Kinjite – Tödliches Tabu (1989)

Original Titel: “Kinjite – Forbidden Subjects”
USA 1989
mit Charles Bronson, James Pax, Juan Fernández…
Drehbuch: Harold Nebenzal
Regie: J. Lee Thompson
Länge: 97 Minuten
FSK: ab 18 Jahren

Der Zuhälter Duke (Juan Fernández) entführt minderjährige Mädchen, um sie auf den Straßen von Los Angeles als Sex-Sklaven zu verkaufen. Der Polizist Crowe (Charles Bronson) kann dabei nicht tatenlos zusehen und sagt Duke den Kampf an. Als dieser die Tochter des Japaners Hiroshi Hada (James Pax) entführt, geht Crowe zum Angriff über.

„HEEEEEEY AMIGO CHARLIE! LA LA LA LA LA…“

Während mir, aus nicht näher definierbaren Gründen, dieser alte Schlager in den Ohren liegt, widmen wir uns jetzt auch einem Charlie, mit dem aber in den meisten Fällen nicht gut Kirschen essen ist. Natürlich geht es um Rache-Opa Charles Bronson, dessen späte Karriere sich auf günstig produzierte Actionthriller beschränkte, in denen der ergraute Altstar dem Abschaum der Gesellschaft ordentlich den Arsch aufriss, weil die mal wieder seine Frau, seine Tochter, seinen Hund oder sein Schnuffeltuch ermordet haben. In den 80ern meist von „CANNON“ produziert, war Bronson ein Garant dafür, Recht und Ordnung durchzusetzen, wenn auch mit teils fragwürdigen Methoden. 1989 hatte Bronson in „Kinjite – Tödliches Tabu“ miese Zuhälter auf dem Kicker, die Minderjährige in die Sex-Sklaverei schicken. Ob man hier dieses schwierige Thema gut aufarbeiten konnte? Ok, das war jetzt ironisch, it’s CANNON, Baby!

Charles Bronson hatte eine Karriere, als vor langer langer Zeit. Der 2003 verstorbene Schauspieler machte in den 60er Jahren durch profilierte Nebenrollen auf sich aufmerksam. So war er in Klassikern wie „Gesprengte Ketten“ (1965) oder „Das dreckige Dutzend“ (1967) zu sehen. Durch Sergio Leones Western-Epos „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968), in dem Bronson als Mundharmonika spielender Revolvermann zu sehen war, wurde er zur Kino-Ikone. Es folgten zahlreiche Erfolgsfilme. Ein weiterer Kult-Film entstand 1974. In Michael Winners „Death Wish“, in Deutschland „Ein Mann sieht rot“ fand Charlie seine Paraderolle. Nämlich die des einsamen Rächers, der für Recht und Ordnung sorgt und da aufräumt, wo die Polizei versagt. Doch der Stern verblasste und in den 80ern war der ergraute Mime keine große Nummer mehr. Also drehte Bronson die Filme, die seine Fans sehen wollten. So entstanden nicht nur Fortsetzungen zu „Death Wish“, die wesentlich härter waren und eher Exploitationfilme darstellten, sondern auch weitere, ähnlich gestrickte, Actionreißer, in denen der Altstar meist als tougher Cop zu sehen war. Produziert wurden diese B-Movies von „CANNON FILMS“, die in den 80ern die Nummer Eins in Sachen schnell runtergekurbelter Massenware waren. „Kinjite – Tödliches Tabu“ stellt die letzte filmische Zusammenarbeit beider Parteien dar. Die Handlung des Films recht schnell erklärt. Der Zuhälter Duke treibt in Los Angeles sein Unwesen. Er schickt Minderjährige auf den Strich und beutet sie als Sex-Sklaven aus. Bisher konnte man ihm noch nichts nachweisen. Jedoch steht er auf der Abschussliste von Lt. Crowe, der sich gerne über seine Befugnisse hinwegsetzt, um dem Strolch die Leviten zu lesen. Gleichzeitig wird die Tochter eines japanischen Geschäftsmannes entführt, welche Crowe finden will, um jeden Preis.

Also alles beim Alten im Staate CANNON. Mit „Kinjite“ haben wir es mit einem klassischen 80er Reißer zu tun, der zwar einen gut aufgelegten Charles Bronson zu bieten hat, jedoch vor allem an zwei Dingen krankt, nämlich an der Story und an der Action. Was da noch übrig bleibt? Nicht viel! In gewissen Passagen ist die Handlung ganz spannend. Natürlich ist Prostitution von Minderjährigen eine schlimme Sache aber auch eine fadenscheinige Legimitation für unseren Hauptdarsteller in menschenverachtender Manier vorzugehen. Der Film versucht aus der Konfrontation und dem, angedeuteten Katz- und Maus-Spiel zwischen Crowe und Duke Spannung zu gewinnen. Jedoch ist die Handlung zu zerfahren, um konstant zu unterhalten. Besonders schwierig ist die Figur des japanischen Geschäftsmannes, der – warum auch immer – sehr viel Screentime hat und in diversen Szenen, die in Japan spielen, aufgebaut werden soll. Was wir aber lediglich wissen ist, dass er verheiratet ist, zwei Kinder hat und sexuell etwas über die Stränge schlägt und wahrscheinlich ein paar eklige Fantasien hat. Zudem begrapscht er in Los Angeles noch Crowes Tochter. Feiner Kerl der gute Mann. Somit verliert der Film immer wieder an Fahrt und es macht sich zwischendurch auch etwas Langeweile breit. Schwer unterhaltsam ist aber Bronsons Vorstellung, der seiner eigenen Ikonographie wieder mal alle Ehre macht. So zwingt er Duke nicht nur die eigene Uhr zu fressen, sondern darf auch die klassischen „Ich bin ein harter Cop“-Sprüche vom Stapel lassen. Das dürfte dem B-Fan viel Freude bereiten. Auch pflegt der Film einen rassistischen Ton gegenüber Asiaten, der darin gipfelt, als Bronson wahllos Asiaten beleidigt, als er erfährt, dass seine Tochter unsittlich berührt wurde. Auch darf sich der alte Charlie von seinem Vorgesetzten zusammen falten lassen, gehört ja bei so einem Film dazu.

Diese Elemente machen Spaß, wenn man sich darauf einlassen kann und ein gewisses Herz für solche Filme hat. Allerdings wirken die Szenen mit James Pax als japanischer Geschäftsmann fehl am Platz, wie als wären es Nachdrehs, um den Film länger zu machen. Auch die Action lässt in dieser späten CANNON-Produktion zu wünschen übrig. Bronsons Stamm-Regisseur J. Lee Thompson, der in den 80ern ziemlich viel B-Ware inszenierte, gestaltet einige Szenen ganz schmissig, jedoch war das Budget augenscheinlich recht niedrig, wodurch man sich mehr mit ein paar Prügeleien zu Frieden geben muss. Ein cooles Finale, in dem auch mal etwas geballert wird bekommt man dennoch. Man muss bedenken, dass der Film zu einer Zeit entstanden ist, als CANNON schon pleite war. Kurz danach wurde ja der Schlüssel herumgedreht, weswegen der ganze Film relativ unspektakulär aussieht und sich lediglich in Räumen oder auf der Straße abspielt. Charles Bronson spielt sich quasi selbst und ist der größte Reiz am Film, obwohl er offensichtlich in jeder Szene, in der er mehr als Gehen und Sprechen musste, gedoubelt wurde. Das lassen zumindest die Umschnitte erahnen. Seine Performance als harter Arm des Gesetzes macht aber einfach Spaß und die coolen Sprüche regen schon zum Schmunzeln an, besonders wenn er die letzte Szene mit „Das nenne ich Gerechtigkeit“ kommentiert. James Pax als Japaner Hiroshi Hada trägt eigentlich Nichts zur Handlung bei und bleibt eher blass, wenn man bedenkt wie viel Zeit er im Film bekommt. Ganz ordentlich ist auch Juan Fernández, der als Bösewicht Duke eine schön eklige Vorstellung gibt. Die restlichen Darsteller spielen routiniert bis mäßig und fallen nicht weiter ins Gewicht. Der Film erschien 1989 direkt auf VHS, da ihm eine Kinoauswertung nicht vergönnt war, der Streifen passt auch eher in die Videothekenabteilung. Mittlerweile ist er auch auf Blu-Ray erhältlich. Über das österreichische Label NSM RECORDS erschien „Kinjite“ im Mediabook im Februar 2017. Im selben Jahr nahm man ihn vom Index und besitzt seitdem eine Freigabe ab 18 Jahren. Seit November ist er auch in Deutschland auf Blu-ray im Keep-Case erhältlich.

Lee Thompsons „Kinjite – Tödliches Tabu“ (1989) ist ein typisches Bronson-Vehikel aus den 80ern. Rassistisch, schmierig und mit der Legitimierung der Selbstjustiz. Der richtige Knall kommt aber nicht, da die Handlung nicht spannend genug ist und die Action auch keine große Rolle spielt. Für Bronson- und CANNON-Fans sicher ein netter Streifen zum weggucken.