Driver (1978)

Seine Auftraggeber nennen ihn schlicht “Driver” (Ryan O’Neal). Er fährt Gangster zu Überfällen – und managt ihre Flucht vor der Polizei. Zudem hat der Experte immer ein wasserdichtes Alibi parat – zum Beispiel in Gestalt einer hübschen Zeugin. Um den ausgebufften Profi fassen zu können, täuscht ein zwielichtiger Cop (Bruce Dern) einen Coup vor und engagiert den “Driver”…

Bei The Driver (beim deutschen Titel hat man das The weggelassen) handelt es sich um einen hochexpressiven, rauen, leicht kryptischen und zum Minimalismus tendierenden Film von Regisseur Walter Hill („Nur 48 Stunden“). Ihm ist es mit seinem Werk gelungen, einen äußerst untypischen Actionthriller zu drehen, der so gar nicht nach Hollywood aussieht, wirkt er doch dazu viel zu europäisch. Das trifft vor allem auf die Charakterzeichnung zu.

Die Hauptrolle verkörpert Ryan O’Neal („Is’ was, Doc?“). Er spielt einen wortkargen und undurchschaubaren Fahrer, der sich auf das Fahren von Fahrzeugen bei Überfällen spezialisiert hat. Er lässt sich von Gangstern anheuern, die ein schnelles Fluchtauto benötigen, was seinen Job ungewöhnlich und gefährlich macht. Sein Ruf ist in der Untergrundszene legendär.

Im gegenüber steht ein ehrgeiziger Detective, der von Bruce Dern („Familiengrab“) verkörpert wird, und geradezu besessen davon ist, den Driver dingfest zu machen. Für eine Verhaftung des Drivers ist er sogar bereit, selbst gegen das Gesetz zu verstoßen. Er verspricht drei erfolglosen, aber brutalen Kleingaunern Strafmilderung, wenn sie den Driver anheuern und in die Falle locken. Beide haben durch die Kompromisslosigkeit, mit der sie ihre Arbeit machen, ständig Probleme mit ihren Kollegen, was dazu führt, dass es immer wieder mal ordentlich kracht. Die daraus resultierenden Schießereien sind aber nicht überzeichnet, sondern hart und realistisch, wobei die Härte oft in der Überraschung und der kalten Emotionslosigkeit liegt, mit der gehandelt wird. Als sich die recht ebenbürtigen Gegner, die eigentlich Freunde sein könnten, wenn sie nicht auf verschiedenen Seiten des Gesetzes stehen würden, gegenüberstehen, wird die Festnahme durch eine mysteriöse junge Frau (Isabelle Adjani, was für eine schöne Frau!) zunichte gemacht.

Diese Dreierkonstellation stellt das Grundgerüst des Films dar, was zu einem hohen Konfliktpotenzial in der Handlung beiträgt und die Jagd des Polizisten auf den Fahrer spannender macht als die recht einfache Story erahnen lässt. Bei allen drei Hauptdarstellern fällt eine außergewöhnliche Mimik auf, die von Hill mit außergewöhnlichen Lichtstimmungen absolut brillant in Szene gesetzt wird. Oft erscheint ein Gesicht zur Hälfte oder zu einem Drittel beschattet, wodurch die Gesichtszüge hervortreten wie in einem Holzschnitt. Während Ryan O’Neal durch ein extremes Pokerface auffällt, ist der vom Ehrgeiz angefressene Polizist Bruce Derns durch ein ausgemergeltes, angespanntes und oft grotesk verzerrtes Gesicht gekennzeichnet. Isabelle Adjani, mit ihrer auffälligen Blässe und ihren ausdrucksstarken Augen eins DER Gesichter des 70er-Jahre-Films (“Ein mörderischer Sommer”), legt eine ähnliche Undurchsichtigkeit wie O’Neal an den Tag. Zu dieser Absonderlichkeit, die gewissermaßen Programm des Films ist, kommt die Namenlosigkeit der Hauptfiguren, die mit den Rollenbezeichnungen im Abspann (“The Driver”, “The Player”…) noch einmal verdeutlicht wird. Sowie die Identitäten als auch die Motive der Figuren bleiben teilweise unklar. Das Prinzip des Glücksspiels scheint auf alle drei Hauptfiguren ausgedehnt zu sein: Die Gefahr wird um ihrer selbst willen gesucht, nicht des Profits wegen.

Das alles erzeugt eine bedrückende und unterkühlte Atmosphäre, was mit brillant aufgenommen Verfolgungsjagden, wobei jede Menge Blech zerbeult wird, gewürzt wird. Sie sind neben den drei Hauptdarstellern das Highlight des Films und vermitteln somit dem Zuschauer die unterkühlten Umgangsmethoden der Protagonisten ein raues Bild von der Unterwelt, in der moralische Grundsätze der Gesellschaft über Bord geworfen werden und das Recht des Stärkeren gilt. Nach einem Helden sucht man in diesem Film vergeblich, ganz zu schweigen von Identifikationsfiguren – zu fremd und unwirklich ist ein solches Umfeld für einen normalen Menschen. Und trotzdem strahlt es eine Faszination aus, der man sich kaum entziehen kann.

Ich persönlich halte Driver inzwischen für Walter Hills besten Film, obwohl ich natürlich auch seine anderen Filme, wie z.B. 48 Stunden und Red Heat kenne und immer wieder gerne sehe. Aber bei Driver zeigt er eine gewisse Reife. Und die ist mir erst jetzt, nachdem ich die Gelegenheit hatte, ihn in HD auf Leinwand zu sehen, aufgefallen. Vielleicht muss man selbst erst ein gewisses Alter erreichen, um das festzustellen, denn Driver habe ich schon vor 25 Jahren im Fernsehen gesehen, wo dann am Schluss nur noch die Actionszenen am interessantesten waren. :)

Driver gibt es als VHS, DVD und Bluray. Seltsamerweise sind die DVDs und Blurays von Kinowelt / Studio Canal ab 18 Jahren freigegeben, obwohl der Film beim deutschen Kinostart 1979 ohne Schnitte ab 16 Jahren freigegeben wurde. Alles, was bei diesem Titel im Heimunterhaltungsbereich eine 16er Freigabe trägt (z.B. Zeitungs-DVDs), ist definitiv geschnitten. Im Fernsehen sieht man ihn heutzutage vielleicht ein bis zweimal im Jahr, dann so gut wie immer ungeschnitten, auch vor 23 Uhr.

Fazit: Actionkino der anspruchsvollen Art, das durch seine pessimistische Stimmung und gut choreografierten Verfolgungsjagden zum Highlights des Genres zählt.