Four Rooms (1995)

Silvester in L.A.: In einem arg heruntergekommenen Hotel tritt Page Ted (Tim Roth) seine erste Nachtschicht an. Die durchgeknallten Gäste fordern vollen Einsatz: ein bisschen Lendensaft für eine Hexenseance, Schlagkraft für ein Psychosex-Pärchen, Nerven für Gangstergören und guten Schwung mit einem Hackebeil…

Four Rooms ist ein Episodenfilm der Regisseure Allison Anders, Alexandre Rockwell, Robert Rodriguez und Quentin Tarantino aus dem Jahr 1995. Aufhänger der Geschichte ist der Hotelpage Ted, der hier vollkommen überdreht von Schauspiel-As Tim Roth dargestellt wird, der in der Silvesternacht so einige merkwürdige Gäste zu versorgen hat. So trifft er auf einen Hexenzirkel (u.a. mit Madonna), wird der Buhmann in einem mörderischen Ehestreit (u.a. mit Jennifer Beals), muss den verzogenen Nachwuchs eines Gangsterbosses hüten (u.a. mit Antonio Banderas) und wird Teil eines perversen Spiels von einem arroganten Hollywoodregisseur (u.a. mit Quentin Tarantino und Bruce Willis).

Den Anfang macht die Episode „Honeymoon Suite – Die fehlende Zutat“. Inszeniert wurde sie von Allison Anders. (Es tut mir leid, aber ich habe keine Ahnung, wer das eigentlich ist und was sie mit Rodriquez und Tarantino gemein hat, aber nun gut.) Weiter geht es mit „Zimmer 404 – Der falsche Mann“, und diese Episode wurde von Alexandre Rockwell in Szene gesetzt. Auch hier hab ich gerade mal wieder keine Ahnung, welche Werke es noch von diesem Herren gibt. Natürlich hätte ich da jetzt im weltweitem Netz nachsehen können, und das habe ich auch getan, aber die Filme, die ich gefunden habe, kenne ich nicht und deshalb werde ich sie hier nicht reinschreiben, da sie auch hierzulande nicht veröffentlicht wurden. Pardon. Danach folgt „Zimmer 309 – Die Ungezogenen“ von Robert Rodriguez. Und ab hier geht der Film richtig ab. Das Ganze mündet dann in der finalen Episode „Penthouse – Der Mann aus Hollywood“ von und mit Quentin Tarantino, der sich hier quasi selbst spielt und labert, labert, labert. ^^

Vier Regisseure drehen unabhängig voneinander vier kurze Episoden und pressen alles in einen Film. Logisch, dass es somit unvermeidlich ist, dass Four Rooms unter gewissen Qualitätsschwankungen leidet, da erstens, jeder der vier Filmemacher seinen Schwerpunkt anders festlegte (Story, Witz, Spannung) und zweitens, der eine begabter ist als der andere. Leider, ja wirklich leider fängt der Film schwach an. Vielleicht sogar so schlecht, dass ihn sich nicht jeder bis zum Ende angesehen hat. Das ist schade, denn Tarantino ist leider der letzte in der Runde. Und sein Beitrag ist das eigentliche Highlight in Four Rooms.

Tim Roth („Pulp Fiction“, „Reservoir Dogs“) übernimmt die Rolle des Hotel-Pagen Ted, der an einer Silvesternacht Dienst schieben muss und allerhand skurriles erlebt. Sein absurd überdrehtes Schauspiel kann man nur als absolut genial bezeichnen. Zudem rettet Roth damit über die ersten beiden schwachen Episoden, um dann endlich unter Rodriguez und Tarantino zu zeigen, wie es wirklich laufen sollte. Aber nicht nur Tim Roth dürfen hier ihr Können zeigen. Regisseur Robert Rodriguez („Desperado“, „Once upon a time in Mexico“) zum Beispiel greift auf Antonio Banderas und auch auf Salma Hayek (sieht man nur kurz im Fernseher! 😀 ) zurück. Quentin Tarantino („Pulp Fiction“) agiert in seiner Episode u.a. mit Bruce Willis, der im Film nicht genannt wird, weil er aus Solidarität dem Regisseur gegenüber unentgeltlich gearbeitet hat. Popsängerin Madonna und Schauspielerin Lilli Taylor sind in der ersten Episode zu sehen.

Ein erwähnenswertes Detail, welches vielleicht nicht jedem auffällt: Die erste Einstellung der letzten Episode ist in den ersten zehn Minuten ohne einen einzigen Schnitt ausgekommen und endet mit einer Nahaufnahme von Jeniffer Beals. Das ist aber nur auf der DVD und BluRay von Kinowelt zu sehen, bei den älteren Veröffentlichungen von VCL/MAWA und auf Video wird diese Szene durch einen Schnitt unterbrochen, aus welchen Gründen auch immer. (Filmriss?) Wie dem auch sei, vielleicht wäre die Szene sogar noch ohne Schnitt weitergegangen, wenn man nicht die Filmrolle wechseln musste, denn genau das geschieht nach der Nahaufnahme von Jennifer Beals. Wenn ihr noch eine original VHS-Kassette oder die erste DVD von VCL/MAWA (also mit unnötigen Schnitt) von dem Film habt, dann achtet mal auf die leichten Verregnungen (Staubkörner und Kratzer im Filmbild), die kurz vor dem Schnitt erscheinen. Das ist ein Hinweis, dass die Filmrolle bald zu Ende ist. (Pardon, da kam der Filmvorführer in mir durch.) ^^ Heutzutage ist ja alles digital bearbeitet, da gibt es dann keine Filmverschmutzungen und Überblendzeichen mehr, es sei denn, man benutzt es als Stilmittel (z.B. in „Planet Terror“).

Nun gut. Trotz der anfänglichen Schwächen, die Four Rooms aufweist, muss ich mir diesen Film durchschnittlich einmal im Jahr ansehen; meistens geschieht das an Silvester. Logischerweise. ^^

Four Rooms gibt es als VHS, DVD (VCL/MAWA & Kinowelt) und BluRay (nur Kinowelt). (Es gibt ihn auf BluRay? Wieso hab ich die nicht? ^^) Außerdem läuft er so gut wie jedes Jahr immer irgendwo im Fernsehen. Meistens in den öffentlich-rechtlichen Sendern, wo er aber den Titel „Silvester in fremden Betten“ trägt. (Wer zum Teufel ist auf diesen scheißt Titel gekommen? Und warum?)

Fazit: Viel Trash und schräger Humor (fast) perfekt in Szene gesetzt.

Schreibe einen Kommentar