Ted Kramer, der quirlige Werbefachmann, ist befördert worden. Doch statt Champagner erwartet ihn zu Hause der Abschiedsbrief seiner Frau. Joanna hat Mann und Kind verlassen, um künftig ihr eigenes Leben zu führen. Neben seinem 14-Stunden-Job muss sich Ted von nun an um Sohn Billy kümmern. Schon bald entbrennt um Billys Sorgerecht ein Kampf, der von beiden Seiten mit härtesten Bandagen geführt wird…


Wie heißt es so oft? Die schönsten und dramatischen Geschichten schreibt das Leben selbst. Das trifft auch auf das Scheidungsdrama KRAMER GEGEN KRAMER aus dem Jahr 1979 zu. Regisseur Robert Benton schuf mit seinem Werk ein zugleich packendes und ergreifendes Drama. Der Zuschauer wird zugleich mit Rührseeligkeit und Traurigkeit konfrontiert, die zart besaiteten Zuschauer sollten sich besser Taschentücher bereit legen.

Für die tragenden Hauptrollen im Kampf um ein Kind traten Meryl Streep und Dustin Hoffmann in Erscheinung. Statt wie man es oft gewohnt ist, wurde die eisige und kalte Rolle des weiblichen Part zugetragen. Meryl Streep schafft es gut gezeichnet die kühle und unnahbare Person in Szene zu setzen. Schon allein die Anfangssequenz als sie ohne noch erkennbaren Gründen die gemeinsame Wohnung und das Leben mit ihrem Mann und ihrem Sohn verlassen will ist sehr betrübend. Dustin Hoffmann spielt souverän die verletzbare und fürsorgliche Rolle einer Familie. Realismus wird bei KRAMER GEGEN KRAMER sehr groß geschrieben. Zuhauf und täglich lassen sich Eltern trennen und oft sind Kinder die Leidtragenden in diesem Kampf. Vor allem wenn es später um das Sorgerecht der Kinder geht werden oft harte Geschütze und Bandagen vorgetragen. Im Laufe der Story wandeln sich unsere Hauptcharaktere und nehmen den Platz des anderen ein.

Doch anstatt nur auf die Tränendrüse beim Publikum zu drücken, gelang es dem Regisseur durch den Einsatz von Kleinigkeiten auch etwas fürs sinnliche Herz hervorzurufen. Sei es durch die Kochversuche der beiden Männer oder auch durch kleine Wortspielereien. Dustin Hoffmann versucht bodenständig sein neues Leben als Alleinerziehender Vater und Karriere-Mensch unter einen Hut zu bekommen. Natürlich mit wechselnden Erfolg und Niederschlägen. Da erscheint man mal zu spät im Büro oder kommt zu spät um sein Kind von einer Geburtstagsfeier abzuholen.

KRAMER GEGEN KRAMER spielt nicht nur gut mit den Gefühlen der Charaktere sondern auch geschickt mit denen des Publikums. Durch die ausgezeichnete Charakterisierung von Hoffmann und Streep gelang dem Regisseur ein bewegendes und sehr realistisches Drama zu schaffen. Nicht nur für Dramen-Fans eine Sichtung wert, vor allem ist die Thematik zeitlos und kann in jedes Jahrzehnt gespiegelt werden.