Der Bauingenieur Stuart Graff (Charlton Heston) ist hin und hergerissen zwischen seiner besitzergreifenden Frau Remy (Ava Gardner) und seiner Affäre Denise (Genivieve Bujold). Seine Frau versucht derweil über ihren Vater Sam Royce (Lorne Greene), der Graffs Arbeitgeber ist, die Affäre zu unterbinden. Währenddessen hat der Polizist Lew Slade (George Kennedy) Probleme, weil er gegen einen Verdächtigen tätlich geworden ist.
Diese und die Schicksale anderer Personen werden miteinander verwoben, als ein gigantisches Erdbeben L.A. fast völlig zerstört.

Mark Robsons („Lawinen-Express“) perfekt inszenierter Film „Erdbeben“
zählt zu den Klassikern des Katastrophenfilms, jenem Genre, das in den
70er Jahren scharenweise die Zuschauer in die Kinos lockte.
Bereits 1961 entstand unter der Regie von Mervyn LeRoy „Der Teufel
kommt um 4″ – ein actionreicher Abenteuerfilm, der in satten Farben
und im Breitwandformat, das Schreckensszenario eines Vulkanausbruchs
zum Thema hatte.
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre sorgte dann Arthur Haileys
(„Hotel“) Roman „Airport“ für den Beginn einer Ära von sogenannten
Desaster-Movies, gefolgt von der „Höllenfahrt der Poseidon“(1972),
„Flammendes Inferno“ (1975) oder dem „Armageddon“-Vorreiter „Meteor“
(1978).
Ende der 90er Jahre fand das Genre ein kurzlebiges Revival mit Filmen
wie „Volcano“, „Dantes Peak“ oder „Daylight“ und auch im TV erfreuen
billig produzierte Katastrophenfilme ein Millionen-Publikum.

„Erdbeben“ entstand 1974 in der Hochzeit des Katastrophenfilms und
erzählt die Geschichte eines riesigen Erdbebens inmitten der
Millionen-Metropole Los Angeles.
Die Erdbeben-Sequenz (die Jahre später in eine „HULK“-Folge
hineingeschnitten wurde) erstreckt sich über mehrere Minuten und zählt
zu den Höhepunkten des Films. Tricktechnisch mit heutigen Standards
zwar nicht mehr zu vergleichen, entstand so ein perfekt inszeniertes
Katastrophen-Szenario, das sowohl in den Außen- als auch in den
Studioszenen mit einem realistischen Setting und dramatischer Action
voll und ganz überzeugen kann.
Während heutzutage solche Effekte mittels aufwändiger Computertechnik
simuliert werden, wurden damals ganze Straßenstriche und Landschaften
eindrucksvoll dem Erdboben gleich gemacht. Die Effekte und das Setting
der in Schutt und Asche liegenden Großstadt können sich auch heute
noch sehen lassen und halten jedem Vergleich mit späteren Produktionen
stand.
John Williams („Der weiße Hai“) sorgte einmal mehr für einen
passenden Score, der kraftvoll dynamisch die actionbetonten und
dramatischen Momente unterstreicht und auch mit ruhigen Kompositionen
in den ruhigen und Szenen und sensiblen Momenten zu überzeugen weiß.
Das Drehbuch von George Fox und Mario Puzo („Der Pate“) ist
sorgfältig ausgearbeitet. Es hält sich streng an die Regeln des Genre,
indem es die wichtigsten Figuren in den Film angemessen einführt,
wobei die unterschiedlichen Charaktere für ein hohes Maß an
Konfliktpotential und Dramatik sorgen.
Erwähnenswert sei an dieser Stelle auch die hochkarätige
Top-Besetzung, allen voran mit den Hollywood-Stars Charlton Heston und
George Kennedy, die als unfreiwillige Helden über sich hinauswachsen
und gegen die Naturgewalt anzukämpfen versuchen. In weiteren Haupt-
und Nebenrollen hat sich das „Who Is Who?“ Hollywoods der
Naturkatastrophe ausgesetzt, u.a. Lorne „Bonanza“ Greene, Genevieve
Bujold, Ava Gardner, Marjorie Gordner als psychopathischer
Army-Reservist, „Shaft“ Richard Roundtree und „Dallas“-Pamela Barnes
mit prachtvoller Oberweite und üppigem Afro. Walter Matthau hat einen
ungenannten Auftritt als „Schnapsleiche“:

Auch nach fast 40 Jahren hat dieser Klassiker nichts von seiner
Dynamik und Dramatik eingebüßt und in Zeiten, in denen ein hoch
technologisiertes Land wie Japan von der Natur in die Knie gezwungen
wird, ist „Erdbeben“ brisanter und in seiner Schockwirkung
überzeugender als jemals zuvor.