Kritik: Dressed to Kill (1980)

Kate Miller (Angie Dickinson) ist eine sexuell frustrierte Ehefrau, der selbst ihr engagierter Psychiater Dr. Elliot (Michael Caine) nicht recht helfen kann, da sie aus Verzweiflung sogar ihn verführen will. Eines Tages trifft sie nach einer Sitzung im Museum einen Fremden und läßt sich auf ein Liebesabenteuer ein, muß danach jedoch feststellen, daß ihr Liebhaber an einer Geschlechtskrankheit leidet. Als sie fluchtartig sein Apartment verläßt, wird sie im Fahrstuhl von einer Blondine mit einem Rasiermesser niedergemetzelt.
Zeugin dieses Mordes wird die Edelprostituierte Liz (Nancy Allen), die die Blondine sogar noch sieht. Trotzdem bleibt sie für die unwillige Polizei wegen ihres Standes die Hauptverdächtige. Da schaltet sich Kate Millers minderjähriger Sohn Peter in das Geschehen ein. Der bastelfreudige Junge vermutet nämlich den Killer unter Dr. Elliots Patienten, was er auch beweisen kann. Jetzt wird Liz zum Lockvogel…

Es gibt zahlreiche Filme die beim Erscheinen für Aufsehen sorgten, doch gibt es auch welche die bereits bei den Dreharbeiten mächtig Staub aufwirbeln. So geschehen im Jahr 1980, zahlreiche Frauen gingen protestierend auf die Straßen und versuchten ein Filmprojekt zum Kippen zu bringen. Hintergrund war die Darstellung der Gewalt an Frauen, mit dem Beigeschmack der Verherrlichung. Doch Regisseur Brian De Palma ließ sich nicht beirren und vollendete sein Werk und stieß damit so manchen Protestierenden Menschen ein Dolch ins Herz. Die Rede ist vom mittlerweile zum Kultstatus aufgestiegenden Klassiker DRESSED TO KILL. Der Film ist eine offene Bekenntnis von De Palma an HITCHCOOKs Klassiker „Psycho“ von 1960. Nicht zu verwechseln mit einem Remake, er verehrt den Meister und nimmt einige Aspekte seiner filmischen, darstellerischen Kunst und veredelt sie mit den Zutaten seiner Sicht der Dinge.

Brian De Palma fängt in DRESSED TO KILL das Flair der 70er Jahre wundervoll ein, und lebt es vollkommen aus. Bei vielen Zuschauern und auch Kritikern wurde ihm nachgesagt, das er dem GIALLO Genre deutlich entgegenkommt, und er als seine Informationsquelle dient. Nur eben das er dennoch eine amerikanische Antwort auf das Genre sei. Schon vom ersten Moment an spielt De Palma seine Ideen zum Spannungsaufbau und Atmosphäre voll aus. Die Atmosphäre ist unheimlich dicht, und der Zuschauer ist ein fester Teil der konstanten Bedrohung.

Wer den Film DRESSED TO KILL kennt, wird sich definitiv an die dialogfreie Sequenz im Museum erinnnern. Für all diejenigen die diesen unverkennbaren Klassiker noch nicht gesichtet haben, sei gesagt, das De Palma es hier mit den einfachsten Mitteln, allen voran mit musikalischen Klängen schafft er es eine fesselnde Szene darzustellen, die dem Zuschauer fast den Atem raubt. Für den musikalischen Part war Pino Donaggio verantwortlich. Er spendierte für zahlreiche Filme, wo sich einige Klassiker drunter befinden sein Talt für Musik. Sei es „Wenn die Gondeln Trauer tragen“, Carrie – Des Satans jüngste Tochter“ oder auch „Das Tier“. Die beweglichen Kameraeinstellungen unterstreichen noch das Ambiente und intensivieren die Spannung und den Nervenkitzel beim Zuschauer. De Palma schafft es mit seinen Kameraideen kleinste Details ins Bild zu rücken, umm sie im nächsten Moment wieder verschwinden zu lassen. Zeitlupen und Splitscreens sind ein gern genommenes Deatil seiner Arbeiten. Dadurch wirken einfache Gegenstände wie schwarze Schuhe oder ein Türknauf sehr bedrohlich, obwohl von ihnen eigentlich keine Bedrohung ausgehen dürfte. Brian De Palma plante vorerst bei der Dialogfreien Szene einen Voice Over von Angie Dickinson, entschied sich aber im späteren Drehverlauf für die musiaklische Variante.

Für die weibliche Hauptrolle in DRESSED TO KILL wurde die amerikanische Schauspielerin Angie Dickinson engagiert. Sie verhalf Ihrer Rolle zu einen Katz und Mausspiel mit einem Unbekannten, wo der Jäger auch mal zur Beute wechselt. Die erotisch aufgeladenen Szenen zwischen ihr und dem unheimlichen Unbekannten explodieren förmlich zum spontanen Sex auf dem Rücksitz eines Taxis. Auch diese Einstellung ist eine kleine aber feine Homage an Hitchcook. Dessen Idealvorstellung einer Leinwandheldin von kühl- und zurückhaltend sich darstellt, die aber andererseits auch unaussprechliche Dinge tut. Fast jeder Mensch hat zwei verschiedene Gesichter, es ist oft nur eine Frage der Zeit oder des Zeitpunktes wann das andere ICH den Weg ans Tageslicht schafft.

 

In Deutschland wurde dieser grandiose Thriller auf VHS und DVD veröffentlicht. Wobei die DVD Auflage der englischen gleicht, das bedeutet leider nur in der R-Rated Version. Lediglich die VHS Auflagen sind komplett ungeschnitten, die UNCUT Version lief früher auch auf dem PayTV – Sender Premiere. Selbst im Kino lief hierzulande die ungeschnittene Version. Die Schnitte sind zwar nur sekundenbedingt, aber genau diese machten den Film berühmt.

 

DRESSED TO KILL ist ein Klassiker im Genre des Thrillers, und zog so manchen Zuschauer in seinen Bann und katapultierte sich zu einem Kultstreifen. Die Fangemeinde ist sehr groß, und ein Ende ist nicht abzusehen. Es gab viele Nachahmer dieses Werkes, doch keiner erreichte die hochgesetzte Meßlatte von Brian De Palma. Dieses Werk läuft auch gelegentlich im Free TV, jedoch auch nur in der gekürzten Version. Dieser Film ist ein Pflichtfilm, den man in seiner Sammlung besitzen sollte.

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