Cannibal Man (1971)

Marcos arbeitet in einer Konservenfabrik, der ein Schlachthof direkt angegliedert ist, wo er sieht, wie Töten zum Beruf wird. Als Marcos und dessen Freundin eines Abends mit einem Taxi unterwegs sind, wirft der Fahrer die beiden aus dem Auto, woraufhin es zu einem Handgemenge kommt und Marcos den Fahrer erschlägt. Als die Freundin ihre Absicht kundtut, den Vorfall der Polizei zu melden, muß sie ebenfalls ihr Leben lassen. Marcos’ Blutrausch fordert nun ein Opfer ums andere. Die Leichen der Ermordeten entsorgt er stückweise in der Konservenfabrik.

 

Das schon in den 70er Jahren interessante und abseits des Mainstreams Filme stammen, haben wir schon mehr als einmal unter die Lupe genommen, und der Film „CANNIBAL MAN“ ist auch einer dieser Fraktion. Er ist eine Mischung aus Drama, Thriller und Horror, wobei hier oft irrtümlich er als reiner Horrorstreifen betitelt wird, doch wer mal genauer hinter die Fassade schaut, der kann noch mehr entdecken und das volle Potenzial ausschöpfen.

Er entstand unter der Regie von Eloy de la Iglesia, der uns auch Filme wie „DEAD ANGEL – EINBAHNSTRASSE IN DEN TOD“ von 1973 nach Deutschland brachte, die restlichen Werke unter seinen Regieanweisungen sind eher unbekannt und hier kaum veröffentlicht worden.

Man muss gleich beim Film dazusagen, das der Titel etwas den Interessierten in die Irre führt, denn im wahrsten Sinne des Wortes, oder Wörter hat dieser Film nur wenig mit Kannibalismus zu tun. Im Prinzip nicht er selbst, sondern die Personen die das Fleisch essen, wo er seine Leichen drin entsorgt werden ungewollt zu Kannibalen, mehr aber auch nicht. Man kann CANNIBAL MAN auch sehr gut als Drama einsiedeln, besonders politisch gesehen, denn die Klassifizierung der einzelnen Schichten war früher schon ein brisantes Thema in Spanien, entweder arm oder reich, diese Widersprüche merkt man im Film gut daran das unser Hauptdarsteller mit seinem Bruder sich ein altes verfallenes Haus teilen muss, und seine Bekannten aus der näheren Umgebung wohnen in den Prunkvollen Neubauten gleich gegenüber, das sowas auch den Frust mancher Menschen schürt, dürfte einem wohl kaum verwundern, denn ein Job in einer Konservenfabrik ist bestimmt nicht die Erfüllung, vom Verdienst ganz zu schweigen, und ein anderer junger Mann sitzt den ganzen Tag rum und schreibt ein Drehbuch und kann sich alles leisten was er mag. Was an CANNIBAL MAN noch sehr interessant ist, die Verwandlung von einem braven unbeschuldeten Bürger zu einem eiskalten Killer, der eigentlich nur seine eigene Haut retten vermag.

Der erste Mord entsteht im Affekt und war nicht beabsichtigt, und wenn jemand durch gewisse Umstände die Gefahr läuft ihn und seinen Mord zu entdecken, dann muss man halt diese Person auch aus dem Weg schaffen, der Killer wird immer abgebrühter und kälter in seiner Art und Weise. Diese Verwandlung ist vielleicht für viele nicht nachvollziehbar, aber die Realität hat uns diese Art schon mehr als einmal bewiesen, ein Motiv ist nicht immer der Auslöser. Der Spannungsaufbau verhält sich etwas dezent im Hintergrund und kommt nur schwer in Fahrt, jedoch wird dieses noch die paar härteren Szenen umgesetzt und verstärkt, hier wird schon mal das Beil geschwungen oder die Kehle aufgeschlitzt, mit Blut wird nicht gespart, jedoch bleiben einem die Szenen wo die Opfer zerteilt werden erspart, und man erlebt dies nur per Schattenbilder. Der Killer überlegt sich ziemlich lange wohin er die Leichen denn nun schaffen sollte, denn allmählich fängt es im Haus an zu stinken und müffeln, und die Fliegen sind auch schon unterwegs, nach langer Zeit wo auch Parfums und Duftsprays nicht mehr helfen, kommt ihn hier die rettende Idee, dieser Auslöser des Gedankes zur Entsorgung kommt sehr spät und ist wohl eher kaum nachvollziehbar, auch hier darf sich ein Logikloch ins Drehbuch schleichen.

Im grossen und ganzen ist CANNIBAM MAN dennoch ein interessanter Streifen, den man sich ruhig mal in Ruhe anschauen sollte, wieso die FSK diesen Film solange unter Kontrolle hatte, ist mir zwar etwas subjekt, aber die Wege und Gründe der FSK in Deutschland sind unergründlich. CANNIBAL MAN gibt es nur auf VHS in Deutschland und alle Versionen sind geschnitten, doch demnächst kommt CANNIBAL MAN ungeschnitten auf DVD in den Handel, da nützt es auch nichts wenn man den Streifen in einer schicken Glasbox auf VHS hat, ein ungetrübter Filmgenuss nur bitte ungeschnitten.

Kurzes Fazit: Wer sich nicht scheut mehr ein Drama als Horror zu schauen und ergründen will was sich hinter dem Titel verbirgt, sollte sich den Streifen wenigstens einmal angesehen haben, ob man ihn mehrmals sehen sollte ist jedem selbst überlassen, vieles bleibt einem nicht unbedingt im Gedächtnis haften.