Die Rote Sonne der Rache (1972)

Strauchdieb Jed Trigado (Tomas Milian) ist ein ganz ausgebufftes Bürschel. Da er statt Peones auszuquetschen lieber den Reichen etwas abknöpft, hat er grundsätzlich Zoff mit der Justiz, jedoch auch einen Stein bei der Landbevölkerung im Brett. Vor allem der gnadenlose Sheriff Franciscus (Telly Savalas) möchte den umtriebigen Ganoven eher tot denn lebendig vor den Richter schleppen. Über ein paar “alte Bekannte” von Jed kommt er auf dessen Spur und stellt eine Falle; Jed allerdings riecht den Braten und kann flüchten.

 

Kenner des Western Genres dürfte der Name Sergio Corbucci eine Menge sagen, wer dann noch die Filme wie LEICHEN PFLASTERN SEINEN WEG von 1968 oder FAHR ZUR HÖLLE IHR HALUNKEN von 1969 kennt, der weiss was ihm bei diesem Regisseur erwarten kann, doch leider hatte er seine Wurzeln bei dem Film DIE ROTE SONNE DER RACHE von 1972 ein wenig ausser Acht gelassen! Auch wenn der Titel nicht sonderlich viel mit der Story vom Film gemeinsam hat, so weiss er dennoch zu unterhalten, und zwar auf eine leicht komödiantische Art und Weise.

Für die Hauptrollen konnte man den italienischen Star Tomas Milian gewinnen, der schon in dutzenden anderen Produktionen sein Talent, auch was den Humor angeht, unter Beweis stellen, DER BERSERKER, DIE KRÖTE oder auch DER SUPERBULLE, aber auch Filme mit expliziter Gewaltdarstellung sind einige in seiner Filmlaufbahn vorzufinden. An seiner Seite die englische Schauspielerin Susan George, die uns schon in DIE FRATZE von 1971, WER GEWALT SÄT aus dem gleichen Jahr oder auch später in DIE SCHWARZE MAMBA von 1981 über den Bildschirm lief, sie hatte also bevor es zu DIE ROTE SONNE DER RACHE kam, schon einiges an schauspielerischen Erfahrungen sammeln können. In weiteren Rollen sind der berühmte Kojak ala Telly Savalas zu sehen, doch diesmal ohne Lolli, aber dafür mit Augenklappe, und in den Nebenrollen tauchen ebenfalls noch ein paar bekannte Namen auf, wie Herbert Fux oder auch Werner Pochath.

Auch wenn der Streifen eher im Comedy Bereich anzusiedeln ist, wurden manch typischen Western Anleihen nicht ganz vergessen, die Sets und Kostüme entsprechen den typischen Standards und sind sehr gut gewählt worden, auch wird hier ordentlich geballert was das Zeug hält, zwar oft übertrieben im humoristischen Sinne ala Revolverheld, aber so einen unscheinbaren Helden gibt’s doch fast in jedem Film, wieso auch nicht hier? Das Zusammenspiel von Milian und George ist eher wie ein verkrachtes Ehepaar zu deuten und zu erkennen, zu oft geraten die beiden mit ihren Worten aneinander, und wenn der eine auf den anderen sauer ist, so legt sich das auch wieder, vor allem die neckischen Spiele der beiden sind vorzüglich und lockern das Gesamtbild gut ab. Wie sagt man so oft, was sich neckt das liebt sich!

Doch an diversen Stellen bekommt man den Eindruck als wenn alle Charaktere ein wenig nebenher umherirren, manchen wünscht man mehr Screentime, und anderen den schnelleren Tod, dieser Streifen gehört aus meiner Sicht nicht zu den besten von Corbuccis Werken, aber zu einem der lustigsten definitiv. Der Film weist nur wenige Längen auf, die durch viele Dialoge und witzigen Momenten etwas aufgelockert werden und das Tempo aufrecht erhalten, denn das droht manchmal etwas abzudriften. Doch auch die Actionszenen die sich hauptsächlich auf Schusswechsel und Duelle fixieren wissen durchaus zu Gefallen und zu unterhalten, hier fallen die Fieslinge oft um wie die Schmeissfliegen, doch der rote Lebenssaft bleibt ein wenig aus.

Schauspielerisch gesehen liefern allesamt eine gute Leistung ab, und wissen zu gefallen, man erhebt sofort für gewisse Personen einen Sympathiewert der bis zum Ende des Films erhalten bleibt. Auch wenn der Humor an manchen Stellen etwas flach und einfallslos daherkommt, so können manch andere Szenen enorm zünden und unterhalten.

Im Grossen und Ganzen ist Corbucci mit DIE ROTE SONNE DER RACHE ein guter Film gelungen, zwar nicht messbar mit seinen anderen Genrevertretern, aber eine gute Abwechslung allemal. Doch leider gibt es dieses kleine Sahnestück in Deutschland nur auf VHS vom Label VPS, einmal in einem Pappschuber und einmal in einer kleinen Hartbox und hat eine Freigabe von 16 und ist komplett ungekürzt! Wer sich für Western-Komödien begeistern lassen kann, und ein Fan von Tomas Milian ist, sollte sich diesen ruhig mal anschauen, zwar kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber seinen Teil zur Geschichte des Genres hat er erfüllt.