Kritik: 12 Stunden Angst (1990)

Die attraktive Single-Frau Carol Hunnicut (Anne Archer) wird heimlich Zeuge bei einem eiskalten Mord, verübt von dem mächtigen Gangsterboss Leo Watts. Voller Angst um ihr Leben flüchtet sie in eine abgelegene Berghütte. Hier wird sie von dem ehrgeizigen Staatsanwalt Caulfield (Gene Hackman) und dem Polizisten Berti aufgespürt und soll in Sicherheit gebracht werden. Doch ein Killerkommando ist bereits vor Ort und will die lästige Zeugin liquidieren. Mit knapper Not gelingt es Caulfield und seiner Zeugin, einen Langstreckenzug zu erreichen.

12 Stunden Angst ist ein Thriller der guten alten Schule, hier wurde mehr auf Spannung, den Spannungsaufbau und das berühmte Katz und Mausspiel der Kontrahenten gesetzt, als auf die pure Action. Narrow Margin wie er im Original heißt, stammt vom Regisseur Peter Hyams und ist ein Remake von UM HAARESBREITE von 1952.

Hyams machte sich in Hollywood mit seinen Werken einen guten Namen und konnte sich so einige Drehbücher angeln, die er filmisch sehr gut in Szene setzte. Zu seinen weiteren Werken zählen Erfolgsstreifen wie 2010 – DAS JAHR IN DEM WIR KONTAKT AUFNEHMEN von 1984, UNTERNEHMEN CAPRICORN von 1978 und nicht zu vergessen OUTLAND – PLANET DER VERDAMMTEN mit Sean Connery in der Hauptrolle, dieser Film entstand 1981. Aber Hyams arbeitete auch mit anderen Schauspielgrößen zusammen, sei es Jean – Claude van Damme oder auch Arnold Schwarzenegger. Er prägte das Kino in seiner Laufbahn durch seine Genreübergreifenden Werke sehr stark und inspirierte so zahlreiche andere Regisseure es ihm gleich zu tun.

Für 12 Stunden Angst wurde Gene Hackman verpflichtet, der hier routiniert seine Rolle darbietet, er hat ein Talent für dramatische und ausgeglichene Rollen, sei es in BAT 21 – Mitten im Feuer oder auch in den Supermanfilmen als Lex Luthor. Hackman haucht seinen Rollen immer die nötige Präsenz und Realität ein ohne überzogen oder überzeichnet zu wirken. An seiner Seite als Opfer ist Anne Archer zu sehen, sie drehte unter anderem mit Roger Moore DAS NACKTE GESICHT und viele weitere Produktionen, und auch sie spielt die Rolle des verzweifelnden, flüchtigen Opfers sehr realistisch und detailreich.

Hyams unterstrich die Dramatik der Flucht vor den Killern noch durch Weitwinkel aufnahmen, dadurch kommt die Einsamkeit und Abgeschiedenheit der Wälder Kanadas noch deutlicher zum Vorschein, und unterstreicht somit den Spannungsaufbau immens, und liefert dadurch auch beeindruckende Bilder dem Zuschauer. Die Spannungsschraube wird konstant angezogen und es gibt nur recht wenig Verschnaufpausen und Längen in der Story, das Katz und Mausspiel zwischen Anwalt (Hackman) und den Killern die Carol (Archer) das Leben nehmen wollen ist sehr abwechslungsreich, hier wird mit viel Verstand und Tricks den Killern an der Nase herumgetanzt. Sie sind sich alle so nah und doch so fern, kleine Gaunereien und Notlügen und Manipulation diverser Menschen die ihnen begegnen werden gekonnt eingespannt und zur unwissenden Mithilfe herangezogen.

Aber auch was Actionszenen angeht, wurde hier nicht komplett darauf verzichtet, der Zuschauer bekommt Verfolgungsjagden geboten, sei es mit PKW und in Verbindung mit einem Hubschrauber, oder auch wie man mit automatischen Waffen eine beschauliche Hütte dem Erdboden gleichmacht. Und kleine Actionsequenzen wie unter anderem eine Verfolgungsjagd auf einem Zug in der Nacht, die nur durch die Scheinwerfer von dem Hubschrauber sichtlich ist, ist sehr ansehnlich und hebt sich von dem typischen Einheitsbrei deutlich ab. Die Dosierung der Action gepaart mit den Krimielementen lassen somit den Zuschauer nur wenig Zeit zum nachdenken und lassen ihn in das Geschehen mit eintauchen. Die Action ist dezent und nicht übertrieben und bleibt stets im Hintergrund, sie dient allen voran dem Spannungsaufbau und der Unterhaltung des Zuschauers, der Hauptaugenmerk liegt in der Darstellung und Inszenierung der recht simplen Story, aber mit ordentlicher Wirkung.

Für 12 Stunden Angst sollte man sich ruhig etwas Zeit nehmen, so 90 Minuten reichen da vollkommen aus, man erlebt die 12 Stunden Angst in einem gesunden Erzähl-tempo, gute Abmischung von Action und Krimi und excellente Darsteller, manche werden wahrscheinlich nur die andere deutsche Synchron-stimme von Hackman bemängeln, an die man sich allerdings recht schnell gewöhnt hat. Den Streifen gibt es auf VHS und DVD und besitzt eine Freigabe von 16 die vollkommen gerechtfertigt ist.

Leider wird dieser unterhaltsame Streifen nur recht selten im Free TV ausgestrahlt, aber eine Anschaffung für die eigene Sammlung lohnt sich allemal, und man wird bestens unterhalten. Auch wenn der Film gut 20 Jahre nach der Blütezeit der reinen Krimis entstanden ist, so wirkt er nicht überzogen und kann sich gut bei den oberen Reihen mit einordnen und fällt nicht sonderlich negativ auf.