Kritik: Die Lümmel von der ersten Bank (1968 – 1972)

Die Lümmel von der ersten Bank ist der Titel einer siebenteiligen Reihe deutscher Filmkomödien, die in den Jahren 1967 bis 1972 produziert wurden. Literarische Vorlage des ersten Teils war der 1963 erschienene satirische Roman Zur Hölle mit den Paukern des Deutschlehrers Herbert Rösler (Pseudonym: Alexander Wolf). Die Fortsetzungen basieren auf Motiven und Charakteren der gleichen Buchvorlage. Hauptproduzent der kommerziell äußerst erfolgreichen Filmreihe war Franz Seitz, der unter seinem Pseudonym Georg Laforet die Drehbücher aller Teile schrieb. Der zweite Teil wurde als einziger der Reihe von Horst Wendlandts Rialto Film hergestellt. Die ersten drei „Lümmel“-Filme wurden jeweils für mehr als drei Millionen Zuschauer mit der Goldenen Leinwand ausgezeichnet.

Jeder von uns ist zur Schule gegangen, manche gerne und manche widerrum sehr ungerne, und einen Klassenkaspar wie man es früher nannte, gab es so gut wie in jeder Klasse. Auch Streiche waren oft an der Tagesordnung, auch wenn sie vielleicht nicht so überzogen waren wie in der Filmreihe DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK. Zwischen 1968 und 1972 machten die Lümmel die deutschen Kinosäle unsicher und unerbreiteten den Zuschauern was in den Schulen so alles passieren kann, natürlich vollkommen auf humorvolle Art und Weise. Es gab insgesamt 7 Filme, die es nun endlich von EUROVIDEO in einer schicken Gesamtbox im Handel gibt. Sie beinhalten alle 7 Teile mit den Titel:

Zur Hölle mit den Paukern (1968)

Zum Teufel mit der Penne (1968)

Pepe, der Paukerschreck (1969)

Hurra, die Schule brennt! (1969)

Wir hau’n die Pauker in die Pfanne (1970)

Morgen fällt die Schule aus (1971)

Betragen ungenügend! (1972)

 

Diese Filmreihe spiegelt klar und deutlich das deutsche Kino der 70er Jahre wieder. Sie erinnern sehr stark mit ihrer Machart an Filmen von heinz Ehrhardt, der noch immer als der beste Komiker Deutschlands gilt. DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK sind eine Anhäufung von Slapstickeinlagen, die durch ihre rasante Inszenierung den Zuschauer ohne Pausen unterhalten sollen. Doch nicht jeder Gag oder Spruch zündete und erwies sich als Erfolg beim Zuschauer, doch durch die fast sogenannte Reizüberflutung bemerkte man dies eher weniger und gab sich einfach dem hohen Unterhaltungswert hin. Aber die Filmemacher konzentrierten sich nicht nur allein auf den Humor, sie verpackten auch immer eine Geschichte mit ins Drehbuch, stellenweise sogar mehrere Nebengeschichten, die im späteren Verlauf des Films zu einer verschmelzten, irgendwie hatten immer alle was mit der Geschichte zu tun, und wenn es nur der Verwandschaftsgrad war.

In dieser Filmreihe nahm man das Schulsystem gehörig aufs Korn, das zu der Zeit noch sehr biedere und verhaltene Schulsystem, was bei vielen jungen Menschen für Aufruhr sorgte, schliesslich gab es in den 70er Jahren so einige Weltbewegungen, wo junge Menschen sich gegen die verschiedensten Dinge auflehnten. Sei es die Studentenbewegung der 60er Jahre oder die sexuelle Revolution in den 70er Jahren, die später auch durch die erotischen Komödien Anklang in der Filmindustrie fand. Die Jugendbewegung setzte auch hier filmisch sich ein. Die meisten Szenen aus den Filmen spielten sich in der Schule bzw. im Gymnasium ab, sei es das Klassenzimmer, der Flur in der Schule oder das Lehrerzimmer, aber auch Sets wie das Zuhause von Nietnagel und seinen Kameraden wurde des öfteren verwendet um Abwechslung in die Geschichte zu bringen.

Auch wurde darauf geachtet, das sich die Charaktere in den darauffolgenden Filmen sich wiederholen und von den gleichen Darstellern verkörpert werden, damit sich der Zuschauer nicht umgewöhnen muss. Denn nachdem der erste Teil der Filmreihe ein Erfolg an de Kinokassen war, beschloss man noch mehr Filme mit der Thematik Schule zu drehen, ein sogenannter Wiedererkennunswert musste geschaffen werden. Doch manche Charaktere mussten von anderen Schauspielern verkörpert werden, dies lag meist daran das manche Schauspieler zu den Dreharbeiten an anderen Projekten eingespannt waren und nicht als abkömmlich galten. Somit geschah es auch das manche Schauspieler verschiedene Rollen spielten.

Das beste Beispiel ist die Rolle der Schwester von Nietnagel, sie wurde zumeist von Uschi Glas gespielt, aber auch Hannelore Elsner schlüpfte mal in diese Rolle. Auch die Rolle des Vaters von Pepe wurde einmal an Willy Millowitsch angegeben. DIE LÜMMEL VON DER ERSTEN BANK war eine Ansammlung von deutschen Schauspielern und für einige ein Sprungbrett im deutschen Film, sei es Theo Lingen der den Direktor mimte, Hans Kraus der die Rolle von Pepe Nietnagel perfekt inszenierte, Uschi Glas als seine Schwester. Aber auch Georg Thomalla, Günther Schramm, Hannelore Elsner, Rudolf Schündler, Heintje und auch Jürgen Drews in einer Nebenrolle gaben ihr StellDichEin in dieser Filmreihe.

Auch wurden einige Musiker in das Drehbuch integriert, und so hatten sie die Möglichkeit Songs, meist neue oder aktuelle dem Zuschauer zum Besten zu geben, dies kurbelte die Musikindustrie noch an und verhalf dem Künstler zu noch mehr Ruhm und Anerkennung. Dazu zählen unter anderem Heintje und Peter Alexander. Auch wenn viele Gags und Sprüche sich wiederholten, genossen die Zuschauer diese Filmreihe, vor allem sogenannte Running Gags schlichen sich durch die komplette Filmreihe.

 

Pepe Nietnagels Ausruf: „Man fasst es nicht!“

Das Motto von Oberstudiendirektor Taft Frisch, fromm, fröhlich, frei

Die „Halluzinationen“ des Oberstudienrats Knörz, die sich immer als Scherze der 13a herausstellen

Die Tollpatschigkeit des Schulpedells Bloch

Das häufige Aber Gottlieb… von der Frau des Schuldirektors

Die Bestechlichkeit des Schuldirektors, weshalb Pepe nicht von der Schule verwiesen wird

 

Aus damaliger Sicht waren die Filme erfolgreich und beliebt, zumindest bei den Zuschauern, die Kritiker von früher nahmen die Filme förmlich auseinander, allen voran die Kirche, die sich mit der Thematik der sexuellen Revolution nun gar nicht anfreunden konnte. Auch wenn die Filme nach über 40 Jahren etwas Staub angesetzt haben, so sind sie ein fester Bestandteil der deutschen Filmgeschichte. Zwar würde die heutige jüngere Genration nichts gross mit ihnen anfangen können, da sich ja die Zeiten und die Betrachtungsweisen vielerlei Dinge enorm gewandelt haben, doch als alter Hase, kann mir die Filme immer wieder anschauen und werde dadurch in die Vergangenheit geschickt. Zumeist liefen die Filme dieser Reihe auf einem Sonntag Nachmittag im Fernsehprogramm, und waren oft Bestandteil der eigenen Jugend.

Für Nostalgiker und 70er Jahre Kinder ist diese Filmreihe auf jeden Fall ein Muss und sollte um nicht in Vergessenheit zu geraten den Weg in die eigene Sammlung finden. Diese schicke DVD Box gibt es oft schon für weit unter 20,00 Euro im Handel und beinhaltet auch ein wenig Bonusmaterial, ein Interview mit Hans Kraus, eine kurze Dokumentation, Audiokommentare, dem Originaltrailer und eine Ansammlung der besten Sprüche aus allen sieben Filmen.