Kritik : Das Haus der lachenden Fenster (1976)

In einer ländlichen italienischen Kleinstadt soll der Restaurator Stefano (Lino Capolicchio) ein Kirchengemälde freilegen und restaurieren, das den heiligen St.Sebastian zeigt. Schon als er die Arbeit antritt, ist er fasziniert von der Ausstrahlung des Wandgemäldes, das ein lokaler Künstler gemalt haben soll, denn es ist überaus realistisch in der Qual und Verzweiflung des Dargestellten. Während er es langsam freilegt, kommen jedoch auch bisher unbekannte Teile des Gemäldes ans Tageslicht, u.a. zwei mysteriöse Figuren, die den Heiligen quälen. Stefano versucht im Dorf herauszufinden, was es mit dem Bild auf sich hat, doch die Bewohner sind verschwiegen und seine beste Informationsquelle stirbt unter mysteriösen Umständen. Der Restaurator hat an einem fast verschütteten Geheimnis gerührt und die Folgen sind schrecklich.

 

Im Jahr 1976 brachte der italienische Regisseur Pupi Avati einen Film in die Kinos, der von vielen Kritikern mit Dario Argento und Mario Bava gemessen wurde. Dies zurecht, denn Avati schaffte einen bedeutsamen Beitrag zum italienischen Horrorkino. Er schaffte es Kunst, Horror mit Schönheit und Abscheulichkeit zu vereinen. Zu seinen weiteren Werken zählen Filme wie ZEDER – DENN TOTE KEHREN WIEDER von 1983 und EINE GESCHICHTE VON MÄNNERN UND FRAUEN von 1989.DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER von 1976 ist eine Mischung aus Thriller und Gruselfilm, beide Genre wurden ausreichend und wirkungsvoll in Szene gesetzt, ein wenig Mystery floss ebenfalls ins Drehbuch und mit ein paar Elementen des Gruselfilms gewürzt. Somit schaffte Avati eine Spannung und Atmosphäre aufzubauen, die von Anfang bis Ende des Films sich durchzieht, und wenn man als Zuschauer das Gefühl bekommt, das die Spannungskurve abbaut, nutzte er Gruselelemente um diese wieder aufleben zu lassen, sei es durch Einsatz von Schatten oder knarrenden Geräuschen, die den Zuschauer wieder hellhörig werden lassen.

In DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER geht es um den Restaurator Stefano, der ein Angebot bekommt, er soll in einem kleinen Dorf ein Kunstgemälde wiederherstellen. Doch Dorfbewohner raten ihm von seinem Unterfangen ab und er solle wieder verschwinden bevor er zu spät sei. Doch die Neugier von Stefano ist riesig, sein Interesse an den Hintergründen zum Gemälde sind geweckt und er stellt Nachforschungen an. Der Künstler des Gemäldes war als KÜNSTLER DES TODES bekannt, er galt als Sadist, und soll laut gerüchten eine Vorliebe für Menschen gehabt haben kurz vor ihrem Tode um sie realistisch zu malen. Zwar ist der Künstler bereits verstorben, aber sein Haus steht noch im Dorf und birgt ein Geheimnis, Stefano möchte dieses lüften, doch was verbirgt sich hinter der Familie und deren Abgründe genau?

Avati schaffte einen spannenden 100 minütigen Gruselstreifen, der auch noch nach Ende des Abspanns seine Spuren beim Zuschauer hinterlässt. Schon zu Beginn des Films dürfte vielen Filmfans dieses Unterfangen klar werden, denn von der ersten Sequenz aus bekommt man das Gefühl der beklemmenden Atmosphäre um die Ohren und Augen geworfen. Viel zur Spannung und Aufbau des Films trägt auch die Sounduntermalung bei, bedrohlich wirkende Musiksequenzen lassen den Zuschauer hellhörig werden, die Neugier ist geweckt, und wird noch durch knarrenden Geräuschen untermauert. Die Setauswahl wirkt eher kaum bedrohlich, das Dorf ist natürlich und eine Augenweide für Naturanhängern, ein kleines italienisches Dorf mit alten Häusern, doch durch die Geschichte die sich im Dorf zugetragen hat, Tod und Schmerz, bekommt dieses einen ganz anderen Betrachtungspunkt.

DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER gibt es nur auf DVD, sie sind unter anderen im Vertrieb vom Label „cmv Laservision“ und sind allesamt ungeschnitten. Mir lag die Retro-Edition Nr. 29 vor, sie kommt im Super Jewel Case daher und ist limitiert auf 399 Exemplare. Sie beinhaltet Audiokommentar von Dr. Marcus Stiglegger und Kai Neumann, zwei Trailer, eine Bildergalerie und einen Trailer zu ZEDER. DAS HAUS DER LACHENDEN FENSTER ist für Fans des italienischen Kinos Pflichtprogramm und sollte in keiner guten Sammlung fehlen. Ein wahrliches Meisterwerk des italienischen Kinos der 70er Jahre.