Kritik: Das Tier II (1985)

Ben White (Reb Brown) begegnet auf der Beerdigung seiner Schwester dem Werwolf-Experten Stefan Crosscoe (Christopher Lee). Von dessen Geschichten über Werwölfe hält Ben zunächst nicht viel, doch als er die Transformation seiner verstorbenen Schwester mit ansehen muß, entscheidet er sich dieser Blasphemie ein für alle Male ein Ende zu setzen. Dafür ist es notwendig nach Transylvanien zu fahren, um vor dem nächsten Vollmond die mächtige Werwolf-Anführerin Stirba zu töten…

 

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen DVD-Fassung eines namentlich nicht bekannten Bootleg-Labels, basierend auf dem DVD-Release von MGM! Mittlerweile wurde gegen das überteuerte Bootleg Abhilfe in Form einer lizensierten Veröffentlichung geschaffen, die über Euro Video vertrieben wird.

Vier Jahre nach Joe Dantes Werwolf-Horror “Howling – Das Tier” inszenierte Phillipe Mora unter dem Untertitel “Your Sister Is A Werewolf” die Fortsetzung und den Ursprung einer Reihe noch weiterer Sequels.
“Howling II” ist von Beginn an Trash pur und reicht nicht an die inszenatorischen Qualitäten des Originals heran, ist aber dafür um ein Vielfaches unterhaltsamer und wird zumindest seinem Titel und dem Genre voll und ganz gerecht.
Während der Zuschauer sich beim ersten Teil in Geduld üben musste und die Werwölfe erst nach einer halben Stunde auftauchten, legt Mora bei seiner Fortsetzung einen Zahn zu und serviert dem Zuschauer im Minutentakt genau das, wonach es ihm dürstet: animalischen Horror – schön blutig und mit einer ordentlichen Prise Sex und Splatter gewürzt.

Das Spektakel ist mit einer Mischung aus finsteren Eigenkompositionen und rockigen Musikeinlagen untermalt, die sich dem morbiden Charme der Kulissen anpasst, die für die nötige unheimliche Atmosphäre sorgen.
“Howling II” ist dabei vielmehr die Gothic-Variante seines Vorgängers und unterhält mit seinem bizarren, düsteren Look und den erotischsten Werwölfen der Filmgeschichte:
Wenn das Fest des Vollmondes gefeiert wird, versammeln sich alle Werwölfe in knappen Lack- und Ledermonturen, um sich bei einer riesigen Orgie zu verwandeln und zu vereinigen.

Das freizügige Treiben erinnert thematisch etwas an “Tanz der Vampire” – nicht zuletzt weil Ferdi Mayne – “Graf Krolock” aus besagter Vampirfilm-Parodie – in einer kleinen Rolle als alternder Werwolf zu sehen ist.
Horror-Legende Christopher Lee – hier als okkulter Ermittler Stephan auf der Seite des Guten – und Sybill Danning als Stirba, Herrscherin aller Werwölfe, sind die weiteren namhaften Stars, und auch wenn es Dannings einzige Aufgabe ist, drei, vier unsinnige Dialogphrasen von sich zu geben, theatralisch zu fauchen und sich den Umhang von ihrem ansehnlichen Körper zu reißen, so schafft sie es trotz ihres begrenzten Talents, die beiden weiteren Hauptdarsteller Annie McEnroe und Reb Brown, an die Wand zu spielen. Diese beiden Darsteller haben noch weniger Talent als die unzähligen ungarischen Laiendarsteller und man wünscht sich sehnlichst, dass sie alsbald Opfer eines Werwolfs würden.

Christopher Lee dagegen geht in seiner Rolle perfekt auf und weiß zu überzeugen. Zugegeben: aus dem Mund des großen Lee sind auch schon bessere Dialoge zu hören gewesen, doch man hat ihn auch schon sichtlich lustloser agieren sehen. Anscheinend hat ihm der Trip nach Ungarn viel Freude bereitet, denn er ist mit sichtlicher Spielfreude dabei.
Effekte, Schauspiel und Dialoge können sich, angesichts des knappen Budgets, natürlich nicht mit dem Niveau des Originals messen.
Die Verwandlungen vom Mensch zum Werwolf werden hier bei weitem nicht so perfekt in Szene gesetzt wie bei Joe Dante, die Maskeneffekte sind billig, aber angesichts der Vielzahl an Werwolf-Sequenzen solide umgesetzt.
Zwischendurch wird etwas zu viel Hokuspokus geboten, was nicht mit der eigentlichen Thematik zu tun hat. 

Vor allem die Konfrontation zwischen Stephan und Stirba ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, wodurch das sehr blutige Finale viel an Atmosphäre und Dramatik verliert.

“Howling II” ist sicherlich kein Meisterwerk, aber als Fortsetzung eines Klassikers, dem ein viel besserer Ruf vorauseilt, als er verdient, ist “Your Sister Is A Werewolf” sinnfreies, aber durchaus unterhaltsames Horror-Entertainment mit hohem Trashfaktor und gelegentlichen Schwächen, die durch verstärkten Einsatz von Sex und Splatter wieder wett gemacht werden.

Für Fans des Genre durchaus zu empfehlen!

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