Kritik: Als die Frauen noch Schwänze hatten (1970)

Die Entdeckung des Sex in der Uhrzeit steht im Mittelpunkt dieses Lustspiels. Sieben junge Männer, die ganz allein auf einer Insel leben und diese für die ganze Welt halten, müssen einer vom Blitz entfesselten Feuersbrunst wegen aufs Meer fliehen und landen auf einer anderen Insel, wo ihnen ein seltsames “fremdes Tier” begegnet. Das “Tier” macht ihnen klar, dass es auch von menschlicher Natur ist. Als Filli, so heißt sie, Ulli, den Anführer der Sieben, in die Geheimnisse ihrer Natur einweist, da ist ihm bald klar, dass ihm das hübsche Spiel, dass Filli ihm beibringt, mehr Vergnügen bereitet als das Verspeisen einer delikaten Beute. Auch in dieser paradiesischen Urzeit gab es schon Eifersucht, denn die übrigen Sechs wollen auch zu ihrem Recht kommen. Ein Glück, dass Filli noch Artgenossinnen hatte. 

 

Wenn man von manchen Filmen den Originaltitel liest oder hört, dann klingt vieles sehr wohlwollend und interessant, aber oft werden solche Erwartungen und Vorfreuden durch das sogenannte Eindeutschen vernichtet. Ein gutes Beispiel dafür ist unter anderem Quando le donne avevano la coda, der im deutschen den Titel ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN. Der Film wurde 1970 gedreht unter den Anweisungen vom Regisseur Pasquale Festa Campanile. Zu seinen weiteren Werken zählen Klassiker wie WENN DU KREPIERST DANN LEBE ICH von 1972, HECTOR, DER RITTER OHNE FURCHT UND TADEL von 1976 mit Bud Spencer in der Hauptrolle oder aber auch BINGO BONGO von 1983 mit Adriano Celentano.

Anfang der 70er war die sexuelle Revolution und die Emanzipation der Frauen groß in Fahrt, und da kam das Drehbuch zu ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN von der italienischen Frauenrechtlerin Lina Wertmüller gerade richtig. Das Skript wurde nach der Fertigstellung der deutschen Schauspielerin Senta Berger vorgelegt, die widerrum sofort ihre Zusammenarbeit zusicherte. Für die männliche Hauptrolle wurde der Italiener Giuliano Gemma engagiert, auch er war ein sehr gefragtes Gesicht und verkörperte einige diverse Charaktere in Filmen. Diese Komödie war ein Kassenhit in Italien und tat sich leider sehr schwer in Deutschland, er floppte, und genoss erst viele Jahrzehnte nach Erscheinen einen gewissen Kultstatus und ist bei vielen kein Unbekannter Film.

Man sollte gleich vorweg sagen, das ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN eine aneinander Reihung von flachen Gags ist, die Sets sind sehr primitiv und wirken oft lieblos in Szene gesetzt. Lediglich die Kostüme, die aus Tierfellen bestehen sind eine Augenweide und Senta Berger ist oft aufreizend im knappen Tierfell Outfit auf der Leinwand zu erblicken. Berger und Gemma harmonieren zusammen auf der Leinwand, was auch Jahre später für weitere gemeinsame Filme die Grundsteinlegung war. Schauspielerisch betrachtet kann man nichts bemängeln, alle Darsteller auch die in den Nebenrollen wirken natürlich und der Zuschauer kann ein gutes Gefühl dafür bekommen wie es wohl damals in der Steinzeit abgelaufen sein könnte. Obwohl der Film einen leichten Sexistischen Touch hat, ist davon auf der Leinwand nicht zu entdecken.

Jede deutsche Schnittfassung ist in Deutschland geschnitten worden, es sind immerhin ganze 15 Minuten die fehlen. Durch den großen Erfolg in Italien wurden noch ein paar Fortsetzungen gedreht, die allesamt den Titel ALS DIE FRAUEN NOCH SCHWÄNZE HATTEN tragen, dies diente nur dazu die Zuschauer dazu zu bewegen sich auch den folgenden Teil anzuschauen, denn andere deutsche Titel waren unter anderem ALS DIE FRAUEN DAS BETT ERFANDEN oder TOLL TRIEBEN ES DIE ALTEN GERMANEN. Kleine Anmerkung Senta Berger lehnte die Synchronisation ihrer Rolle durch sie selbst weitgehend ab, sie wollte sich vom Schmuddelimage befreien und überließ diese Aufgabe einer anderen Person. Was nur seltsam ist, wenn man sich von so einem Image lossagen möchte, wieso spielt man dann in der Fortsetzung weiterhin mit?

Wer sich für ein wenig Steinzeitfeeling bereit erklärt und der deutschen schmuddeligen Version nicht abgetan ist, sollte ihn sich entweder auf VHS, DVD oder Blu-ray besorgen, alle Versionen sind leider in Deutschland nur geschnitten erhältlich. Mittlerweile ist der Film etwas angestaubt und versprüht aber einen gewissen Trash Faktor und dürfte so manchen Filmfan kurzweilig unterhalten und begeistern können. Handlungstechnisch sollte man seine Erwartungen auf unterster Sparflamme gedreht haben, dann funktioniert der Film recht gut!

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