Kritik: Ich weiss was Du letzten Sommer getan hast (1997)

Es sollte der schlimmste Alptraum ihres Lebens werden. In einer dunklen Nacht überfahren sie auf einer abgelegenen Landstrasse versehentlich einen Mann. In ihrer Panik lassen sie den vermeintlich Toten in einem See verschwinden und tragen fortan das dunkle Geheimnis mit sich herum. 
Unerwartet und schonungslos werden sie viele Monate später von der Vergangenheit eingeholt..

Mit “Scream”, einer zitatenreichen Hommage an den Slasher der 80er Jahre, nach einem Drehbuch von Kevin Williamson, sorgte Regisseur Wes Craven für ein erfolgreiches Revival dieses beliebten Subgenre. Nicht nur zwei Fortsetzungen (und ein Jahrzehnt später noch ein weiterer Ableger) sollten folgen, und “Scream” zu einer Trilogie/Quadrologie anwachsen lassen – das Franchise hatte den totgesagten Teenie-Horrorfilm wieder zu neuem Leben erweckt und die Kinoleinwand mit einer neuen Welle von Genre-Produktionen überschwemmt: “Düstere Legenden”, “Schrei wenn Du kannst” oder auch “House Of Wax” zählen noch zu den erfolgreichsten Produktionen – ebenso wie “Ich weiß, was Du letzten Sommer getan hast”. 
Ein Jahr nach “Scream” lieferte Kevin Williamson auch für diesen Slasher das Drehbuch und Regisseur Jim Gillespie machte daraus einen handfesten, nervenaufreibenden Horror-Thriller alter Schule. 

Vier junge Freunde begehen am Unabhängigkeitstag den Fehler ihres Lebens, in dem sie zu später Stunde auf einer einsam gelegenen Straße, einen Mann überfahren. Im Glauben, dass dieser tot sei und um sich selbst nicht die Zukunft zu zerstören, gehen sie mehr oder weniger freiwillig einen Pakt ein: die Leiche im Meer verschwinden zu lassen und nie mehr ein Wort darüber zu verlieren. Bei der Aktion entpuppt sich der vermeintlich Tote als lebendig – dennoch versenken sie ihn in den Untiefen der rauen See. Genau ein Jahr später führt das Schicksal sie wieder zusammen: Gekennzeichnet von dem schlechten Gewissen der Vergangenheit, scheint es einen Mitwisser ihres Verbrechens zu geben, der versucht, sie mit Drohbriefen einzuschüchtern und gegeneinander auszuspielen. Als es zu einem ersten gewalttätigen Übergriff kommt, ist sich keiner mehr seines Lebens sicher. Nun gilt es herauszufinden, wen sie damals überfahren und lebendig ins Meer geworfen haben, und wer ein Interesse daran haben könnte, an ihnen eiskalt Vergeltung zu üben…

Was sich nach einer profanen Rachegeschichte anhört, entpuppt sich im Laufe der Handlung als vielschichtige Thriller-Charade, bei der nichts so ist, wie es zunächst den Anschein hat.
Drehbuch und Regie lassen sich genügend Zeit, die Vorgeschichte der vier Freunde und die tragischen Ereignisse jener Nacht des vergangenen Sommers zu erzählen. Dabei erweist sich “Sommer” in der Charakterzeichnung seiner Hauptdarsteller weniger eindimensional, als man es vom Genre her gewohnt ist. Die Entwicklung der Charaktere und das perfide Spiel des Unbekannten zählen zu den eigentlichen Stärken des Films. “Sommer” ist vielmehr ein waschechter Thriller mit Slasher-Momenten und einigen Schocks. 
Drehbuchautor Kevin Williamson hat hier keine blasse Kopie seines “Scream” abgeliefert, sondern setzt die Schwerpunkte bei “Sommer” ganz anders: weniger mit einem Augenzwinkern, weniger ironisch und zitatenreich. “Sommer” punktet mit seinem Spannungsaufbau und mit dem perfiden Katz- und Mausspiel, dass der geheimnisvolle Killer mit dem Enterhaken mit den vier Freunden treibt. Die Slasher-Momente sind zwar ungeheuer nervenaufreibend inszeniert und die Kills relativ blutig – doch sie dominieren die Handlung nicht so sehr wie bei “Scream”.

Das Finale allerdings, in dem sich Jennifer Love Hewitt als Scream Queen eindrucksvoll zur Geltung bringt, fährt noch einmal die sattsam bekannte Schreckenspalette altbewährter Slasher-Stilelemente ab, die von einem dynamischen Score von John Debney getragen wird. 
Die schauspielerischen Leistungen der namhaften Hauptdarsteller sind durchweg überdurchschnittlich und tragen zum durchaus positiven Gesamteindruck dieses wendungsreichen Horror-Thrillers bei, der mit zum besten dieser Dekade gezählt werden darf und eindrucksvoll unter Beweis stellt, dass ein Slasher auch ohne literweise Blut und dümmliche Teenager-Klischees wunderbar funktionieren kann.

Schreibe einen Kommentar