Kritik: Evil Ed (1995)

Nachdem der Cutter blutrünstiger Horrorfilme einen Nervenzusammenbruch erlitt, wird er durch Edward Svensson ersetzt. Der hat aber nur Schnitterfahrung mit Arthaus-Filmen. Jetzt soll er übertriebene Sexszenen und Gewaltspitzen aus diversen Splatterfilmen herausschneiden, damit diese im Ausland nicht auf den Index landen. Edward ist ein sauberer, ordentlicher und normaler Mensch. Jede Nacht arrangiert er mit behandschuhten Händen seine Stifte in einer ordentlichen Reihe auf seinem Schneidetisch. Die Stifte sind die ersten Anzeichen dafür, dass etwas nicht in Ordnung ist. Eine eigenartige, furchteinflößende Verwandlung geschieht mit Edwards Persönlichkeit. Er bekommt plötzlich Wahnvorstellungen und sieht entstellte Gesichter. Verstümmelte Arme und grässliche Monster lauern im Kühlschrank. Bald werden die Filme, die ihn früher abschreckten, lebenswichtig für ihn. Er ist total süchtig danach. Und Edward verwandelt sich – in den bösen wahnsinnigen Ed…

Der schwedische Splatterfilm Evil Ed bietet mehr als nur geschmacklose, blutige Effekte. Mit der gutgelaunten Besetzung und der grundsoliden Story, die in Evil Ed erzählt wird, kann der Film auf einem recht hohen Niveau unterhalten, obwohl er sicherlich seiner Aussage, nämlich das (Selbst)Zensur definitiv der falsche Weg ist, um einen Horrorfilm marktfähig zu machen, nicht so ganz gerecht wird, bietet er als kritischer Film doch zu viele effektvolle und blutige Gewaltdarstellungen. Aber letztendlich ist das vollkommen egal, denn Spaß hat man beim Betrachten dieses Films auf jeden Fall, wenn man denn solche Filme gerne sieht und gut findet. ^^

Die Besetzung spielt herrlich überdreht und überzeichnet mit ihrer Darstellung ihre Charakter. Das alles harmoniert recht gut mit der durchgeknallten Story. Ernst nehmen sollte man diesen Film letztendlich nicht. Leider habe ich so gut wie nichts über die wunderbaren Schauspieler herausfinden können, die wir vor der Kamera sehen. Außer Per Löfberg („Frostbite“) hat keiner von ihnen in weiteren oder zumindest hierzulande bekannten Filmen mitgespielt. 🙁

Regisseur Anders Jacobsson drehte seinen Film in englischer Sprache – aus welchen Gründen auch immer. Sicherlich lag es daran, um ihn international besser vermarkten zu können. Dem Spaß beim Anschauen mindert das nicht. Allerdings bin ich als „Liebhaber“ schwedischer Filme persönlich schon ein wenig enttäuscht, dass das so gemacht wurde, hätte man vielleicht noch etwas mehr Spaß daran haben können, wenn alle Schauspielerinnen und Schauspieler schwedisch geknödelt hätten. ^^ Allerdings wurde der Film auch auf englisch nochmal komplett neu synchronisiert, was den Film in meinen Augen etwas „trashiger“ macht, aber im positiven Sinne. Leider ist die deutsche Synchronisation nicht so gut wie die englische, was sich vor allem negativ auf die echt coolen Sprüche auswirkt, die auf englisch einfach zum schreien sind.

Erst 2009 drehte Regisseur Jacobsson einen weiteren Film. „Insane – Hotel des Todes“ heißt er hierzulande und wurde 2011 auf DVD und BluRay veröffentlicht.

Fakt: Der Film wurde auf BETA-Video gedreht und anschließend auf 16mm Film umkopiert, was dazu geführt hat, dass der Film einen sehr ungewöhnlichen Look hat. In manchen Szenen lässt etwas Kriseln die Videoherkunft vermuten, stört aber nicht weiter, denn die Ausleuchtung ist sehr atmosphärisch und die Musik stimmt, obwohl sie nur aus synthetischen Sounds besteht und daher etwas trashig klingt. Man kann davon ausgehen, dass es deshalb keine HD-Auswertung von diesen Film geben wird, denn durch eine weitere Konvertierung kann es gut sein, dass das Bild zu grobkörnig wird, als es schon ist, und dann muss man damit rechnen, dass all die psychisch gestörten HD-Freaks da draußen dieses Produkt als letzten Dreck bezeichnen. ^^

Evil Ed gibt es als Video, LaserDisc und DVD. Als DVD erschien er hierzulande bei mehreren Labels. Zu empfehlen ist die ungeprüfte Ausgabe von HDMV. Nur dort findet man neben der deutschen Synchronfassung auch den Originalton und auch deutsche Untertitel. Außerdem wurde der Film auf 16:9 aufgespielt, obwohl das Bild dadurch ein klein wenig am oberen und unteren Bildrand beschnitten ist. Hat mich aber nicht gestört, alles, was von Bedeutung ist, sieht man. In der ungeschnittenen Fassung hat der Film keine Freigabe von der FSK bekommen, sämtliche Fassungen, die eine Freigabe haben, sind geschnitten. Alle Fassungen sind bis heute indiziert. Im Fernsehen habe ich ihn noch nie gesehen, aber ihr könnt mich jetzt totschlagen, denn ich bilde mir ein, dass der Streifen mal vor Jahren spätnachts im NDR lief. ^^

Fazit: Recht gelungene Persiflage von Filmkenner für Filmkenner. 

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