Der Berserker (1974)

Giulio Sacchi ist arbeitslos, arbeitsunwillig, ohne familiäre Bindungen und schnell mit der Benutzung von Maschinenpistolen bei der Hand. Er lässt sich als Fahrer eines Raubüberfalls anheuern, plant die Entführung einer Industriellentochter, begeht Morde und findet zwei Gleichgesinnte in Vittorio und Carmine, mit denen er Marilù, besagte Tochter des Industriellen Porrino, entführt und sie vergewaltigt.

Die Polizei schätzt die Entführer als unberechenbar ein und rät, kein Lösegeld zu zahlen. Die Orgie der Gewalt geht weiter; Giulio tötet selbst seine Geliebte Jone, die einiges von den Verbrechen weiß. Das Lösegeld wird schließlich doch bezahlt. Giulio bringt die Geisel und seine Komplizen um. Nach seiner Verhaftung wird er wegen Mangels an Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt. Kommissar Grandi ist jedoch von seiner Schuld überzeugt und tötet ihn auf eigene Rechnung.

 

Wer den Namen Umberto Lenzi liest denkt sicher sofort an Filme wie „LEBENDIG GEFRESSEN“ von 1980, „GHOSTHOUSE“ von 1988 und „DIE RACHE DER KANNIBALEN“ aus dem Jahr 1981, aber das Lenzi auch ein Talent für andere Genre besaß bewies er eindrucksvoll auch in „ER – STÄRKER ALS FEUER UND EISEN“ von 1983 und in DER BERSERKER von 1974 mit Tomas Milian in der Hauptrolle. Die Zusammenarbeit mit Milian gebürte ihm mehrere Male in seiner Filmlaufbahn, ein paar Jahre zuvor arbeiteten sie zusammen an den Streifen „DIE KRÖTE“.

Der italienische Schauspieler Milian durfte in diesen Film mal so richtig die Sau raus lassen, im Prinzip macht der Titel der Rolle von Milian namens Guillio Sacchi alle Ehre, denn hier wütet er wie ein Berserker. Hier wird gesoffen, Frauen gedemütigt und einfach wie Dreck behandelt, dazu kommen noch Waffen mit denen man nicht nur Löcher in den Käse schiessen kann. Die Gewalttaten in der Berserker sind sadistisch und werden von Sacchi seinen Gaunerkameraden nach allen Regeln der Kunst unterstützt, verkörpert wurden sie sehr eindrucksvoll von Ray Lovelock und Gino Santercole. Doch die Rolle des Gegenparts auf der Seite der Polizei verblasst doch sehr gegen die Rolle von Sacchi, auch wenn hier ein Namenhafter Darsteller sein Stell Dich Ein hat, so wirkt er etwas weit in den Hintergrund und irgendwie fehl am Platze, die Rolle des Cops wurde von dem amerikanischen Schauspieler Henry Silva gespielt, ihn kennt man auch aus „DICK TRACY“ von 1990 an der Seite von Warren Beatty, „NICO“ von 1988 mit Steven Seagal und „BUCK ROGERS“ von 1979 als Kane, um hier nur mal ein paar Beispiele aufzuführen.

Musikalisch kann der BERSERKER auch gut punkten, die Musikauswahl stammt vom Komponisten Ennio Morricone, der hier seine düstere Welt der Musik dem Zuschauer um die Ohren blies, Morricone ist ein beliebter Komponist, seine Werke vernimmt man in Filmen wie „RED SONJA“, „ES WAR EINMAL AMERIKA“ und „DAS DING AUS EINER ANDEREN WELT“ von 1982. Die dunkle Thematik des Films und die dichte Atmosphäre wird durch Morricone noch zusätzlich verstärkt und ausgedrückt. DER BERSERKER bietet dem Zuschauer auch ein paar Actionszenen, doch Umberto Lenzi war bekannt dafür viele Szenen aus anderen Streifen wieder zu verwerten, und so auch in diesem Werk, manche Autoverfolgungsjagden kennen die Fans von Lenzi bereits aus dem Film „DIE VIPER“, doch Lenzi schaffte es einen spannenden und anrüchigen Polizeistreifen aus dem Hut zu zaubern, der eigentlich fast nur von Tomas Milian lebt. Laut diversen Aussagen soll am Drehset der Alkohol massenweise geflossen sein, um den Ausdruck der Szenen mehr Ausdruck und Realität zu übermitteln, wenn dies so war, dann ging diese Schnapsidee vollkommen auf.

Wer sich einen gut inszenierten Italo – Cop Streifen zulegen möchte, sollte sich die DVD vom Label „NEW“ besorgen, sie hat eine Freigabe von 18 und ist vollkommen ungeschnitten und umfasst auch ein paar Extras, eine Dokumentation über den Berserker, den Soundtrack, ein paar Trailer und eine Bildergalerie. Für Fans des Originaltons gibt es die italienische Synchronisation, mit deutschen Untertiteln, allerdings gibt es alle Tonspuren nur in Mono, aber dafür störungsfrei und rauschfrei. Der deutschen Synchronisation wurde viel Aufmerksamkeit spendiert, in den 70er Jahren wurde noch darauf geachtet das eine Neusynchronisation sehr nah am Original ist, sei es durch Wortwahl oder auch die Stimmenwahl. Sowas ist in meinen Augen noch ein Kunstwerk und macht diesen Streifen noch mehr zu was besonderem!

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