiert, wenn man „Kickboxer“ (1989) und „Rocky 4 – Der Kampf des Jahrhunderts“ (1985) in den Mixer wirft und das dann ordentlich durchrühren lässt? Richtig, es entsteht dieser Film! Mit „Best of the Best“ fand ein weiterer Streifen seinen Weg auf die Leinwand, in dem Amerikaner eine übermächtige Macht in einem Kampfsport-Turnier bezwingen müssen. Das ist zwar wenig originell aber effektiv, wenn man sich als Zuschauer auf triefenden US-Kitsch einlassen kann. Der Film beginnt mit der Zusammenstellung der US-amerikanischen Nationalmannschaft für die internationale Meisterschaft im Vollkontakt. Wir haben unterschiedliche Charaktere: Zum einen der ehemalige Champion Alex, der sich nach einer Schulterverletzung zurückziehen musste und nun sein Comeback versucht. Dann hätten wir noch Tommy Lee, dessen Bruder einst im Ring getötet wurde – wichtig für das Drama -. Dazu stoßen noch der ungestüme Cowboy Travis, der Buddhist Virgil und der halbitalienische Kämpfer Sonny. Danach erfolgt der übliche Handlungsverlauf. Es gibt hartes Training, einen unerbittlichen Coach, etwas Drama unter den Figuren, schwülstige Montagen und zum Schluss natürlich der große Kampf der Protagonisten. Die Handlung ist so banal, wie man jetzt vermuten mag und wie am Anfang schon erwähnt, dreist zusammen geklaut. Der Film bedient sich bei der Bruder-Motivation bei „Kickboxer“, während der Verlauf der Handlung sehr offensichtlich bei „Rocky 4“ geklaut wurde. So müssen die Amerikaner die harten Koreaner bezwingen, die, während unsere US-Helden mit modernen Trainingsmethoden arbeiten, oberkörperfrei durch den Schnee rennen und auf Baumstämme einschlagen, sowie unter einem Wasserfall meditieren. Als Gegenüber für den Kampf bekommt Tommy schließlich den Boss-Gegner zugeteilt, der sich vom Rest abhebt, indem er – RICHTIG – eine Augenklappe trägt und natürlich, wie könnte es auch anders sein, für den Tod des Bruders verantwortlich ist. Das Drehbuch lässt keine Plattitüden aus und folgt jedem einzelnen klassischen Beat, wobei diese Beats meistens etwas ungelenk daher kommen. So muss Alex kurzzeitig das Team verlassen, weil Sohnemann Walter einen Unfall hatte und im Koma liegt und der Arzt beteuert, dass es eine Weile dauern wird, bis Walter wieder lebensfähig ist. Allerdings hat sich das über Nacht erledigt, das Balg ist fit und sitzt mit Oma sogar beim Endkampf in Korea, ein Wunder! Natürlich alles billige Legitimationen für den emotionalen Punch. Der Trainer muss ja schließlich auch etwas weich werden und Verständnis für seine Schützlinge entwickeln. Damit die Action nicht zu kurz kommt, wird die ganze Chose mit einer Kneipen-Schlägerei aufgelockert, in der unsere sympathischen Helden jeden niederschlagen, der ihnen über den Weg läuft. Und weil wir ja schon bei Sympathie sind, herrlich trashig ist auch der harte Patriotismus, welchen dieses Werk versprüht. So darf Travis immer wieder rassistische Äußerungen über Asiaten raushauen. Auch werden gerne Reden über die Liebe zum Land geschwungen und wenn zum Finale alle „USA!“ schreien, dürfte auch Donald Trump herzlich mitfiebern.

Der Endkampf ist indes ganz gut gemacht. Regisseur Robert Radler inszeniert ganz anständige Kämpfe, die zwar die Messlatte nicht höher legen aber immernoch gut anzusehen sind. So bekommt der Zuschauer ein paar schöne Choreographien geboten, welche eine gute Dynamik besitzen. Spannend wird das ganze trotzdem nicht, dazu fehlt die Originalität. Zudem steht nicht wirklich etwas auf dem Spiel, ausgenommen Tommys Kampf gegen den asiatischen Karate-Piraten. Hier reißt Radler filmisch durchaus die Plattitüden des restlichen Films heraus, denn außer der netten Kneipen-Schlägerei, hat „Best of the Best“ optisch nicht wirklich viel zu bieten. Lediglich ein paar Flashbacks und kitschige Trainingsmontagen, in denen unsere Akteure ihre verschwitzen Muskeln präsentieren, werden uns vorgesetzt. Am interessantesten am Film ist immer noch die Besetzung. Die Rolle des Tommy Lee wird Phillip Rhee gespielt, der auch in den drei Fortsetzungen kämpfte. Als Alex sehen wir hier Eric Roberts, der verkrachte Bruder von Julia Roberts, von dem ich gar nicht wusste, dass er Martial-Arts Skills drauf hat. Ganz witzig ist Chris Penn, den einige aus Quentin Tarantinos Debüt „Reservoir Dogs“ (1992) kennen sollten, als Travis, der vermutlich der Letzte ist, dem man professionellen Kampfsport zugetraut hätte. Alle spielen routiniert und sehen in ihren Kampfszenen ganz gut aus. Wie viel da jetzt gedoubelt wurde, kann ich gar nicht beurteilen, denn die Actionszenen wurden adäquat gemacht. Ebenfalls ist noch James Earl Jones zu sehen, der die Mannschaft trainiert. Klar, James Earl Jones sieht auch aus, als wäre er befugt eine Nationalmannschaft im Vollkontakt-Kampfsport zu trainieren. Immerhin hat er den Drill drauf und sorgt für ein paar schöne Momente. Zudem ist noch „Jason Voorhees“-Darsteller Kane Hodder als Schläger in der Bar zu entdecken. Ich sprach bereits von der Plattheit des Films. Dies spiegelt sich auch im Soundtrack wieder, der komplett aus typischem Soft-Rock besteht und wahrscheinlich von einer „Survivor“ oder „REO Speedwagon“-Coverband eingespielt wurde. Allerdings sind musikalische Bretter wie „Burning Heart“ aus „Rocky 4“ hier nicht zu erwarten. In Deutschland wurde der Film als vierter Teil der „Karate Tiger“-Reihe vermarktet, obwohl man mit diesem Film eine neue Kampfsport-Reihe startete. Die Nachfolger  erschienen unter den richtigen Titeln aber das Titelkuriosum von „Kickboxer“, „Karate Tiger“ und „Bloodsport“ in Deutschland ist auch eine Wissenschaft für sich. Wer Blut geleckt hat, kann den Titel über SHAMROCK MEDIA bestellen. Dort erschien der Film ungekürzt auf Blu-ray und DVD im Mediabook.

Rober Radlers Kampfsportvehikel „Best of the Best“ (1989) ist ein schamloses Rip-Off bekannter Motive, die ungewöhnlich platt übernommen wurden. Auch wenn der Film Leerlauf und einige kitschige, wie auch eklig patriotische, Momente bietet, macht der Cast doch etwas Laune. Auch einen schönen Finalkampf bekommt der Zuschauer geboten, weshalb der Streifen sicher kein Meilenstein ist, aber wer sich an so etwas erfreuen kann, der bekommt ein Filmchen für Zwischendurch, dass man gut weggucken kann. Trotz allem ist man mit den Vorbildern besser bedient!