Kritik: Der Mann auf der Mauer (1982)

Kabe wohnit Ost-Berlin, mit Blick auf die Mauer. Je länger er sie anstarrt, desto mehr will er sie überwinden. Kabes diesbezügliche Versuche bringen ihn in den Knast, in die Psychatrie und zuletzt an das Ziel seiner Träume: in den Westen. Aber kaum ist er dort angekommen, türmen sich neue Probleme vor ihm auf.

 

Den Ruf der Freiheit konnte nicht jeder hören, die Menschen die in Berlin auf der falschen Seite der Mauer gewohnt hatten, mussten so einiges durchleben und überstehen. Diese Angelegenheiten und Wünsche, Bedürfnisse der Menschen werden in dem Film „DER MANN AUF DER MAUER“ sehr eindringlich dem Zuschauer präsentiert, der Wunsch in den Westen blieb für viele verwehrt, jene welche die es geschafft hatten auf die andere „gute“ Seite vorzudringen, standen nun komplett anderen Problemen gegenüber, der Gedanke das im Westen alles einfacher wäre wurde vielen ein Verhängnis und brachten ihnen nur noch grössere Probleme ein.

Der Regisseur Reinhard Hauff nahm sich das Drehbuch vor und brachte all diese Dinge, Gedanken und mehr auf die deutsche Leinwand, das war im Jahr 1982. Hauff drehte einige Filme die sich mit besonderen Dingen auseinander setzten, sei es „ENDSTATION FREIHEIT“ von 1988 oder auch „OFFENER HASS GEGEN UNBEKANNT – AUS DER ERKLÄRUNG DES STRAFGEFANGENEN H.S.“ von 1971. Hauff schaffte es immer wieder mit minimalistischen Mitteln eine interessante Story zu verpacken und in nachdenklichen Bildern dem Zuschauer zu zeigen, so wie auch bei diesem Werk.

Für die Hauptrolle des Kabe wurde Marius Müller-Westernhagen gecastet, der sonst bekannte Musiker stand schon einige male vor der Kamera und bewies das er auch dort seine Qualitäten besitzt und sie herausbringen kann, zu seinen bekanntesten Werken zählen zweifellos „THEO GEGEN DEN REST DER WELT“ von 1980, das dieser Film bereits eine Fortsetzung war wissen die wenigsten, der Film „AUFFORDERUNG ZUM TANZ“ von 1977 war der erste Teil der THEO Reihe, aber auch in „DER MÖRDER“ von 1979 und in einem Tatort konnte man Müller-Westernhagen vor der Kamera erleben.

DER MANN AUF DER MAUER zeigt dem Zuschauer sehr deutlich und interessant wie es wohl war, wenn ein Ossi sich auf den Westen freut und wenn er sein Ziel erreicht hat, um was er dort kämpfen muss, sei es einen Job zu finden, die ganzen Papiere und Unterlagen zusammen zu suchen und wenn man ganz alleine da steht, ohne Familie und Freunde und komplett von vorne anfangen muss, aber auch zwielichtige Gestalten treten in das Leben von Kabe und bringen seine Ideen und Wünsche etwas durcheinander und lenken ihn in eine ganz andere Richtung. Das dies alles nicht immer positiv für alle Beteiligten ausgeht, könnte sich wohl jeder denken, aber denken ist nicht sehen, und Regisseur Hauff und die Darsteller, allen voran Müller-Westernhagen zeigen es sehr deutlich.

Der Film spielt in dem Jahr indem er auch entstanden ist, keine Zukunftsvisionen oder Schwenker in die Vergangenheit, der Zuschauer erlebt die Realität pur, sei es auf der Ost oder Westseite, denn eine Flucht bringt nicht nur Probleme für den Flüchtigen mitsich, auch die Hinterbliebenden stehen vor ganz neuen Herausforderungen und müssen sie sich ihnen stellen, allen voran der STASI. Der Film DER MANN AUF DER MAUER ist sehr dialoglastig und geht seiner Sache sehr ruhig nach, zwar bekommt man auch mal eine kleine Klopperei zu sehen, doch dies war es auch schon, er ist eher ein Drama und sollte nur Geduldigen Zuschauern vorgesetzt werden, manche Passagen sind etwas langatmig und schwer nach zu vollziehen, doch wer kann sich schon zu 100% in die Story hineinversetzen? – die wenigsten wohl unter uns, dennoch regt der Film zum nachdenken an, und hinterlässt seine Spuren und vielleicht sehen manche nach dem Film gewisse Dinge in einem ganz anderem Licht.

DER MANN AUF DER MAUER gibt es in Deutschland auf VHS und DVD, die VHS ist vom Label „VMP“ in einem silbernen Einleger, die DVD vom Label „ARTHAUS“ lag mir vor, sie bietet klaren Ton und ein recht sauberes Bild, nur leichtes Bildrauschen, aufgrund des Alters des Films wohl, aber dennoch sehr ansehnlich und geniessbar. Er hat eine Freigabe von 12 bekommen und wird leider soweit ich informiert bin, recht selten im Free TV ausgestrahlt, was ich sehr schade finde, denn trotz der vielen Dialoge und langatmigen Passagen, ist er unterhaltsam und auf seine Art und Weise spannend und facettenreich erzählt. Nicht nur Dramafans ist dieser Film eine Empfehlung, auch Müller-Westernhagen Fans sollten mal einen Blick reinwerfen, denn der THEO konnte noch mehr als nur LKW fahren!