Kritik: Die Klasse von 1984 (1982)

Der junge Lehrer Andy Norris wird an eine Schule versetzt, an der Lehrkräfte und Mitschüler von einer brutalen Punk-Gang terrorisiert werden. Norris Bestreben, dem üblen Treiben ein Ende zu setzen, führt zur Vergewaltigung seiner Frau durch die Kriminellen. Daraufhin sieht der gedemütigte Lehrer rot und geht ebenso schonungslos gegen die gewalttätige Gang vor.

Die Kritik beruht auf der ungeschnittenen Fassung von Marketing, erschienen als Re-Pack in einer Retro-Hartbox von XT Video!

Nach dem 70ies-B-Movie “Massaker in Klasse 13” folgt mit Mark L. Lesters “Die Klasse von 1984” ein weiterer Beitrag zum Thema “Gewalt an Schulen”, wobei “1984” sowohl in Bezug auf die schauspielerischen als auch inszenatorischen Qualitäten, vor allem aber hinsichtlich der dargestellten Thematik, auf ganzer Linie punkten kann und insgesamt überzeugender ist als “Klasse 13”.
Es ist nicht zu leugnen, dass Lesters Highschool-Reißer sämtliche Klischees und Stereotypen auffährt, die das Genre zu bieten hat: 
vom idealistischen Lehrer, der voller Enthusiasmus seine erste Stelle antritt, über den brutalen Anführer einer Gang und dem paragraphenreitenden Schuldirektor, bis hin zum desillusionierten Lehrer, der der Gewalt an der Schule nicht Herr wird, sich selbst als Versager sieht und nur noch Halt im Alkohol findet – “1984” fährt die gesamte Bandbreite altbekannter Versatzstücke des Genre auf, erhebt dabei aber auch gleichzeitig den Anspruch, trotz der dargestellten Härte und der reißerischen Actionelemente, so etwas wie eine Sozialstudie zu sein, in dem er versucht, den Charakteren Tiefe zu verleihen, das Handeln der Protagonisten zu hinterfragen und auch hinter die Kulissen des Schulalltags zu schauen. 

Wurden in “Klasse 13” Unterrichtsszenen und Lehrer komplett aus der Handlung gestrichen und auch die familiären Hintergründe der Unruhestifter nicht weiter erläutert, gibt sich “1984” in dieser Hinsicht zumindest die Mühe, ein möglichst realistisches, wenn auch überzogenes Bild einer typisch amerikanischen Problem-Highschool zu entwerfen und den Rädelsführer der Schulgang nicht als tumben Gewaltfreak darzustellen, sondern als ausgesprochen intelligenten Sohn aus gutem Hause zu präsentieren – was das unerbittliche Katz- und Mausspiel zwischen ihm und dem jungen Lehrer nicht nur interessant, sondern auch vielseitig erscheinen lässt. 
Hier trifft nicht nur Intelligenz auf pure Muskelkraft und kriminelle Energie, sondern Intelligenz trifft auf Intelligenz gepaart mit krimineller Energie, was dem Duell zusätzlichen Reiz verleiht und die beiden Kontrahenten zu ebenbürtigen Gegnern werden lässt, die sich wie zwei Pittbulls bis aufs Blut bekämpfen und versuchen, sich gegenseitig die Knochen abzujagen.

Dass dabei, zugunsten einer spannenden Dramaturgie und einer entsprechenden Entwicklung vom Thriller hin zum blutigen Rape & Revenge-Movie, Übertreibungen und Logikbrüche vorprogrammiert sind, steht sicherlich außer Frage – denn hier haben wir es weder mit einem Lehrfilm, noch mit einem weiteren Teil aus der Reihe “Die Lümmel von der ersten Bank” zu tun, sondern mit einem knallharten, teilweise schonungslosen Film, der auf ein brutales und blutiges Finale zusteuert, bei dem in bester “Ein Mann sieht rot”-Tradition die Gewaltspirale auf die Spitze getrieben wird und sich der junge Lehrer vom Opfer zum Täter wandelt und – zugegeben in einer übertriebenen Form von Notwehr – zum gnadenlosen Gegenangriff übergeht. 
Dass dabei dem Film wie bei der “Death Wish”-Reihe eine mehr als fadenscheinige Selbstjustiz-Ideologie anhaftet mag heutzutage bitter aufstoßen, zollt aber der damaligen Welle harter Actionfilme ihren Tribut. Wo die Justiz versagt und die Paragraphen so ausgelegt werden, dass das Opfer als Täter dasteht, heiligt der Zweck jedes noch so fragwürdige Mittel, um in der Gesellschaft für Gerechtigkeit zu sorgen.

In vielerlei Hinsicht vorhersehbar und teilweise auch kontrovers, dabei aber sehr sorgfältig und sauber inszeniert, ist “Die Klasse von 1984” nichts weiter als ein spannender und dramatischer Highschool-Schocker, der – allen reißerischen Elementen zum Trotz – um Realismus und eine glaubwürdige Charakterentwicklung- und Tiefe bemüht ist und somit in allen Belangen das Klassenziel erreicht hat. 

Bestes Old-School-Entertainment aus der guten alten Zeit.