Kritik: Bruce Lee – Die Todeskralle schlägt wieder zu (1972)

In Rom hat es ein Verbrechersyndikat auf ein chinesisches Restaurant abgesehen. Die Besitzer wären den Gangstern zweifellos ausgeliefert, hätten sie nicht Tang Lung (Bruce Lee), der ihnen mit seinen versierten Kampfkünsten hilfreich zur Seite steht. Nach mehreren misslungenen Versuchen, den neuen Verteidiger aus Hongkong zu bezwingen, heuert der Boss der Truppe schließlich den amerikanischen Karatemeister Colt (Chuck Norris) an, der für eine endgültige Entscheidung über Sieg und Niederlage sorgen soll.

Die Todesralle schlägt wieder zu (eigentlich “Way of the Dragon”, internationaler Titel) ist Bruce Lees berühmtester Film. Er schrieb das Drehbuch und führte hier auch zum ersten Mal Regie. Wenn man es genau nimmt, ist es seine einzige vollständige Regiearbeit, denn leider verstarb er kurz darauf mit erst 33 Jahren während der Film „Der Mann mit der Todeskralle“ entstand. Allerdings haben „Der Mann mit der Todeskralle“ und Die Todeskralle schlägt wieder zu nichts miteinander zu tun; es soll also keine Fortsetzung sein, denn „Der Mann mit der Todeskralle“ wurde erst 1973 veröffentlicht. Die Todeskralle schlägt wieder zu wurde 1972 in Hongkong uraufgeführt, kam aber erst 1975 in die deutschen Kinos, da war Bruce Lee schon zwei Jahre tot. 1972 entstand außerdem noch „Todesgrüße aus Shanghai“ unter der Regie von Lo Wei.

Die Handlung ist so platt wie ‘ne Briefmarke und recht schnell erzählt, wie man oben lesen kann, und nach jeder neuen Sichtung, die bei mir so alle Jubeljahre stattfindet, weil mal wieder irgendeine neue Edition auf den Markt kommt, wird mir das mehr und mehr bewusst. Dient das alles doch nur dazu, um Kampfszenen zu zeigen. Aber egal, irgendwie mag ich diesen Film dennoch, denn es war der erste Film von und mit Bruce Lee, den ich gesehen habe. Allein schon der finale Endkampf Bruce Lee gegen Chuck Norris ist das Ansehen von Die Todeskralle schlägt wieder zu wert. Mehrere Minuten prügeln sich die beiden im Kolosseum, wobei man natürlich schon vorher weiß, wer gewinnt.

Bruce Lee agierte für seinen Film auch als Choreograph. Die Kämpfe fallen für dieses Baujahr recht spektakulär aus. Mit Stöcken, Nunchakus (heißen die Dinger wirklich so? ^^) und selbstgemachten Holzpfeilen duelliert sich Bruce Lees Charakter mit dutzenden von Gegnern. Die Anzahl der Keilereien fällt aber relativ gering aus und man muss sich eine gute halbe Stunde gedulden, bis der Film richtig in Fahrt kommt. Dafür gefallen die harten Kämpfe und sind in den letzten dreißig Minuten oft vorhanden. Gut ist, dass man es nicht übertreibt wie üblich. Hier fliegen die Kontrahenten nicht durch die Lüfte oder schlagen Saltos. Man bleibt weitestgehend auf dem Boden der Tatsachen.

Die Kulisse Roms erweist sich als recht exotisch, auch einige Sehenswürdigkeiten werden gezeigt, wie zum Beispiel alte Ruinen und vor allem das alte Kolosseum, das für den Endkampf zwischen den beiden Titanen Lee / Norris verwendet wurde.

Bruce Lee hat mich persönlich noch nie durch sein Schauspiel überzeugt. Er agiert auch in diesem Film solide und die deutsche Synchronisation (von der es hierzulande zwei gibt) ist recht passabel. Nur sein übliches Kampfgeschrei hätte er etwas mäßigen können, in manchen Szenen wirkt das nur noch lächerlich. Chuck Norris hat hier auch nur einen Gesichtsausdruck zu bieten, und dieser hat sich im Laufe seiner schauspielerischen Laufbahn auch nicht verändert, legte aber dennoch mit dieser Rolle einen entscheidenden Grundstein für seine spätere Karriere. Das restliche Feld kann man unkommentiert lassen und der in meinen Augen etwas naive Hongkong-Humor kommt nur ganz selten zur Geltung.

Trotz all der Schwächen ist Die Todeskralle schlägt wieder zu für die Fans von Bruce Lee ein Kultfilm. Das kann und soll man natürlich kritisch sehen, aber auf jeden Fall ist dieser Eastern immer wieder einen Blick wert.

Die Todeskralle schlägt wieder zu gibt es als Super 8 Schnittfassung, auf Video, DVD und BluRay-Disc. Und nur die Fassung auf dem HD-Medium ist einhundert Prozentig ungeschnitten. Hin und wieder sieht man ihn auch im Fernsehen. Und zu diesem Thema gibt es noch was hinzuzufügen: Wie ich schon oben erwähnte, war dieser Film der erste mit Bruce Lee, den ich gesehen habe, und zwar vor über zwanzig Jahren im ZDF. Dort hieß er aber „Die Faust des Drachen“. Was ich damals nicht wusste: der komplette Film wurde neu synchronisiert und war vollständig ungeschnitten und um einige Sekunden länger als die deutsche Kinofassung und die Fassung auf Video. Und hier muss man jetzt folgendes wissen: dieser Film war zu diesem Zeitpunkt noch indiziert. Aber die klugen Redakteure vom ZDF hat das wohl nicht sonderlich geschert und zum damaligen Zeitpunkt war es in Deutschland noch erlaubt, indizierte Filme ungeschnitten nach 23 Uhr zu zeigen. Das änderte sich 1995, als Tante Merkel als Familienministerin in unserem Land gewütet hat und ihre faschistischen DDR-Ansichten in unser freiheitliches Denken hat einfließen lassen. Denn genau ab diesem Zeitpunkt hat man den Film nicht mehr ungeschnitten im TV gesehen, wurde er doch auch von anderen Sendern (ARD, Dritte Programme) recht oft wiederholt, und die hatten sogar Zugang zur neuen und in meinen Augen besseren ZDF-Synchronisation. Erst jetzt, wo der Film nicht mehr auf dem Index steht und von der FSK sogar eine 16er Freigabe bei einer Neuprüfung bekommen hat (vorher war er ab 18 Jahren freigegeben), wäre es wieder möglich, ihn in seiner ursprünglichen Fassung zu zeigen, sogar schon ab 22 Uhr. Aber das ist bis zu diesem Zeitpunkt leider nicht geschehen. Vielleicht sollten sich die ZDF-Redakteure dem mal annehmen und ihn ins Programm von ZDF-Kultur nehmen. Denn genau dort würde er heute prima hinpassen.